Romanshorn
Religionsunterricht für muslimische Kinder – Primarschule bietet eine Wochenlektion an

Nach den Sommerferien vermitteln ein Imam und eine Religionsbeauftragte in ein bis zwei Schulhäusern zentrale Inhalte des islamischen Glaubens. Die Teilnahme ist freiwillig, die Unterrichtssprache Hochdeutsch.

Remo Fischbacher
Drucken
Eine Lehrkraft unterrichtet im Wehrli-Schulhaus in Kreuzlingen muslimische Kinder.

Eine Lehrkraft unterrichtet im Wehrli-Schulhaus in Kreuzlingen muslimische Kinder.

Bild: PD

«Eine gute Basis, um miteinander in den Austausch zu treten und das gegenseitige Verständnis zu stärken», sagt Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn. Die Rede ist vom dreijährigen Projekt der Primarschule. Zu Beginn des neuen Schuljahres haben muslimische Kinder die Möglichkeit, einmal wöchentlich am «Islamischen Unterricht» teilzunehmen.

Initianten der Idee sind der Interreligiöse Arbeitskreis des Kantons Thurgau um Präsident Matthias Loretan und die Fachstelle Gesellschaft der Stadt Romanshorn, die im Sommer 2019 Vertreterinnen und Vertreter der Moscheegemeinschaften im Oberthurgau zu einer Sitzung einluden.

Dabei präsentierte Loretan das Beispiel Kreuzlingen, wo Lehrkräfte seit nunmehr zwölf Jahren Religionsunterricht für muslimische Kinder anbieten. Nachdem jenes Projekt anfangs auf Unverständnis gestossen war, fand es in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen zunehmend Anerkennung. Nebst der Primarschule, der Stadt und den Vertreterinnen und Vertretern der Moscheegemeinschaften nahm auch die christliche Kirchgemeinde vor Ort positiv Stellung zum Projekt.

6000 Franken Kosten pro Jahr

Im März diesen Jahres konnten die Verantwortlichen hinter die dreijährige Projektvorbereitung einen Haken setzen. Dominik Reis, Stadtrat von Romanshorn mit Ressort Integration, sagt:

«Es ist schön zu sehen, wie Christen und Muslime hierbei zusammengearbeitet haben.»

Zu diesem Zeitpunkt gründeten Delegierte der Moscheegemeinschaften, Eltern und Interessierte den Trägerverein Islamischer Unterricht Romanshorn (viur). Er zeichnet für die Durchführung und Finanzierung des Projekts verantwortlich.

Pro Jahr fallen rund 6000 Franken Personal- und Lehrmittelkosten an. Diese übernehmen je zu einem Drittel die Eltern der Schulkinder und die zwei beteiligten Moscheegemeinschaften im Oberthurgau. Den Restbetrag soll das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement beisteuern. Dafür reichte die Projektgruppe des Islamischen Unterrichts ein Gesuch ein. Letztere erhofft sich eine Finanzhilfe für Massnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus.

Unterricht ist für Mittelstufe vorgesehen

In den Kosten nicht berücksichtigt sind die Räumlichkeiten. Mit gutem Grund. Diese werden von der Schulgemeinde gratis zur Nutzung überlassen. Hanspeter Heeb, Präsident der Primarschule Romanshorn, sagt:

«Es besteht zwar keine direkte rechtliche Grundlage im kantonalen Recht. Es gibt aber auch keinen sachlichen Grund, Räumlichkeiten nicht kostenlos zur Verfügung zu stellen.»

Die ersten, die in jenen Räumlichkeiten den Lehrkräften des Islamischen Religionsunterrichts (IRU) gehorchen, sind Viertklässlerinnen und Viertklässler. Im zweiten und dritten Jahr sollen auch die fünfte und sechste Klasse vom Unterricht profitieren. Die Projektgruppe rechnet in drei Jahren mit fünfzig Kindern, die den Religionsunterricht besuchen.

Freiwillig, aber Hochdeutsch

Ab Juni können muslimische Eltern ihre Kinder für die wöchentlich stattfindende Lektion anmelden. Eine Teilnahme ist aber freiwillig. Während des Unterrichts müssen alle Hochdeutsch sprechen. Darauf achten Muhammed Karasoy, Imam der türkischen Moscheegemeinde in Bürglen, und Sümeyra Karasoy, Religionsbeauftragte für die türkischen Moscheen im Thurgau. Beide unterrichten die Kinder im ersten Schuljahr, danach folgen weitere fachlich und didaktisch ausgebildete Lehrkräfte.