SULGEN
Ein Thurgauer Trio kämpft an den Swiss Skills in Bern um den Sieg

Die Bäckerei Mohn ist mit drei jungen Berufsleuten an den nationalen Berufsmeisterschaften vertreten. Roger Mohn, Inhaber und Geschäftsleiter des Familienunternehmens, ist stolz. Das sei bisher noch keiner Bäckerei gelungen, hält er fest.

Georg Stelzner
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Im Confisériebereich der Bäckerei Mohn in Sulgen: Sven Philippe Haug (19), Cindy Segessemann (25) und Regula Hunziker (18).

Im Confisériebereich der Bäckerei Mohn in Sulgen: Sven Philippe Haug (19), Cindy Segessemann (25) und Regula Hunziker (18).

Bild: Georg Stelzner (Sulgen, 5. September 2022)

Bei den am 7. September in Bern beginnenden Swiss Skills messen sich über 1000 junge Berufsleute in 150 verschiedenen Lehrberufen. Für die Teilnahme qualifiziert haben sich auch die 25-jährige Cindy Segessemann aus Kradolf, die 18-jährige Regula Hunziker aus Buhwil und der 19-jährige Sven Philippe Haug aus Altishausen.

Das Besondere: Alle drei haben ihre berufliche Ausbildung in ein und derselben Firma, nämlich bei Mohn in Sulgen, absolviert. Roger Mohn, Firmenchef und Geschäftsleiter, ist entsprechend stolz:

«Das hat es noch nie gegeben. Ich freue mich sehr, dass Cindy, Regula und Sven die Chance wahrnehmen, ihr Können an den nationalen Berufsmeisterschaften unter Beweis zu stellen.»

Um an den alle zwei Jahre stattfindenden Swiss Skills teilnehmen zu können, müssen es die Lernenden im Rahmen des Qualifikations-verfahrens (früher: Lehrabschlussprüfung) unter die besten Zwölf ihres Berufs schaffen. Sechs Wochen hatten die Teilnehmenden Zeit, um sich mit Unterstützung von Coaches für Bern vorzubereiten. Das sei eine extrem kurze Frist, gibt Roger Mohn zu bedenken.

Kontakt mit Kundschaft ist wichtiger Faktor

Aus dem Trio, das den Thurgau in Bern vertritt, ragt Cindy Segessemann aufgrund ihres bisherigen beruflichen Werdegangs heraus. Sie kann bereits über eine abgeschlossene Ausbildung als Konditorin-Confiseurin und als Bäckerin-Konditorin zurückblicken und bestreitet die Swiss Skills nun als Detailhandelsfachfrau EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis).

Diesen Beruf will Segessemann, die in der nicht alltäglichen Lage ist, gleich drei Optionen zu haben, auch in Zukunft ausüben. Ihre Entscheidung begründet sie so:

«Ich lebe für diese Branche, möchte bei meiner Arbeit aber tagtäglich Kontakt mit anderen Menschen, das heisst mit Kundinnen und Kunden, haben.»

Cindy Segessemann wird der Bäckerei Mohn treu bleiben und noch diesen Monat zur stellvertretenden Leiterin der Weinfelder Filiale «La Stazione» aufsteigen. Die Teilnahme an den Swiss Skills sei ein grosses Ziel gewesen, sagt sie. «Ich werde mein Bestes geben und versuchen, in Bern zu gewinnen.»

Die kreative Anforderung ist besonders reizvoll

Regula Hunziker ist Konditorin-Confiseurin EFZ und wollte eigentlich das Qualifikationsverfahren bloss mit einer guten Note abschliessen. Das ist mehr als nur gelungen, denn die Kradolferin gehört landesweit zum besten Dutzend, was zur Teilnahme an den Swiss Skills berechtigt. Die junge Berufsfrau räumt ein, dass es einiger Überredungskunst anlässlich der Diplomfeier bedurft habe, bis sie zugesagt habe. Nun hofft auch sie auf ein gutes Abschneiden in Bern.

Dass Regula Hunziker gerade an dieser Branche Gefallen gefunden hat, ist kein Zufall, hat sie doch zwei Vorbilder in der Familie. Sie erzählt:

«Meine zwei Schwestern sind Bäckerin-Konditorin. Ich habe aber etwas Kreatives und Filigraneres gesucht und bin Konditorin-Confiseurin geworden.»

Mit dem soeben begonnenen Besuch der Berufsmittelschule wartet auf die Kradolferin bereits eine weitere Herausforderung. Eine Rückkehr in den gelernten Beruf sei möglich, aber noch nicht sicher, sagt sie.

Nach der Rekrutenschule als Ofenbäcker tätig

Fast schicksalhaft ist der Weg zu nennen, den das Leben für Sven Philippe Haug vorgezeichnet hat. Er ist in Altishausen daheim und damit in jenem Dorf, in dem die Bäckerei Mohn bis zur Neuansiedlung in Sulgen ihre Produktionsstätte hatte. Der junge Bäcker-Konditor EFZ erklärt:

«Ich bin mit der Firma Mohn aufgewachsen und habe dort auch regelmässig eingekauft.»

Das Backen habe ihm schon immer Spass gemacht und in seinem Beruf gefalle ihm besonders das Umfeld.

Dem Antreten an den Swiss Skills blickt er gelassen entgegen. Über einen Podestplatz würde er sich freuen, doch schon das Dabeisein empfindet er als Ehre. Nach der Rekrutenschule, die im nächsten Jahr auf dem Programm steht, wird Sven Philippe Haug an die Kreuzlingenstrasse 10 zurückkehren und bei Mohn die verantwortungsvolle Funktion des Ofenbäckers ausüben. Nachts zu arbeiten, mache ihm nichts aus, versichert er. Die Freizeit verschiebe sich ja nur.

Firma Mohn bildet in drei Berufen aus

Die Bäckerei Mohn bildet derzeit zehn Lernende aus. Dass diese Ausbildung von hoher Qualität ist, beweisen Cindy Segessemann, Regula Hunziger und Sven Philippe Haug mit ihrer Qualifikation für die Swiss Skills. «Meine Frau Lorena und ich haben Plausch daran, junge Menschen in drei Berufen auszubilden», erklärt Roger Mohn, der speziell darauf achtet, «dass die Leute auch ins Team passen». Harmonie sei das A und O in einem Betrieb und eine wichtige Voraussichtung für erfolgreiches Arbeiten, betont der Firmenchef.