Liberale Kehrtwende
Stadtrat nein, Parteipräsident ja – die Kreuzlinger FDP setzt nun doch auf die Karte Fabrizio Ribezzi und räumt einen Fehler ein

Bei den Stadtratswahlen am 25. September reichte es dem Kreuzlinger Gastronom und FDP-Gemeinderat nicht zum Erfolg. Auch, weil ihm der Parteivorstand die Unterstützung verwehrte. Den Kopf in den Sand steckt Ribezzi nicht. Im Gegenteil: Er strebt nun ein anderes, überraschendes Amt an.

Urs Brüschweiler
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Fabrizio Ribezzi – hier noch im Stadtratswahlkampf – übernimmt bald die Führung bei den Kreuzlinger Liberalen.

Fabrizio Ribezzi – hier noch im Stadtratswahlkampf – übernimmt bald die Führung bei den Kreuzlinger Liberalen.

Bild: Michel Canonica
«Ich habe viel Energie gesammelt. Man wird wieder von mir hören.»

Diesen Satz sagte Fabrizio Ribezzi kurz nach der Bekanntgabe des Resultats der Stadtratswahlen am 25. September, 1501 Stimmen hatten ihm nicht zur Wahl gereicht. Und tatsächlich: Kurz danach teilte die FDP Kreuzlingen mit, dass Ribezzi am 4. November Präsident der Liberalen Ortspartei werden soll. Eine Meldung, die aufhorchen liess, verwehrte der FDP-Vorstand seinem Gemeinderat doch jüngst noch die Unterstützung im Rennen um das Exekutivamt.

Der fehlende Support habe ihn weniger gestört als die Tatsache, dass die fehlenden 187 Stimmen möglicherweise als offizieller Parteikandidat wettzumachen gewesen wären. «Das hat mich genervt», sagt Ribezzi. Verhärtete Fronten haben sich bei dem Manöver aber offensichtlich nicht gebildet. Denn an einer Sitzung von Ribezzi mit dem Parteivorstand am Montag nach der Wahl kam die Idee auf, er könnte doch das Parteipräsidium übernehmen.

Der Amtsinhaber wollte schon länger aufhören

Thomas GutAbtretender FDP-Präsident

Thomas Gut
Abtretender FDP-Präsident

Während der umtriebige Gastronom hoch motiviert und voller Tatendrang ist und bei ihm die politischen Ideen nur so sprudeln, will der aktuelle Präsident Thomas Gut schon seit einiger Zeit aufhören. Dieser war 2019 als FDP-Präsident angetreten, auch um sich für weitere politische Ambitionen in Position zu bringen. Und er wollte die Partei zur Innovations- und Ideenschmiede machen. Die Entwicklung seiner Werbe- und Marketingagentur, seine berufliche Eingebundenheit, stand diesen Zielen aber etwas im Weg. Als Scherzinger sei er zudem in der Ortspartei Kreuzlingen immer etwas aussen vor geblieben.

Über seinen designierten Nachfolger sagt Thomas Gut nun:

«Wir sind im Vorstand falsch gelegen, Ribezzi nicht zu unterstützen.»

Der Zuspruch der Parteibasis und sein Glanzresultat hätten diesem letztendlich recht gegeben.

«Und er ist jetzt ‹on fire›, hat den nötigen Drive und ist somit die Idealbesetzung fürs Parteipräsidium.»

Gut traut Ribezzi zu, dass er viele moderne Leute anziehen kann und mit dem neuen Mandat viel erreichen kann. «Die FDP wird gewinnen.»

Er will die Lethargie in Kreuzlingen bekämpfen

Einstimmig schlägt nun also der FDP-Vorstand der Parteiversammlung am 4. November Fabrizio Ribezzi als neuen Präsidenten vor. Ribezzi sagt:

«Als Gemeinderat und Parteipräsident kann ich viele Dinge anschieben, das reizt mich.»

Die «etwas schwerfällig» gewordene FDP will er dynamischer gestalten, bisherige und neue Mitglieder abholen und für die Politik motivieren, das Parteiprofil schärfen. Alles immer unter der Maxime, das unternehmerische Denken zu fördern. Sein Ziel aus dem Wahlkampf bleibe dasselbe: die Lethargie in Kreuzlingen bekämpfen. Ribezzi möchte vor allem auch das Ohr nahe bei den Bürgern haben. «Was mir die Leute in der Beiz heute erzählen, was man alles verändern oder realisieren sollte in der Stadt, das können sie dann dem Parteipräsidenten sagen.»