So wird das Lernen einfacher

Theorie und Praxis sollen im gewerblichen Bildungszentrum stärker verbunden werden. Dafür werden seit Neustem der umgestaltete Garten und ein neues Elektroniklabor für den Unterricht genutzt.

Niklaus Kappler: «Nach drei Jahren müssen die Schüler 400 Pflanzen mit ihrem lateinischen und deutschen Namen kennen.»

Niklaus Kappler: «Nach drei Jahren müssen die Schüler 400 Pflanzen mit ihrem lateinischen und deutschen Namen kennen.»
Bild: Susann Basler Sommer

«Geschützt etwas ausprobieren»

Das neue Schulzimmer der Automobil-, Landmaschinen-, Baumaschinen- und Zweiradberufe des Gewerblichen Bildungszentrums wird offiziell im Herbst eingeweiht. Trotzdem können die Schüler bereits jetzt mit den neusten Technologien vertraut gemacht werden. Labormässig können elektrische und elektronische Situationen simuliert werden, welche für das Verstehen der Zusammenhänge wichtig sind.

Nötig wurden die Neuerungen wegen der Komplexität der heutigen Automobiltechnik. Um die Systeme zu verstehen, brauche es ein Zimmer, wo dies auch gezeigt und geübt werden könne. Denn im Lehrbetrieb muss das Wissen möglichst fehlerfrei angewandt werden. Fehler während eines Updates der Software können zum Beispiel hohe Kostenfolgen nach sich ziehen. «Hier lernen die Jugendlichen in einem geschützten Rahmen», sagt Jürg Hofer, Prorektor und Automobilfachlehrer. Damit die Lehrer die neuen Möglichkeiten vorführen können, mussten sie Weiterbildungen machen. «Dies ist in unserem Metier mit der sich rasant entwickelnden Technik ohnehin ein Muss», meint Hofer. (rba)

Im Schulzimmer der Konditoren riecht es nicht nach Bleistiften und Parfüm, sonden nach frischem Gebäck. Gegenüber der Wandtafel steht eine kleine Küche. Auf der Ablage liegen warme Käsestangen. Das Credo des Berufsbildungszentrums Weinfelden wird hier eins zu eins umgesetzt: «Erst beim Begreifen kann man sich den Schulstoff merken.» Nicht nur die Konditoren-Lehrlinge kommen mit ihrem Metier während des normalen Unterrichts in Berührung. Auch im Schulzimmer der Automobil-, Landmaschinen-, Baumaschinen- und Zweiradberufe wurden entsprechende Umbauten vorgenommen (siehe Kasten). Und die zukünftigen Landschafts- und Zierpflanzengärtner kommen dank dem neu angelegten Garten auf ihre Kosten.

Polarstern, Schwarzäugige Susanne und Lydischer Ginster: 400 Pflanzen wurden um das Berufsbildungszentrum gepflanzt. Genau so viele müssen die Schüler mit lateinischem und deutschem Namen bei der Abschlussprüfung kennen. «Nur der Mammutbaum fehlt», sagt Niklaus Kappler, Fachschaftsleiter Gärtner. Der Garten habe einen doppelten Zweck. Die Lehrer gehen mit den Schülern während des Unterrichts in den Garten, um die einzelnen Pflanzen zu betrachten. «Bilder reichen nicht aus, um Pflanzen zu lernen», sagt Kappler. «Man muss sie anfassen und an ihnen riechen.» Auch Prüfungen finden im Garten statt. Dabei werden die einzelnen Täfelchen verdeckt. Neben dem normalen Unterricht wird der Garten auch für die überbetrieblichen Kurse genutzt. Dann wird er von den lernenden Gärtnern gepflegt und umgestaltet. «Dank dem Garten können die Schüler sehen, wie sich die Pflanzen ausbreiten und wie man sie regulieren kann.» Da das Gelände für alle öffentlich zugänglich ist, haben die Jungen die Chance, während der Freizeit durch den Garten zu streifen und zu lernen. Bisher kam es dabei kaum zu Vandalismus. «Ausser vielleicht, dass jemand Täfelchen vertauscht hat. Das ist aber nur ein Bubenstreich», so Kappler.

Probleme sichtbar machen

Käsestangen werden gebacken, Torten bemalt und im Garten Pflanzen betrachtet: Wird der Unterricht in der Berufsschule immer praktischer? – «Wir versuchen, immer beides unter einen Hut zu bringen», meint Prorektor Jürg Hofer. Der Unterricht soll Theorie vermitteln. Und die Theorie soll mit passenden Beispielen ergänzt werden. «So wird der Schulstoff eingängiger, und Probleme können sichtbar gemacht werden.» (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 26.07.2010, 06:28 Uhr

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