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Pensionierte sollen Mädchen und Buben auf dem Weg in den Kindergarten begleiten

Weil der zeitliche und personelle Aufwand zu gross wird, kann das Kinderhaus Floh die Begleitung der Kindergartenkinder nicht mehr gewährleisten. Deshalb werden jetzt Freiwillige gesucht, die sich dieser Aufgabe annehmen könnten.

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Kinder auf dem Trottoir entlang einer viel befahrenen Strasse.

Kinder auf dem Trottoir entlang einer viel befahrenen Strasse.

Bild: Donato Caspari

Sie sind jung, sie sind voller Lebensfreude und sie sind unberechenbar – und genau deshalb brauchen Kindergartenkinder jemanden, der sie auf dem Weg in den Kindergarten begleitet. Werden die Kinder zu Hause betreut, übernehmen die Eltern diese Aufgabe. Jene Kinder, die im Kinderhaus Floh betreut werden, werden bislang von den Mitarbeitenden begleitet.

Allerdings kann diese freiwillige Dienstleistung aufgrund personeller Ressourcen ab kommendem Herbst nicht mehr angeboten werden. Kathrin Strasser, Leiterin des Kinderhauses Floh, erklärt:

«Für unser Team wird es schon ab
dem Sommer zunehmend schwieriger, weil weitere Kindergartenkinder hinzukommen, nicht alle den gleichen Kindergarten besuchen und wir schlicht zu wenig Personal haben, um alle begleiten zu können.»

Viermal täglich ein Begleitdienst

Neben den verschiedenen Standorten der Kindergärten ist vor allem die Zeit ein Problem. Pro Begleitung sind drei bis vier Personen nötig. Das heisst, pro Tag sind diese drei bis vier Angestellten viermal mit dem Begleitdienst beschäftigt. Und dies um 8, 12, 13 und 15 Uhr und somit genau zu Stosszeiten im Kinderhaus. Die Mitarbeiterinnen fehlen also genau dann, wenn sie im «Floh» am dringendsten gebraucht werden.

«Waren es noch einer, vielleicht zwei Kindergärtler, konnten wir diese Aufgabe unserer Lernenden geben. Nun wird die Gruppe aber um bis zu sechs Kinder wachsen, womit wir schlicht keine Lernende mehr als Begleitung einsetzen dürfen», erklärt Strasser. Hinzu kommen organisatorische Hindernisse wie Schultage, überbetriebliche Kurse, Krankheit oder Ferien, die den Tagesablauf mit der Begleitung zusätzlich erschweren.

Keine gesetzliche Regelung

«Ausserdem», betont Strasser, «hat die Begleitung stets auf freiwilliger Basis stattgefunden.» Diese Art der Begleitung ist weder im Betreuungsreglement festgehalten, noch wurde dafür eine Entschädigung erhoben. Kathrin Strasser gibt zu bedenken:

«Das geschah stets mit viel Goodwill unsererseits.»

Zusätzlich erschwert wurde die Situation laut der Leiterin, weil eine extrem hohe Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kindergartenkinder besteht.

In anderen Kindertagesstätten wird für die gleiche Problematik gänzlich auf die Verantwortung der Eltern gesetzt. Wie lange das Kind auf dem Schulweg begleitet wird, ist gesetzlich nicht geregelt, sondern obliegt der Einschätzung der Eltern.

Reaktion der Eltern ernüchternd

Gemeinsam mit Richard Hungerbühler, Stadtrat und Präsident der Betriebskommission, sucht Kathrin Strasser nun nach einer Lösung. Ideal wäre es, wenn die Eltern die Begleitung übernehmen könnten. Da diese aber meist berufstätig sind und ihre Kinder deshalb in die Betreuung abgeben, stehen Hungerbühler und Strasser nun vor einer schier unlösbaren Situation.

Zwar wurde bereits ein Schreiben an die Eltern verschickt, das die Situation erklärt und mit welchem sich die Elternteile für einen Dienst eintragen können, die Rückmeldungen waren aber ernüchternd. Richard Hungerbühler sagt:

«Deshalb kamen wir auf die Idee, Pensionierte zu suchen, die Freude daran hätten, die Kinder zu begleiten.»

Zusätzlich war man mit dem Gemeinnützigen Frauenverein in Kontakt, um abzuklären, ob von ihnen jemand bereit wäre, die Zeit für die Begleitung aufzubringen.

Auch das subventionierte Stadt-Taxi war im Gespräch. Allerdings wurde im Stadtrat bereits vor Jahren beschlossen, dass mit dem Stadt-Taxi grundsätzlich keine Schülertransporte durchgeführt werden. Ausnahmen müssen von Stadtschreiber Roland Huser bewilligt werden. Demnach gehen solche Anfragen bei den Taxihaltern direkt an seine Adresse. Wer die Begleitung der Kindergärtler gerne übernehmen möchte, kann sich beim Kinderhaus Floh melden. (red/st)