Summerdays
Ein Wiedersehen nach 35 Jahren: Stephan Eicher kommt zurück auf die Bühne in Arbon

Der Chansonnier ist einer der Headliner am Freitag beim Summerdays Festival. Für ihn wird es das zweite Konzert in Arbon sein. Ganz am Anfang seiner Karriere trat der heute 62-Jährige im Seeparksaal auf. Viele jubelten ihm damals nicht zu.

Markus Schoch
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Eintrag von Stephan Eicher im Gästebuch des Seeparksaals.

Eintrag von Stephan Eicher im Gästebuch des Seeparksaals.

Bild: Markus Schoch

Es war viel los im Seeparksaal, damals in den 1980er-Jahren. Der US-amerikanische Soul-Sänger Percy Sledge («When A Man Loves A Women») machte auf seiner damaligen Tour ebenso in Arbon Halt wie seine Landsfrau Chi Coltrane oder der Schweizer Stephan Eicher 1987 mit seinem dritten Album («Silence») im Gepäck. Ganz in Schwarz stand der damals 27-Jährige auf der Bühne und sang, dass durch seine Adern der Wahnsinn fliesst.

Eintrag von Chi Coltrane im Gästebuch des Seeparksaals.

Eintrag von Chi Coltrane im Gästebuch des Seeparksaals.

Bild: Markus Schoch

Viel Publikum hatte Eicher nicht. Es war ein Auftritt in fast schon intimen Rahmen. Ein Polaroidfoto im Gästebuch des Seeparksaals erinnert an das Konzert. «Für Arbon», hat Eicher darunter geschrieben und ein Schiff gezeichnet. Albert Maag war damals Saalwart. Der Besuch von Eicher in Arbon ist ihm nicht mehr präsent. Dafür ist ihm Chi Coltrane unvergessen geblieben. Die Pianistin habe unbedingt einen Plattfisch essen wollen. Es sei dann extra jemand nach Zürich gefahren, um einen zu holen.

Stephan Eicher und Freunde bei einem Auftritt im KKL Luzern im Februar 2020.

Stephan Eicher und Freunde bei einem Auftritt im KKL Luzern im Februar 2020.

Bild: Nadia Schärli/ Luzerner Zeitung

Nun steht Eicher ein zweites Mal auf einer Bühne in Arbon. Er ist am Freitag einer der Headliner des Summerdays Festivals, Tausende werden ihm zujubeln und wahrscheinlich viele seiner Lieder mitsingen können. Der heute 62-Jährige ist längst zu einer festen Grösse im helvetischen Musikgeschäft geworden. Im letzten Jahr verlieh ihm das Bundesamt für Kultur für sein Lebenswerk den Schweizer Grand Prix Musik.

Mit dem Open Air hat es erst im dritten Anlauf geklappt

Eicher war Teil des musikalischen Aufbruchs in Arbon vor rund 40 Jahren. Im 1985 eröffneten Seeparksaal waren nach ihm Hazy Osterwald, Mory Kanté, Beny Rehmann oder Polo Hofer zu Gast. Sogar ein Country-Festival ging 1989 über die Bühne – allerdings nur einmal.

Bereits 1980 fand ein erstes Open Air mit 4000 Besuchern auf den Quaianlagen am See statt, dem aber kein langes Leben beschieden war. Nasskaltes Wetter bei der dritten Auflage 1983 riss ein riesiges Loch in die Kasse, sodass die Organisatoren aufgaben. Der Kultur Verein Arbon führte die Tradition 1986 weiter. Und er rührte gleich mit der grossen Kelle an. Für die Premiere verpflichteten die Veranstalter Status Quo, Magnum und Ralph McTell, ein Jahr später Bryan Adams. 1989 war dann aber auch schon wieder Schluss. Die Rechnung war zweimal nicht aufgegangen, und am Ende machte die Stadt auch nicht mehr mit. Ihnen war alles zu gross geworden, zu kommerziell und zu laut. Die Immissionen seien der Bevölkerung nicht mehr zuzumuten, argumentierte der damalige Ortsverwaltungsrat. Die Organisatoren zeigten sich enttäuscht und sprachen von politischen Machenschaften.

Bild vom Open Air im Jahr 1982.

Bild vom Open Air im Jahr 1982.

Bild: Max Eichenberger

Danach lief zehn Jahre nichts. Die Durststrecke war erst 2009 zu Ende mit dem ersten Summerdays Festival in Arbon, an dem Deep Purple, Gölä und Bligg auftraten. Auch Pegasus waren damals dabei. Mit ihnen gibt es diesen Freitag ebenfalls ein Wiedersehen.