Festabrechnung
Der Kater nach dem Fest: Das Kreuzlinger «Stadtfäscht» kommt die Steuerzahler deutlich teurer als geplant

Die halbe Million Franken aus dem städtischen Haushalt hat nicht gereicht. Das Fest zum 75-Jahr-Jubiläum der Stadt Kreuzlingen im vergangenen Juli kostet 157'000 Franken mehr.

Urs Brüschweiler
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Impressionen vom Kreuzlinger Stadtfest 2022.

Impressionen vom Kreuzlinger Stadtfest 2022.

Bild: Reto Martin

«Die 500'000 Franken können eingehalten werden.» Dieser Satz fiel auf der Pressekonferenz des Organisationskomitees, wenige Tage bevor das grosse Stadtfäscht vom 1. bis 3. Juli 2022 eröffnet wurde. Ein halbes Jahr später folgt die Ernüchterung. «Die Stadtfest-Rechnung schliesst mit einem Mehraufwand», teilt die Stadt am Dienstag mit. 657'217 Franken – also über 30 Prozent mehr, als im städtischen Budget von den Stimmberechtigten bewilligt worden war – kostet das Fest die Steuerzahler.

Stadtpräsident Thomas Niederberger – gleichzeitig auch OK-Präsident des Festes zum 75-Jahr-Jubiläum Kreuzlingens – muss nun hinstehen und den Mehraufwand begründen. «Selbstverständlich hätten wir nach dem tollen Fest lieber einen positiven Abschluss vermeldet. Nun müssen wir leider eine Budgetüberschreitung verantworten.» Die Ursache für den Mehraufwand liegt im Bereich Infrastruktur. Die Budgetierung hätte zu einem sehr frühen Zeitpunkt – mehr als ein Jahr vor dem Fest – auf Grundlage eines Grobkonzepts stattfinden müssen. Die Detailplanung hätte erst danach in Angriff genommen werden können. Gerade die grossen sogenannten Festinseln seien dann erst relativ spät und in enger Zusammenarbeit mit den Betreibervereinen fertigentwickelt worden. Das habe sich auf die Kosten ausgewirkt, erklärt Niederberger. «Wir wollten auch bewusst einen Schwerpunkt setzten, bei der attraktiven Ausgestaltung des Festgeländes.» Unvorhergesehenes und zusätzliche, nicht bedachte Ausgaben hätten dann dazu geführt, dass der Rahmen gesprengt wurde.

Kreuzlingen 2.7.2022 TG - Impressionen vom Kreuzlinger Stadtfest 2022.
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Kreuzlingen 2.7.2022 TG - Impressionen vom Kreuzlinger Stadtfest 2022.
Hoch hinaus geht es für diesen jungen Stadtfest-Besucher.
Interessante Apparaturen gibt es für diese Buben zu bestaunen.
Die lange Rutsche war eines der Highlights am Fest.
Rutschen macht spass.
Viel Kulinarik wird den Besuchern geboten.
Die Besucher geniessen den Schatten im Dreispitzpark.
Ein Tänzchen in Ehren kann an einem solchen Fest niemand verwehren.
Blick über den Bärenplatz mit all den Attraktionen der Vereine.
Smile.
Die Tänzerinnen präsentierne ihre Show den Gästen.
Kreuzlingen 2.7.2022 TG - Impressionen vom Kreuzlinger Stadtfest 2022.
Was bewegt sich, wenn man dort drückt?
Gute Laune auch an den Getränkeständen.
Eine beeindruckende Kuppel steht auf dem Bärenplatz.
Die Stadt am Wasser - für einmal auch auf dem Bärenplatz.
Für jeden Geschmack ist etwas dabei bei den vielen Essensständen.

Kreuzlingen 2.7.2022 TG - Impressionen vom Kreuzlinger Stadtfest 2022.

Bild: Reto Martin

Thomas Niederberger sagt, dass man zum Zeitpunkt des Festes wirklich davon ausgegangen sei, dass man mit eingeleiteten Sparmassnahmen und der Steigerung der Einnahmen das Budget werde einhalten können. So verzichtete man etwa auf das «digitale Stadtfäscht» und erhöhte kurzfristig noch die OK-Margen auf die Getränkepreise. Ausserdem konnte man im Bereich Sponsoring das Einnahmeziel gar um 37'000 Franken übertreffen. Insgesamt seien über 200'000 Franken an Sponsorengeldern zusammengekommen.

Unterschiedliche Ergebnisse bei den Standbetreibern

Die finanziellen Ergebnisse der einzelnen Vereine, beziehungsweise Standbetreiber sind offiziell nicht bekannt. Thomas Niederberger sagt, er wisse vom Kontakt mit den verschiedensten Vereinen, dass die Umsätze und Gewinne sehr unterschiedlich ausgefallen seien. Einzelne hätten leider gar ein kleines Minus eingefahren, andere aber auch satte Gewinne erzielt. Über alles betrachtet habe er aber erwartet, dass mehr für die Vereine abfalle. (ubr)

Der OK-Präsident spricht von einem «Lehrblätz» für die Zukunft. Die OK-Mitglieder und Helfer hätten ehrenamtlich sehr viel Zeit und Energie in das Fest gesteckt. Und letztendlich hätten die Kreuzlinger für umgerechnet 29 Franken pro Einwohnerin und Einwohner auch ein sehr gelungenes Fest erhalten, das hoffentlich in bester Erinnerung bleiben werde.

Der Gemeinderat muss die Überschreitung genehmigen

Ob die Budgetüberschreitung ein politisches Nachspiel haben wird, wird sich noch zeigen. An der Sitzung im Mai wird das Stadtparlament über die Jahresrechnung der Stadt, und somit auch über das Festergebnis beraten. Einer, der spätestens dann kritische Fragen stellen wird, ist FDP-Gemeinderat Alexander Salzmann. «Ja, ich bin entsetzt», sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. «31 Prozent überschossen! Das ist nicht etwas, das einfach so passiert.» Er möchte es zwar nicht unterlassen, dem Stadtrat für ein schönes Fest zu danken. Und er danke auch dafür, dass die Budgetüberschreitung transparent ausgewiesen und nicht irgendwo versteckt werde. Doch für Salzmann bleibe – neben vielen anderen – die Frage nach der Haftung offen? «Zahlt das der Stadtrat oder das OK aus dem privaten Sack?».

Weniger dramatisch sieht die Geschichte FDP-Gemeinderat Christian Brändli. «Es ist sicher unrühmlich, aber meiner Meinung nach ist die Überschreitung vertretbar.» Auch Brändli teilt die Festkosten durch die Anzahl Einwohner und findet, man habe für die knapp 30 Franken pro Kreuzlingerin und Kreuzlinger ein absolut tolles und sehr volksnahes Fest erhalten. «Das Geld wurde immerhin für etwas Sinnvolles ausgegeben und nicht für einen Blödsinn.»