Kreuzlingen
Kulturvermittlung ausserhalb der Museen: Stadt will der Bevölkerung die Bedeutung und Geschichte ihrer Bäche näherbringen

Die Stadt hat entlang des Chogen-, Sau- und Schoderbachs drei Themenwege geschaffen, die zu Fuss und teilweise mit dem Velo erkundbar sind. Mit einer App steht ein digitaler Führer zur Verfügung.

Kurt Peter
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Claudia Thom vom Departement Gesellschaft und der Umweltbeauftragte Stefan Braun probierten die App am Schoderbach aus.

Claudia Thom vom Departement Gesellschaft und der Umweltbeauftragte Stefan Braun probierten die App am Schoderbach aus.

Bild: Kurt Peter

«Die Bäche sind mit den Quartieren eng verbunden, Bäche spielen in der Kreuzlinger Geschichte eine grosse Rolle», sagte Claudia Thom vom Departement Gesellschaft am Dienstagmorgen an einer Medienkonferenz. Anlass war die Präsentation des dritten Themenweges über Kreuzlinger Bäche: der Weg entlang des Schoderbachs.

Die Themenwege Saubach und Chogenbach seien bereits umgesetzt, offiziell eröffnet werde der Themenweg Schoderbach am 23. September. Seit dem vergangenen Jahr mache die Stadt Bäche und deren Bedeutung der Bevölkerung bekannt. Dies sei unter anderem auch mit Führungen geschehen.

«Es geht der Stadt darum, Natur- und Kulturvermittlung auch ausserhalb der Museen zu bieten.»

Mit der Gratis-App OutdoorActive könne dies kostengünstig und einfach umgesetzt werden. Die QR-Codes entlang des Weges informierten je nach Standort über die Geschichte, Bedeutung und Renaturierung. Die Routen auf der App werden auch von Thurgau Tourismus erfasst: «Diese Wege sind sehr beliebt, wir stellen ganz allgemein einen starken Trend nach Aktivitäten im Freien fest», erklärte Nicole Esslingen von der Geschäftsstelle Kreuzlingen.

Mit Bachöffnungen den Dornröschenschlaf beendet

Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadt Kreuzlingen, betonte, dass «Kreuzlingen an den Bächen entstanden ist». Bäche seien Energielieferanten gewesen, doch im Lauf der Zeit habe sich einiges verändert. Vor etwa 100 Jahren seien die Bäche von der Oberfläche verschwunden, «seither fielen sie in einen Dornröschenschlaf».

Das habe sich im Jahr 2010 geändert, als die Stadt ein Bachkonzept erarbeitet habe. 2012 habe der Kanton die Hochwasserschutzkarte herausgegeben, «die für Kreuzlingen klaren Handlungsbedarf ergab». Und schliesslich seien auch vom Bund Auflagen bezüglich Hochwasserschutz gekommen. Braun erklärte:

«Einem 300-jährigen Hochwasser wäre Kreuzlingen ohne Massnahmen kaum gewachsen.»

Sichtbare Massnahmen sind die inzwischen getätigten Bachöffnungen und die, wo möglich, umgesetzten Renaturierungen. So konnte der Chogenbach im Bereich Campingplatz schon vor Jahren renaturiert werden, der Schoderbach folgt im Bereich Brückenstrasse – Emmishofer Zoll 2023 und 2024.

Zum Antrieb von Mühlenrädern genutzt

Die drei Kreuzlinger Bachwege dienten auch dazu, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Geschichte der Bäche sei spannend, ihre Läufe seien immer wieder verändert worden, «so wie sie die Menschen zur damaligen Zeit eben brauchten». Zwischen ein und drei PS an Kraft hätten beispielsweise die Mühlräder entwickelt. Solche Mühlen habe es an den Kreuzlinger Bächen zahlreiche gegeben. Bäche dienten aber nicht nur dem Antrieb von Mühlrädern, aus ihnen wurde auch Trinkwasser gewonnen.

Historiker David Bruder ging auf diesen Aspekt ein: «Auch die Stadt Konstanz wurde aus Kreuzlinger Bächen mit Trinkwasser versorgt.» Dazu wurde das Wasser in Teichen gestaut und in Brunnenstuben gesammelt.

«Seewasser aus dem Uferbereich war damals einfach viel zu stark verschmutzt.»