Aktenzeichen XY
Erschossen und in See versenkt: Männerleiche aus Barchetsee stellt Polizei noch immer vor Rätsel

Vor 14 Jahren wurde ein Mann tot aus dem Barchetsee bei Oberneunforn geborgen. Bis heute ist der Fall ungeklärt. Die Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst» soll nun entscheidende Hinweise liefern.

Judith Schönenberger
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Der Barchetsee ist Ausflugsziel, Naturschutzgebiet – und Ort eines grausamen Verbrechens.

Der Barchetsee ist Ausflugsziel, Naturschutzgebiet – und Ort eines grausamen Verbrechens.

Bild: TZ

Sein Leichnam kann wahrscheinlich nur wenige Tage im Wasser gelegen haben. Dann bargen ihn Polizeitaucher. Der 27-jährige Ägypter war von Schüssen durchsiebt, an ihm befestigt war ein 30 Kilogramm schwerer Betonblock. So wollte ihn sein Mörder im Barchetsee in der Nähe von Neunforn verschwinden lassen. Doch ein Spaziergänger fand die Leiche am 13. Dezember 2007 und schlug Alarm. Rund eineinhalb Jahrzehnte später tappt die Polizei noch immer im Dunkeln. Wer hat den Mann erschossen und versenkt? Was steckt hinter dem grausamen Mord?

Klar ist: Die Schüsse, mit denen der Mann getötet worden war, stammten alle aus derselben Waffe. Ausserdem war das Opfer der Polizei bekannt, das bestätigten die Fingerabdrücke der Leiche. Der Mann hatte eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und wohnte im Kanton Schaffhausen. Am 10. Dezember, drei Tage bevor seine Leiche gefunden wurde, war er zuletzt lebend gesehen worden. Besonders auffällig war sein Auto: ein schwarzer Fiat Punto 75 mit rot-gelbem Flammenmuster auf beiden Seiten. Es hatte ein Schaffhauser Nummernschild.

Mit diesem Auto war das Opfer vor seinem Tod in der Schweiz und Süddeutschland unterwegs.

Mit diesem Auto war das Opfer vor seinem Tod in der Schweiz und Süddeutschland unterwegs.

Bild: Kapo TG/PD

Opfer schlug Frau und verspielte Geld

Dieselben Informationen zu Auto und Wohnort veröffentlichte die Kantonspolizei Thurgau bereits 2007, wenige Tage nach dem Leichenfund. Rund vier Monate später, im April 2008, setzte sie dann eine Belohnung von 10’000 Franken für «sachdienliche Hinweise» aus. Geld erhält auch heute, wer den Ermittlerinnen und Ermittlern einen entscheidenden Tipp liefert.

Die Polizei konnte den 27-jährigen Ägypter dank seiner Fingerabdrücke identifizieren.

Die Polizei konnte den 27-jährigen Ägypter dank seiner Fingerabdrücke identifizieren.

Bild: Kapo TG/PD

Das Opfer selbst war kein unbeschriebenes Blatt: Der 27-Jährige hatte mutmasslich Kontakte ins Drogenmilieu. Ausserdem hatte der Mann sein Geld verspielt und schlug seine Frau: eine Schweizerin, der er in die Schweiz gefolgt war. Das berichtete «20 Minuten» nach dem Leichenfund. Ob diese Umstände etwas mit dem Tod des Mannes zu tun haben, ist bis jetzt unklar. Mit dem Aufruf in der TV-Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst» will die Kantonspolizei Thurgau entscheidende Hinweise erhalten.

Letzte Möglichkeit für Polizei

«Das ist unsere letzte mögliche Fahndungsmassnahme», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. In den vergangenen Jahren habe es zwar immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, diese hätten aber bislang nicht zum Ermittlungserfolg geführt.

«Wir gehen davon aus, dass sich nach dem Delikt nicht alle Personen aus dem Umfeld des Opfers gemeldet haben», sagt Graf. Das Opfer war vor seinem Tod vermutlich nicht nur in der Schweiz, sondern auch im süddeutschen Raum unterwegs gewesen. Zwar werde eine Verbindung zur Drogenszene vermutet, aber: «Wir ermitteln natürlich auch in andere Richtungen», sagt Graf. Man nehme alle Hinweise entgegen und überprüfe diese.

Der ungeklärte Fall ist am Mittwoch, 16. März, Teil der Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst», die um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird.