Aus freiwillig wird Pflicht: Eschlikon führt Tempo-30-Zonen in Quartieren ein

Der Verkehr in Quartieren beschäftigt den Gemeinderat seit Jahren. Nun führt er im Oberdorf die erste grossflächige Tempo-30-Zone ein. Weitere sollen folgen.

Roman Scherrer
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Die Freiwillig-30-Herzen in den Eschliker Quartieren werden nach und nach von üblichen Tempo-30-Zonen abgelöst. (Bild: Olaf Kühne)

Die Freiwillig-30-Herzen in den Eschliker Quartieren werden nach und nach von üblichen Tempo-30-Zonen abgelöst. (Bild: Olaf Kühne)

«Die Zeit ist reif», schreibt der Eschliker Gemeinderat in seinen Nachrichten und meint damit die erste grossflächige Tempo-30-Zone in der Gemeinde. Die positiven Rückmeldungen an der gut besuchten Infoveranstaltung zum Projekt «Tempo 30 Oberdorf Eschlikon» hätten diesen Eindruck bestätigt.

Das Anliegen beschäftigt die Gemeinde Eschlikon seit rund zehn Jahren. Anfang 2009 waren es die Grünen, die mit ihrer Petition für Tempo 30 auf Quartierstrassen das Thema angestossen haben. Der Gemeinderat entschied sich damals, kein generelles Tempo 30 einzuführen.

Einzelne Massnahmen statt Gesamtkonzept

Stattdessen wurden auf mehreren Quartierstrassen Herz-Markierungen angebracht, die ein freiwilliges Tempo 30 signalisieren. Zu Beginn der laufenden Legislatur entschied sich der Gemeinderat, statt eines gesamthaften Verkehrskonzepts einzelne Massnahmen zu planen und umzusetzen.

Bei der Umsetzung ist er nun angelangt. So wird aus freiwillig 30 eine Pflicht: Demnächst soll für das ganze Eschliker Oberdorf – von der Waldstrasse im Westen bis zum östlichsten Teil der Rebenackerstrasse – eine 30er-Zone eingeführt werden. Gemeindepräsident Hans Mäder erklärt:

«Wir wollten zuerst mit dem Oberdorf beginnen, weil dies die Schule und die Begegnungszone an der Blumenaustrasse beinhaltet.»

Das Gutachten, welches die Gemeinde im vergangenen Jahr erstellen liess, weist bei jeder Strasse im Oberdorf einen Bedarf an einer 30er-Zone aus.

Schmale Strassen und schlechte Übersicht

Bei den Messungen, die vor 10 Jahren nach der Grünen-Petition durchgeführt wurden, kam man noch zum Schluss, dass in den Quartieren das Tempolimit gut eingehalten wird. Hans Mäder erklärt: «Mittlerweile hat sich vieles geändert, etwa die Einstellung der Bevölkerung zu Tempo-30-Zonen.»

Hans MäderGemeindepräsident Eschlikon

Hans Mäder
Gemeindepräsident Eschlikon

Aufgrund der teilweise engen Strassen und der schlechten Übersichtlichkeit biete sich eine Temporeduktion im Oberdorf an. «Man muss ja den Gegebenheiten angepasst fahren. Und 50 ist hier einfach zu schnell», sagt Mäder.

Noch in der ersten Jahreshälfte 2019 plant die Gemeinde die Realisierung der 30er-Zone im Oberdorf. Nach und nach sollen die weiteren Quartiere folgen – als Nächstes ist Wallenwil dran. «Wir wollen aber immer zuerst mit den Leuten aus den Quartieren sprechen», sagt Mäder. Das Zusammenfassen in grossflächige 30er-Zonen sei kostengünstig, erklärt Mäder.

«Wären die Zonen kleiner, müssten wir mehr Tafeln aufstellen. Eine Tafel kostet etwa 1000 Franken.»

Im Oberdorf gehe man zudem davon aus, dass keine weiteren Verkehrsberuhigungen gebaut werden müssen. Der Idee, dass dereinst in allen Eschliker Quartieren Tempo 30 gelten soll, kann Hans Mäder etwas Weiteres abgewinnen: «Für die Autofahrer wird es klar sein: In den Quartieren der Gemeinde Eschlikon fährt man 30.»