Versammlung
Die Schule muss zuerst mit dem Volk sprechen: Die Ermatinger möchten bei der Schulraumerweiterung genau wissen, was läuft

Der Planungskredit für einen Neubau auf dem Areal «alte Post» wird an der Versammlung nach vielen Diskussionen gekappt. Kantonsrat Peter Dransfeld kommt mit seinem Antrag durch.

Urs Brüschweiler
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Der Kindergarten Sonnenstube ist noch gut im Schuss. Vermutlich muss er deshalb nicht einem Neubau weichen.

Der Kindergarten Sonnenstube ist noch gut im Schuss. Vermutlich muss er deshalb nicht einem Neubau weichen.

Bild: Ralph Ribi

Wie erwartet wurde es ein ungemütlicher Abend für Primarschulpräsident Antonio Basile. Sein ambitioniertes Vorhaben, ausreichend und zeitgemässen Unterrichtsraum für die Ermatinger Kinder zu bauen, geriet an der Schulgemeindeversammlung unter Beschuss. Insbesondere Kantonsrat und Architekt Peter Dransfeld, der die Planspiele der Behörde schon im Vorfeld harsch kritisiert hatte, machte dem Schulpräsidenten das Leben schwer. Dass das Thema die Gemüter im Dorf bewegt, zeigte der Rekordaufmarsch von 107 Stimmberechtigten am Mittwochabend.

Antonio BasilePrimarschulpräsident Ermatingen.

Antonio Basile
Primarschulpräsident Ermatingen.

Bild: Urs Brüschweiler

Basile versuchte gleich zu Beginn, den «Verstimmungen im Dorf» zu entgegnen, indem er vorschlug, den Planungskredit für die Schulraumerweiterung in der Höhe von 450'000 Franken separat zu behandeln, statt ihn wie ursprünglich vorgesehen einfach über das Investitionsbudget laufen zu lassen. Auch erklärte er erneut die ausführlichen Analysen der Begleitgruppe Schulraumentwicklung, welche zum vorliegenden Lösungsszenario geführt haben. Als erste von drei Etappen sieht es einen Neubau auf dem Areal «alte Post» vor.

«Ich bin sicher, wir haben eine sehr gute Vorarbeit geleistet.»

Peter Dransfeld sah das jedoch anders und bemängelte die mangelnde Kommunikation von wichtigen Informationen. «Für einen Architekturwettbewerb braucht es eine finanzielle Grössenordnung. Hat sich die Behörde dazu Gedanken gemacht?» Die beiden Architekten und externen Mitglieder der Begleitgruppe, Martin Frey und Urs Maurer, sprangen Antonio Basile zur Seite und versuchten die Fragen zu beantworten. Eine Hochrechnung gehe von rund sieben Millionen Franken Investitionskosten für die erste Etappe aus.

Der Ermatinger Musik-Pavillon.

Der Ermatinger Musik-Pavillon.

Bild: Ralph Ribi

Diskussion unter Architekten

Peter DransfeldErmatinger Kantonsrat und Architekt.

Peter Dransfeld
Ermatinger Kantonsrat und Architekt.

Bild: Donato Caspari

Diskutiert wurde auch lange, ob die Höhe des Planungskredits angemessen sei. Dransfeld vertrat dann die Ansicht, ein ausführlicher Antrag der Behörde mit Detailangaben wäre unbedingt angebracht gewesen. «Transparenz hätte geholfen.» Die Diskussionen gingen auch um die Zukunft der heute bestehenden Gebäude auf dem fraglichen Areal «alte Post». Es befinden sich dort etwa zwei Kindergärten und der «Musik-Pavillon», welcher Dorfvereinen als Probelokal dient. Ob sie dem Neubau weichen müssten oder nicht, sei derzeit noch nicht entschieden, betonten die Behördenvertreter. Man habe die Bedürfnisse der verschiedenen Anspruchsgruppen und der Bevölkerung durchaus im Blick. Basile erwähnte etwa, dass auch eine kleine Turnhalle vorgesehen sei. Urs Giezendanner bezeugte seine liebe Mühe mit der ungewissen Situation.

«Ihr wisst doch schon ganz genau, was wohin kommen soll. Warum wird das nicht kommuniziert?»

Peter Dransfeld stellte einen Antrag. Die Behörde solle bis im Frühling einen sauberen Antrag für einen Planungskredit formulieren, nachdem auch die bereits angekündigten Workshops mit der interessierten Bevölkerung stattgefunden haben. Dafür soll der vorliegende Kredit von 450'000 Franken vorerst auf 50'000 Franken reduziert werden. «Es geht wohl um das grösste Bauprojekt, das Ermatingen je gesehen hat. Das kommt nur durch, wenn ihr mit den Bürgern redet.» Mit 54 Ja- zu 47 Nein-Stimmen kam der Antrag durch. Peter Dransfeld wandte sich noch an die Versammlung:

«Wir dürfen aber nicht nur fordern, sondern müssen jetzt auch bei den Workshops mitmachen. Ich selber bin dazu gerne bereit.»
Das Areal an der Ermatinger Poststrasse mit dem Kindergarten Sonnestube im Vordergrund, dem Kindergarten «alte Post» (rechts) und dem Musik-Pavillon (hinten links).

Das Areal an der Ermatinger Poststrasse mit dem Kindergarten Sonnestube im Vordergrund, dem Kindergarten «alte Post» (rechts) und dem Musik-Pavillon (hinten links).

Bild: Ralph Ribi

Eigenkapital soll abgebaut werden

Das Budget der Primarschulgemeinde Ermatingen mit einem Aufwandüberschuss von 274'400 Franken war mit grosser Mehrheit angenommen worden. Es basiert auf einem um zwei Prozent reduzierten Steuerfuss von 43 Prozent. Das Ziel sei, das hohe Eigenkapital abzubauen.

Klar und deutlich angenommen wurde auch die überarbeitete Gemeindeordnung. Darin ist nun festgehalten, dass der Rechnungsprüfungskommission externe beratende Fachleute zur Seite gestellt werden können.

Bekanntgegeben wurde zudem, dass Ivona Studer aus beruflichen Gründen die Primarschulbehörde per 16. August 2022 verlassen hat. Die Ersatzwahl findet am 12. März 2023 statt.

Sek senkt Steuern auch

Die vorgängig stattgefundene Versammlung der Sekundarschulgemeinde Ermatingen senkte ebenfalls die Steuern. Der Steuerfuss liegt neu um drei Prozent tiefer bei 23 Prozent. Das Budget 2023 sieht dennoch einen Überschuss von 446'600 Franken vor. Im Investitionsbudget sind 640'000 Franken vorgesehen. Hauptsächlich für die Bodensanierung des Altbaus der Sek. Radonmessungen hätten ergeben, dass die neuen Grenzwerte überschritten werden, erklärt Präsident Beat Kneubühler. Bewilligt wurde analog der Primarschulgemeinde eine Revision der Gemeindeordnung. Behördenmitglied Franziska Keller hat per Ende 2022 ihren Rücktritt gegeben. Die Ersatzwahl findet am 12. März 2023 statt. (ubr)