Kommentar
Der Klimaschutz rückte in den Hintergrund

An der Klimakonferenz in Ägypten haben die Verhandlungsteilnehmer vor allem über die Verluste der Schäden, die die Klimaerwärmung schon heute verursacht, debattiert. Ein Mini-Erfolg konnte diesbezüglich verzeichnet werden, was womöglich ein neues Momentum hervorrufen könnte.

Stephanie Schnydrig
Stephanie Schnydrig
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Rekordhohe Treibhausgasemissionen, rekordhohe Gletscherschmelze, rekordhohe Temperaturen: Solche Schlagzeilen lassen inzwischen viele kalt, resigniert verdrängen wir sie am liebsten. Da passt es ins Bild, dass die mageren Ergebnisse des Klimagipfels nur ein müdes Schulterzucken hervorrufen.

Zwar hat die Staatengemeinschaft bekräftigt, schrittweise aus der dreckigen Kohle aussteigen zu wollen. Von Öl und Gas will man sich aber nicht trennen. Dies, obwohl kaum jemand noch bezweifelt, dass das ausser Rand und Band geratene Klima unserer Gier nach den Fossilen geschuldet ist.

Ohnehin wurde der eigentliche Kern der Klimakonferenz, wie sich Treibhausgasemissionen senken und der Klimawandel aufhalten liesse, von einem anderen Thema übertönt: Der Finanzierung von nicht mehr vermeidbaren Klimaschäden. Die Verhandlungsteilnehmer haben sich denn auch erstmals auf einen Geldtopf geeinigt, um arme Länder, die von Klimakatastrophen am stärksten heimgesucht werden, zu entschädigen.

Die diesjährige Klimakonferenz endete, wie so viele, grösstenteils enttäuschend: der ägyptische Aussenminister Sameh Shoukry spricht während einer abschliessenden Plenarsitzung.

Die diesjährige Klimakonferenz endete, wie so viele, grösstenteils enttäuschend: der ägyptische Aussenminister Sameh Shoukry spricht während einer abschliessenden Plenarsitzung.

Peter Dejong / AP

Das mag den Anschein erwecken, dass man sich mit den Klimafolgen abgefunden hat und sich der Streit nur mehr darum dreht, wer den Schlamassel jetzt bezahlen soll. Aber mit der Einigung auf einen Fonds (der bei Weitem noch nicht perfekt ist) könnte auch ein Momentum entstehen: Werden die milliardenschweren Schäden der Klimakrise offiziell anerkannt, versteht man vielleicht ein für alle Mal, dass sich die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle nicht rechnet, für niemanden.