Schulraumnot
«Verschiedene Schulstandorte machen die Sache extrem komplex»: Die Ermatinger Schulen brauchen dringend mehr Platz

An einem Podium haben die Ermatinger Schulen ihre Zukunftspläne vorgestellt. Daraus haben sich kritische Fragen und eine Diskussion ergeben. Die Schulgemeinde drückt derweil aufs Gaspedal: Bereits an der Gemeindeversammlung im November soll ein Planungskredit für den Architekturwettbewerb zur Abstimmung kommen.

Margrith Pfister-Kübler
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Diskutieren am Podium: Architekt Martin Frey, Schulpräsident Antonio Basile, Architekt Urs Maurer, Moderator Andreas Notter, Lehrerin Monika Sauder und Gemeindepräsident Urs Tobler.

Diskutieren am Podium: Architekt Martin Frey, Schulpräsident Antonio Basile, Architekt Urs Maurer, Moderator Andreas Notter, Lehrerin Monika Sauder und Gemeindepräsident Urs Tobler.

Bild: Margrith
Pfister-Kübler

«Die Primarschule und auch die Sekundarschule Ermatingen stehen vor grösseren Herausforderungen», sagt Schulpräsident Antonio Basile zur Begrüssung des Informationsanlasses über die Schulraumentwicklung Ermatingen in der Mehrzweckhalle.

Akut sei der Handlungsbedarf wegen grossem Schülerwachstum bei der Primarschule. Im Juni 2020 hat die Schulbehörde für den Kindergartenanfang 27 Kinder für das Schuljahr 2021 erwartet. Zwei Monate später kamen 43 Kinder. Die Behörde habe reagiert und in wenigen Monaten den Kindergarten Kunterbunt in Ermatingen eröffnet sowie die Sanierung vom Obergeschoss in Triboltingen in Auftrag gegeben. Anfang dieses Schuljahrs ist eine Klasse in Triboltingen eröffnet worden. Basile sagt:

«Ein halbes Jahr später hat sich gezeigt, dass, bis auf eine Ausnahme, zukünftig mit zirka 40 Kinder pro Jahrgang für die Einschulung gerechnet werden kann.»
Antonio Basile, Ermatinger Schulpräsident.

Antonio Basile, Ermatinger Schulpräsident.

Bild: Margrith
Pfister-Kübler

Ein besonderes Anliegen des Schulpräsidenten ist die Chancengleichheit für alle Kinder. «Deshalb haben wir auch die politische Gemeinde ins Boot geholt. In Zusammenarbeit mit Körperschaften, Gewerbe und Vereinen werden wir einen Mehrwert generieren.»

Vorgesehen ist, dass die Hauptstandorte der drei Zyklen, Primarschule, Sekundarschule, Gelände von der alten Post werden beibehalten und in drei Etappen ausgebaut werden. Die drei Zyklen entsprechen der Gliederung des Lehrplans 21. Zyklus 1 umfasst den kleinen Kindergarten bis zur 2. Klasse, Zyklus 2 die 3. bis 6. Klasse, Zyklus 3 die 7. bis 9. Klasse der Sekundarschule. «Die Nebenstandorte des Kindergartens Kunterbunt und in Triboltingen werden als Schulstandorte aufgehoben», sagt Basile.

Bei Schulhauswechseln geht Zeit verloren

Zur Klärung aller Details hatte die Schulbehörde auch die Mitglieder der Begleitgruppe Schulraumentwicklung zum Podium eingeladen. Dies sind: Bauherrenberater Martin Frey, Architekt; Köbi Keller, Mitglied der Sekundarschulbehörde; Ingo König, Lehrperson Zyklus 2; Andrea Läubli, Mitglied Primarschulbehörde; Urs Maurer, Architekt und Pädagoge; Monika Sauder, Lehrperson Zyklus 1 und Roger Zimmermann, Schulleiter Primarschulgemeinde. Sie haben die Grundlagen zur Entscheidungsfindung erarbeitet.

Den Besucherinnen und Besuchern bietet sich die Gelegenheit, unter der kritischen Gesprächsleitung von Andreas Notter alles zu hinterfragen. Die grösste Herausforderung? Architekt Urs Maurer sagt: «Extrem komplex durch die verschiedenen Schulstandorte.» Doch noch nie habe er so eine reibungslose Planung erlebt, wie in Ermatingen.

Lehrerin Monika Sauder legt den Finger derweil auf die aktuell vielen Schulhauswechsel für die Kinder, da gehe wertvolle Unterrichtszeit verloren. Gemeindepräsident Urs Tobler weist auf den wichtigen Standortfaktor dank der Schulen hin und sagt: «Von den Überlegungen her ist die Planung gut aufgegleist.» Seriöse Angaben zu den Kosten?

«Noch ist die Streuung relativ gross. Wir müssen jetzt den Rahmen abstecken.»
Urs Tobler, Gemeindepräsident Ermatingen.

Urs Tobler, Gemeindepräsident Ermatingen.

Bild: Kevin Roth

Kritik löst in der Bevölkerung aus, dass die Fussballwiese verschwinden soll. Basile gibt Entwarnung: «Auf jeder öffentlichen Wiese bei den Schulen darf man Fussball spielen.»

Standort Triboltingen wird nicht verkauft

Eine weitere Frage bezieht sich darauf, warum der Standort Triboltingen aufgelöst werden soll, wo man ihn doch reaktiviert habe. «Der Satellit Triboltingen wurde für 15 Kinder aus Triboltingen eröffnet», antwortet Basile. Die Lösung mit dem Schulbus – dann bliebe den Kindern nur 20 Minuten Zeit fürs Mittagessen – habe aber keine Qualität. Ein Votant verweist auf das starke Wachstum von Triboltingen und sagt: «Triboltingen wird mehr Schulraum brauchen.» Basile versichert: «Der Standort Triboltingen wird nicht verkauft.»

Der Ruf nach Raum für die Musikgesellschaft, das Panik-Orchester und weitere Vereine kommt von verschiedenen Seiten: «Denkt bei der Planung auch an die Vereine.» Stoppen müsse man den «Helikopterverkehr» an der Poststrasse, lautet eine weitere Forderung.

Die Daten für das weitere Vorgehen zeigen ein sportliches Tempo: Der Planungskredit für den Architekturwettbewerb soll an der Gemeindeversammlung im November zur Abstimmung kommen und der Architekturwettbewerb 2023 durchgeführt werden. Baubeginn ist für 2025 geplant und die Betriebsaufnahme für 2026 vorgesehen.