Neugestaltung
Autofreier Ochsenplatz und ein Vereinssaal: Gemeinde stellt Studie zu Roggwils Zentrum vor

Im Roggwiler Zentrum könnte es bald vorangehen. Eine Studie sieht dort zwei Neubauten vor. Um diese zu finanzieren, soll es einen Investorenwettbewerb geben.

Max Eichenberger
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In der Mehrzweckhalle in Freidorf fand der Informationsanlass zur Umgestaltung des Roggwiler Zentrums statt.

In der Mehrzweckhalle in Freidorf fand der Informationsanlass zur Umgestaltung des Roggwiler Zentrums statt.

Bild: Max Eichenberger

Die Parkplätze auf dem Ochsenplatz sollen in den Untergrund verschwinden. Es gibt Zuspruch, aber vereinzelt auch kritische Stimmen. «Diese bringen uns weiter», zeigt sich Gemeindepräsident Gallus Hasler am Schluss eines Informationsanlasses zur Roggwiler Zentrumsplanung zufrieden. Und erleichtert zugleich, «dass uns niemand das Modell kaputtgemacht hat».

Corona hat die durch Fachplaner ergänzte Arbeitsgruppe zwar etwas gebremst. Jetzt ist in einem Zwischenschritt eine Vorstudie präsentiert worden, wie man sich die Entwicklung des Dorfzentrums vorstellt. Vorangegangen sind eine öffentliche Mitwirkungsveranstaltung im Frühjahr und Workshops. Architekt Tom Munz stellt klar:

«Es ist allerdings erst eine Studie, noch kein Projekt.»

Er sieht deutliches Potenzial, das Dorfbild über den Ochsenplatz hinaus aufzuwerten.

2024 soll es einen Investorenwettbewerb geben

Gemeindepräsident Gallus Hasler legt einen ambitionierten Zeitplan vor, wann das «Feuerwerk der Visionen» zünden und Realität werden soll. In den nächsten beiden Jahren ist die Projekt-Evaluation geplant. Dafür hat der Gemeinderat Gelder eingestellt. Hasler geht davon aus, dass 2024/2025 ein Investorenwettbewerb gestartet werden kann. Zwar sei noch offen, ob das Projekt von einem Investor oder der Gemeinde gestemmt wird, räumt er ein. «Für uns wäre das jedenfalls ein Riesenlupf», scheint die Präferenz Haslers klar, der Ende Mai 2023 das Gemeindepräsidium an seinen designierten Nachfolger Urs Koller übergeben wird. Es mache nicht nur ortsplanerisch Sinn, das Zentrum mit zwei Neubauten und teils öffentlichen Nutzungen zu verdichten und neu zu beleben, sondern auch aus Renditeüberlegungen. Im günstigsten Fall könnte man 2026 in die Realisierungsphase eintreten, Projektabschluss wäre dann 2028. (me)

Heutiger Zustand eines Dorfzentrums nicht würdig

Anstoss gegeben hat ein Aderlass: die seit längerem offene Zukunftsfrage rund um die Liegenschaft Ochsen. Vor zwei Jahren ist die abgewirtschaftete Dorfbeiz mit Saal in den Besitz der Gemeinde gekommen. Als Pasta-Lokal wird sie teilweise zwischengenutzt. Im Obergeschoss sind ukrainische Flüchtlinge untergebracht. Eine denkmalgeschützte Liegenschaft nebenan, das Farinoli-Haus, rutschte ebenfalls ins Portfolio der Gemeinde.

Und der grosse Platz neben dem Ochsen an der St.Gallerstrasse, in einer Light-Variante der sterileren Art vor einigen Jahren zwar neu gestaltet worden, nachdem zuvor ein überhöhtes Projekt Schiffbruch erlitten hatte, ist eines Zentrums auch nicht eben würdig. Der versiegelte Platz ist vor allem ein «Begegnungsort» für Autos. Zu guter Letzt hat auch der rollende Verkehr zunehmend für belastende Verhältnisse gesorgt, die nicht bloss hausgemacht sind. Wie der Lastwagenverkehr auf der Hubgasse vom und zum Zubringer Arbon-Süd.

Der Platz vor dem ehemaligen Restaurant Ochsen soll autofrei werden.

Der Platz vor dem ehemaligen Restaurant Ochsen soll autofrei werden.

Bild: Max Eichenberger

Um sich nicht in der Kleinräumigkeit zu verlieren, habe man deshalb das Zentrum über den Rayon Ochsen hinaus angeschaut, sagt Gemeindepräsident Hasler.

«Es ist richtig, dass wir das Projekt grösser denken.»
Gallus Hasler, Gemeindepräsident von Roggwil.

Gallus Hasler, Gemeindepräsident von Roggwil.

Bild: PD

Damit sollen weiter gefasst Lösungen entwickelt werden, die «angemessen für den Ort sind», ergänzt Munz. Und: Diese sollen dann auch innerhalb der zonenplanrechtlichen Bestimmungen zügig entwickelt werden können.

Aufwertung durch Neuüberbauung und Tiefgarage

Eine alte topografische Karte (1883) verdeutlicht, wie sich durch die neue St.Gallerstrasse die Siedlungsstruktur verändert hat und die Einheit des Oberdorfs zerschnitten worden ist. Darum wolle man das Zentrum wieder mit der quasi abgetrennten Hubgasse verknüpfen. Wie, das lässt die Besucherschaft an diesem Samstag in der Mehrzweckhalle Freidorf hellhörig werden.

Die Studie sieht ein grösseres Baufeld beim heutigen Ochsen(park)platz vor, mit Einbezug der Parzelle der Gastwirtschaft. Diese soll abgebrochen werden. Zwei neue Gebäude, eines mit Remise-ähnlichem Charakter in Anlehnung an lokalhistorische Schlachthaus-Reminiszenzen, sind dort angedacht. Sie sollen auch Ortsvereinen dienen. Vorgesehen ist zum Beispiel ein Saal mit 250 Plätzen, erläutert Munz am Modell.

Denkbar sei zudem eine gastronomische Nutzung – und vor dem Roggwiler Beck ein «Bürli-Platz». Auch die Gemeindeverwaltung könnte hier dereinst ihren Platz finden. Beibehalten will man die für den Dorfkern charakteristische homogene traufständige Dachstruktur.

Und was passiert mit den Parkplätzen? Die meisten würden aufgehoben und in den Untergrund verlagert. Vorgesehen ist ein U-Parking mit 28 bis 30 Plätzen, mit Zugang zu den Häusern. Votanten fordern aber, dass der eine oder andere Kunden-Kurzzeitparkplatz bestehen bleibt:

«Für ein Bürli fährt man doch nicht in die Tiefgarage runter!»

Knapp ist das Parkierungsangebot im erweiterten Rayon nicht. Gemeindepräsident Gallus Hasler verweist darauf, dass es in der näheren Umgebung 210 öffentliche Parkplätze gebe.

Lindenplatz und Schlossrayon als Begegnungsraum

Im Zuge der Neuüberbauung wird laut Studie der Einlenker Betenwiler- in die St.Gallerstrasse leicht verschoben und zwischen den neuen Gebäuden geführt. «Ist der Ochsen einmal weg, könnte man auch das Farinoli-Haus besser freispielen», sagt Munz. Er sieht dieses baukulturelle Erbe, dessen Zukunft noch nicht klar ist, «nicht als Ärgernis, vielmehr als Chance». Ähnlich tönt das Echo aus dem Publikum:

«Ein Bijou, ein herziges Hüüsli.»

Wird der Ochsenplatz sozusagen urbanisiert und das Zentrum verdichtet, gibt es anderseits die Idee, den rückwärtigen Bereich um das Ensemble Schloss und Lindenplatz als offenen Begegnungsraum auszugestalten. Dafür würde er entschlackt, die kleinteilige Abgrenzung korrigiert. Bleibt die Hoffnung, wie es ein Besucher ausdrückt, dass da kein Ballon aufgeblasen wird, «der viel kostet und nichts bringt».

Das Farinoli-Haus (rechts) befindet sich neben dem ehemaligen Restaurant Ochsen und soll erhalten werden.

Das Farinoli-Haus (rechts) befindet sich neben dem ehemaligen Restaurant Ochsen und soll erhalten werden.

Bild: Max Eichenberger