Interview
Er organisiert seine eigene Jungbürgerfeier: Gemeinderat Diego Müggler aus Steinach zieht eine erste Bilanz – und verkündet seinen Parteibeitritt

Vor acht Monaten wurde der parteilose Diego Müggler als 18-Jähriger in den Gemeinderat von Steinach gewählt. Im Interview spricht er über Herausforderungen des Amts, und weshalb er jetzt den Grünen beigetreten ist.

Interview: Judith Schönenberger
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Diego Müggler vor dem Gemeindehaus in Steinach. Seit acht Monaten ist der 19-Jährige Gemeinderat.

Diego Müggler vor dem Gemeindehaus in Steinach. Seit acht Monaten ist der 19-Jährige Gemeinderat.

Bild: Ralph Ribi

Seit acht Monaten sind Sie Gemeinderat in Steinach. Fühlen Sie sich immer ernst genommen von den Gemeinderatskolleginnen und -kollegen?

Diego Müggler: Ja, von allen voll und ganz. Aber natürlich bin ich der Neue, der noch nicht so viel Erfahrung hat.

Sie studieren Politikwissenschaften. Was ist spannender, Theorie oder Praxis?

Das kommt darauf an, ob im Studium gerade Lernphase ist oder nicht. Nein, im Ernst: Die Praxis kann auch mühsam sein, beispielsweise, wenn ich einen Gesetzestext lesen muss. Bei der Theorie sehe ich schneller den Lerneffekt, dafür kann ich dort nichts verändern. Das ist als Gemeinderat cool: Ich sehe, wenn ich etwas geschafft habe, auch wenn der Prozess dahin manchmal herausfordernd ist.

Hilft Ihnen das theoretische Wissen über Politik bei der Arbeit als Gemeinderat?

Definitiv, ich habe dadurch ein breites Verständnis für das politische System in der Schweiz und viel Hintergrundwissen. Praktische Dinge lerne ich im Studium aber nicht.

Sie wurden im Februar als 18-Jähriger in Steinach zum Gemeinderat gewählt und sagten, Sie wollen sich für die Anliegen der Jungen einsetzen. Ist Ihnen das bisher gelungen?

Mir ist das Thema Jugendarbeit und insbesondere Jugendtreff in Steinach wichtig. Das betrifft jedoch nicht direkt mein Ressort Kultur. Trotzdem möchte ich in Zukunft schauen, was sich in diesem Bereich machen lässt. Für viele Junge ist die Schwelle, mir ein Anliegen zuzutragen, tiefer. Das kann ich anschliessend in den Gemeinderat bringen. In den ersten Monaten war ich aber hauptsächlich damit beschäftigt, mich einzuarbeiten.

Wie waren die ersten acht Monate im Amt?

Extrem spannend. Ich habe viel gelernt und lerne immer noch viel. Aber natürlich ist es auch herausfordernd, sich in die verschiedenen Themen und Abläufe einzuarbeiten. Schliesslich habe ich keine Lehre zum Gemeinderat gemacht.

Was ist schwieriger als gedacht?

Es hat mich erstaunt, wie lange es braucht, eine Übersicht zu gewinnen und herauszufinden, welche Information ich wo finde. Der Gemeindepräsident und der Gemeinderatsschreiber haben mir natürlich bei Fragen geholfen, aber einarbeiten muss man sich selbst.

Was waren bisher Höhepunkte für Sie als Gemeinderat?

Sicher die Grenzwanderung im Mai und der Slow-up, bei dem wir sehr gutes Wetter hatten und die Organisation reibungslos lief. Ein Highlight kommt erst noch: In drei Wochen findet die Jungbürgerfeier in Steinach statt, die ich für meinen Jahrgang organisiere.

Ist dieser Anlass mit besonderem Druck verbunden, weil Gleichaltrige daran teilnehmen?

Nein, aber es ist natürlich von Vorteil, dass ich meine Freunde fragen konnte, was sie von bestimmten Programmpunkten halten. Mit dem Anlass möchte ich auch meinem Wahlversprechen – dass ich mich für die Jungen einsetze – gerecht werden. Ich bin selbst gespannt, wie es wird, und freue mich darauf, bei den Teilnehmenden den Puls zu fühlen.

Ihre Wahl hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wie viele Parteien haben sich danach gemeldet, um Sie für sich zu gewinnen?

Ich habe von Anfang an klargemacht, dass ich mich politisch bei der SP oder den Grünen verorte. Bei den Grünen kenne ich seit längerem einige Leute. Deshalb war diese Partei am naheliegendsten und ich war mit ihr im Kontakt. Vor rund einem Monat bin ich den Grünen beigetreten.

Politisieren Sie im Gemeinderat nun anders als vor dem Parteibeitritt?

Nein, ich bin immer noch Diego Müggler mit den gleichen Werten und Zielen. Das Parteibuch sollte meiner Meinung nach im Gemeinderat keine allzu grosse Rolle spielen. Aber die Partei ermöglicht es mir, mich mit anderen Politikerinnen und Politikern aus der Region über bestimmte Themen auszutauschen.

Welche Projekte möchten Sie als Gemeinderat in Zukunft umsetzen?

Ich möchte mich mit der Jugendarbeit befassen und diesen Stein ins Rollen bringen. Nächstes Jahr sind tolle kulturelle Anlässe – speziell die Bundesfeier – mein Hauptziel.

Die 1.-August-Feier, die dieses Jahr in Steinach hätte stattfinden sollen, sagten Sie ab.

Ja, diesen Entscheid zu treffen, war nicht schön. Aber in dieser Situation war es das Richtige. Die bereits hohe Auslastung der Vereine, Herausforderungen bei der Ressortübernahme und Unklarheiten über das Konzept in den letzten Jahren führten zu einer schwierigen Situation. Da habe ich auch gemerkt, dass das Gemeinderatsamt auch unvorhergesehene Herausforderungen mit sich bringt, die nicht einfach zu bewältigen sind. Für 2023 kann ich aber versprechen: Die Bundesfeier findet statt.