Ausweisung
Kriminell, verschuldet und auf Sozialhilfe angewiesen: Vater verliert Aufenthaltsbewilligung

Obwohl sein Kind hier aufwächst, muss ein 30-jähriger Mann zurück in seine Heimat Bosnien und Herzegowina. Die Ehe mit seiner Schweizer Frau ging in die Brüche. Auch sonst konnte er hier nicht richtig Fuss fassen.

Silvan Meile
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Vier Mal in eineinhalb Jahren musste die Polizei wegen häuslicher Gewalt ausrücken.

Vier Mal in eineinhalb Jahren musste die Polizei wegen häuslicher Gewalt ausrücken.

Bild: Maurizio Gambarini / DPA

Ein 30-jähriger Thurgauer aus Bosnien und Herzegowina muss die Schweiz nach zehn Jahren verlassen. Sein heute sieben Jahre alter Sohn wächst dadurch künftig ohne ihn auf. Das Bundesgericht stützt den Entscheid des Thurgauer Migrationsamts, die Aufenthaltsbewilligung für den Mann nicht zu verlängern. Er gelte nicht als erfolgreich integriert und sei auch nicht willens oder fähig, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten, heisst es im Urteil des Bundesgerichts.

Polizei musste wegen häuslicher Gewalt ausrücken

Der Mann hält sich seit Ende 2012 im Rahmen einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz auf, nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren. «Nach der Heirat einer Schweizer Bürgerin am 8. Mai 2015 wurde ihm am 8. September 2015 eine Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug erteilt», hält das Bundesgericht fest. Bereits ein Jahr zuvor ging aus der Beziehung ein gemeinsamer Sohn hervor. Ein Jahr nach der Heirat zog der Mann in die Wohnung seiner Gattin.

Doch schon bald kam es zu ehelichen Problemen. Nach vier polizeilichen Interventionen mit zwei Wegweisungen wegen häuslicher Gewalt habe der Mann die gemeinsame Wohnung nach rund eineinhalb Jahren wieder verlassen, hält das Bundesgericht fest. Die Ehe sei im Februar 2020 geschieden worden. «Die eheliche Gemeinschaft wurde damit weniger als drei Jahre gelebt, womit insofern kein Bewilligungsanspruch besteht», heisst es im Urteil. Das Bundesgericht weist deshalb die Beschwerde gegen den Entscheid des Thurgauer Migrationsamtes bezüglich Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab. Dabei führt es noch weitere Kriterien ins Feld.

Mit gesellschaftlichen Leben in der Heimat nach wie vor vertraut

Der Beschwerdeführer sei wiederholt straffällig geworden; etwa durch Fahren in fahrunfähigem Zustand, Drohung oder Sachbeschädigung. Dies auch während seines Beschwerdeverfahrens. Ausserdem bestünden gegen ihn 23 Verlustscheine über knapp 20'000 Franken und er sei «wiederholt sozialhilfeabhängig geworden (bis Ende Dezember: 76’541.25 Franken), obwohl er eine Ausbildung im Pflegebereich abgeschlossen hat», schreibt das Bundesgericht.

Das Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu entziehen, erweise sich schliesslich als verhältnismässig: Der Beschwerdeführer sei in seiner Heimat Bosnien und Herzegowina sozialisiert worden und habe einen Grossteil seines bisherigen Lebens dort verbracht. Er sei mit den gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnissen in seiner Heimat nach wie vor vertraut. In der Schweiz bestünden hingegen «keine vertieften sozialen Kontakte zur hiesigen Gesellschaft und keine längerfristig gefestigte berufliche Tätigkeit».

Auch die grosse Distanz zu seinem Kind vermag den Entscheid nicht umstossen. «Die Beziehung zu seinem Sohn kann er durch Besuchsaufenthalte und die verschiedenen modernen Kommunikationsmittel aufrechterhalten; für die Wahrnehmung des Sorgerechts ist nicht erforderlich, dass er sich dauernd hier aufhält.»