Stadtratswahlen
Alle Stadträte nehmen den Hut: Amriswiler Liberale sind nun gefordert

Die beiden FDP-Stadträte Stefan Mayer und Richard Hungerbühler treten im kommenden November nicht zur Wiederwahl in die Exekutive der Stadt Amriswil an.

Manuel Nagel
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Stefan Mayer hört nach neun Jahren im Stadtrat auf. Richard Hungerbühler hat für sich entschieden, acht Jahre sind genug.

Stefan Mayer hört nach neun Jahren im Stadtrat auf. Richard Hungerbühler hat für sich entschieden, acht Jahre sind genug.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. April 2022)

Es gebe keine Leiche im Keller oder sonst einen spektakulären Grund, sagt Richard Hungerbühler auf die Frage, weshalb er nicht für eine dritte Legislatur im Amriswiler Stadtrat kandidiere. «Aber für mich ist nach 14 Jahren in der Schulbehörde und acht Jahren im Stadtrat nun die Zeit gekommen, um aufzuhören.» Er sei nach diesen 22 Jahren zwar nicht amtsmüde, «aber ich merke, ich muss mit 55 Jahren mehr Energie aufbringen, um dieselbe Leistung zu erbringen, um das zu machen, was von mir im Beruf und in der Politik erwartet wird». Und halbe Sachen, sagt Richard Hungerbühler, das gebe es bei ihm nicht.

FDP-Stadtrat Richard Hungerbühler.

FDP-Stadtrat Richard Hungerbühler.

Bild: Manuel Nagel (29. April 2022)
«Ich will nicht bis zur Pension auslaufen.»

«Mit 22 Jahren in öffentlichen Ämtern bist du ja schon fast Berufspolitiker», sagt Stefan Mayer im Scherz zu seinem Stadtratskollegen, und meint dann wieder ernsthaft, dass man Hungerbühlers Aussagen auch auch auf ihn münzen könnte. Als er mit seiner Familie gegen Ende letzten Jahres darüber zu diskutieren begann, wie es mit ihm im Stadtrat weitergehe, da sei er zuerst der Meinung gewesen:

FDP-Stadtrat Stefan Mayer.

FDP-Stadtrat Stefan Mayer.

Bild: Manuel Nagel (29. April 2022)
«Ich mach’s nomol.»

Doch dann fing er an zu rechnen, dass er nach einer weiteren Legislatur dann bereits 63 Jahre alt wäre, «und eigentlich haben meine Frau und ich noch andere Projekte, die wir realisieren wollen», sagt Stefan Mayer – etwa Reisen, wie er verrät. Und da diese Projekte auch mehr Zeit bräuchten, sei er zur Entscheidung gelangt, er werde nicht mehr antreten.

Die FDP will beide Sitze im Stadtrat verteidigen

Dass gleich beide Stadträte zur Wiederwahl nicht mehr antreten, das habe ihn schon ein wenig überrascht, sagt Martin Rickenbach, Präsident der FDP Amriswil. Aber die Liberalen wollen ihre Sitze im Stadtrat verteidigen und seien aktuell im Findungsprozess, so Rickenbach weiter. Er sei zuversichtlich, dass seine Partei bereits nach den Sommerferien eine Nominationsversammlung durchführen könne und die beiden Kandidatinnen oder Kandidaten vorstellen werde. (man)

Beide hätten sie einen Job, der nicht an fixe Präsenzzeiten gebunden sei, was natürlich ihrem Amt entgegengekommen sei, und dennoch habe man oft den Beruf rund um die Stadtratstermine planen müssen. «Es bringt sicher eine gewisse Ruhe in den Job, wenn das Stadtratsmandat wegfällt», sagt Mayer. «In meinem Ressort Jugend und Familie waren die Termine meist irgendwann im Laufe des Tages und nicht am Abend», sagt auch Richard Hungerbühler.

Ihre Kinder sind stolz, dass Papi im Stadtrat sitzt

Die Freizeit und die Familie seien oft zu kurz gekommen, sagt Stefan Mayer.

«Und doch waren meine Kinder auch stolz, dass ihr Vater Stadtrat ist.»

Das sei schon nicht einfach irgendetwas. «Das ist bei unseren auch so», bestätigt Hungerbühler, und doch habe es ihn hin und wieder geplagt, und er habe sich gefragt, ob er nicht zu oft weg gewesen sei von seiner Familie.

Zu viele Ratschläge wollen sie den Neuen nicht mit auf den Weg geben, aber es brauche keinen Kopfnicker, sagt Hungerbühler. «Wir diskutieren hart innerhalb des Stadtrates, aber am Ende demonstrieren wir Einigkeit gegen aussen.» Mayer bestätigt, dass es nicht selten auch einen Stichentscheid brauche, und er sagt:

FDP-Stadtrat Stefan Mayer.

FDP-Stadtrat Stefan Mayer.

Bild: Manuel Nagel (29. April 2022)
«Diese Konsensfähigkeit sollte man mitbringen, nebst einem breiten Interesse.»

Stefan Mayer hatte das Glück, sich im Ressort Raum- und Stadtentwicklung auszukennen. Die abgeschlossene Raumplanung sei zwar das grösste und mit sieben Jahren längste Projekt gewesen – «wir haben es zu 99 Prozent gut hinbekommen» –, doch das Projekt, das ihm am meisten am Herzen liege, folge erst noch am 15. Mai – der Bahnhofplatz.

Turbulenter Start wurde zum Fasnachtssujet

Für Richard Hungerbühler war der Start turbulent, als er im Kinderhaus Floh und im Jugendtreff Yoyo zuerst einmal ausmisten musste. Damals wurde er an der Fasnacht in einer Schnitzelbangg von André Schlatter alias Stächmugge hochgenommen:

FDP-Stadtrat Richard Hungerbühler.

FDP-Stadtrat Richard Hungerbühler.

Bild: Manuel Nagel (29. April 2022)
«Hungerbühler kam, sah – und die Köpfe rollten.»

Doch damit verbunden ist auch die schönste Erinnerung an seine Amtszeit. «Früher war das ‹Floh› einfach da und funktionierte.» Nun sei das Kinderhaus jedoch voll ausgelastet, und es bestünden Wartelisten, sagt Richard Hungerbühler. Nun könne man sich nicht mehr vorstellen, wie es ohne wäre.

«In dieser Zeit, in der ich mitwirken durfte, ist das ‹Floh› zu einem unverzichtbaren Teil von Amriswil geworden.»

Der erste Wahlgang der Amriswiler Stadtratswahlen findet am 27. November 2022 statt.

Links alles klar – Mitte prüft mehrere Optionen

Bislang ist nur auf der linken Seite alles klar: Die SP will mit Petra Soller Madeleine Rickenbach im Stadtrat ersetzen, und bei den Grünen steigt die Bisherige Sandra Reinhart wieder ins Rennen. Die SVP gibt bekannt, sie nominiere am 20. Juni wieder vier Personen. Ob jedoch ein neues Gesicht dabei sein wird, dazu hält sich die Partei noch bedeckt. Die Mitte würde gerne wieder in den Stadtrat zurückkehren und prüft derzeit mehrere Optionen, um ihr Ziel zu erreichen. (man)