Ausbildung
Fachkräftemangel und freie Lehrstellen: Schnuppy.ch soll helfen

Ein wichtiger Schritt in Richtung Lehrstelle ist die Schnupperlehre. Damit tun sich allerdings viele Jugendliche schwer. Das soll sich nun ändern. Die Oberthurgauer Gewerbevereine und Nationalrätin Diana Gutjahr haben in Zusammenarbeit mit den örtlichen Sekundarschulen eine Website lanciert.

Noëlle Graf
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Die Lernende Felisa Scherrer und Nationalrätin Diana Gutjahr stellen «Schnuppy.ch» vor.

Die Lernende Felisa Scherrer und Nationalrätin Diana Gutjahr stellen «Schnuppy.ch» vor.

Bild: Noëlle Graf

«Schnuppy.ch ist eine moderne, gute Sache», sagt Markus Villiger, Schulleiter der Sekundarschule Romanshorn-Salmsach. Viele Jugendliche hätten Hemmungen, bei einem Betrieb anzurufen und nach einer Schnupperlehrstelle zu fragen. Damit scheitern sie bei dem ersten Schritt zur Lehrstellensuche. Schweizweit blieben in diesem Jahr mehr als 12’500 Lehrstellen unbesetzt. Schnuppy.ch soll den ersten Schritt vereinfachen.

Die Website wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Ernst Fischer AG in Romanshorn am Montag den Medien vorgestellt.

Die Schülerinnen und Schüler können direkt auf der Website die Verfügbarkeit von Schnupperterminen prüfen und sich beim Betrieb bewerben. Anschliessend erhalten sie eine Zu- oder Absage. Dadurch soll es künftig kein ständiges Hin und Her zwischen Bewerbenden und Betrieben mehr geben.

Die Hemmschwelle sinkt

In einem zweiten Schritt wendet sich der Jugendliche direkt beispielsweise via Telefon an den Schnupperlehrbetrieb. Villiger sagt:

«Es fällt einfacher, anzurufen, wenn man schon weiss, dass man schnuppern kommen darf.»

Und: «Das gibt Sicherheit.»

Bei mehreren Absagen kann die Schule eingreifen und die Schülerin oder den Schüler entsprechend coachen. Denn die Schulen erhalten eine Übersicht über die Schnupperaktivitäten. Sprich: über die Anzahl der Bewerbungen, Zu- oder Absagen und auch die Begründungen. Zusätzlich sind auch die Eltern involviert. Sie bekommen via E-Mail Einblick in die Bewerbungsverfahren.

Zu viele Lehrstellen, zu wenig Bewerbende

Reto Segmüller, Markus Villiger, Felisa Scherrer, Roland Kauderer und Diana Gutjahr präsentieren die Website.

Reto Segmüller, Markus Villiger, Felisa Scherrer, Roland Kauderer und Diana Gutjahr präsentieren die Website.

Bild: Noëlle Graf

Nationalrätin Diana Gutjahr, Mitinhaberin der Ernst Fischer AG und Vizepräsidentin des Thurgauer Gewerbeverbandes, sagt: «Das Angebot an Lehrstellen ist grösser als die Nachfrage.» Deshalb herrscht laut Gutjahr auch ein Fachkräftemangel. Die Pandemie habe sowohl Betriebe als auch Schülerinnen und Schüler verunsichert. Es sei schwierig gewesen, Schnupperlehrstellen einzufädeln.

Diese Situation war der Anstoss für die Oberthurgauer Gewerbevereine, die Website auch im Thurgau einzuführen. Im Kanton Zürich hat sich die Plattform bereits etabliert. Schnuppy.ch sei eine moderne Möglichkeit, Schnupperlehrstellen zu koordinieren. Laut Gutjahr kann damit gezeigt werden:

«Eine Lehre zu machen, ist etwas Cooles.»

So funktioniert die Website

Die Lernende Felisa Scherrer bezeichnet die Website als «selbsterklärend». Auf der Website kann man die Postleitzahl eingeben und eine Berufsgruppe wie zum Beispiel «Bau» oder «Bildung, Soziales» anklicken. Jugendliche sehen, wo und wann Schnuppertermine frei sind und welche Dokumente wie etwa Lebenslauf oder Zeugnis der Betrieb verlangt. Die geforderten Dokumente können direkt hochgeladen werden.

Seit diesem Schuljahr steht die Website allen Thurgauer Sekundarschülerinnen und Sekundarschülern zur Verfügung. 49 regionale Lehrbetriebe haben sich schon registriert.