Den Rehen stinkts nicht – manche werden darum erschossen

Die Weinbauern am Ottenberg haben die Nase voll vom synthetischen Schweissgeruch. Und die Rehe, die sie damit vertreiben wollten, fressen noch immer munter die Trauben weg.

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Benno Forster, der Präsident des Weinbauvereins am Ottenberg, getraut sich kaum mehr unter die Leute, dermassen stinken seine Hände nach Hukinol. Selbst wer Gummihandschuhe überstreift, bringt den Gestank nicht weg. Hukinol ist ein synthetisches Mittel, das stark nach menschlichem Schweiss riecht.

Mit dem Mittel tränken die Weinbauern am Ottenberg seit Wochen alte Lumpen und legen diese in ihren Rebhängen aus, um die Rehe daraus zu vertreiben. Mit mässigem Erfolg, wie sich jetzt zeigt: Ein paar besonders hartnäckige Tiere machen sich noch immer in den Reben breit. Manchmal sind sie den ganzen Tag dort, manchmal kommen sie erst abends. Jagdaufseher Hans-Jörg Isler weiss von einem Reh, das im Hagholz seine Jungen nur ein paar Meter von einem Stinklumpen entfernt zur Welt brachte. Weshalb sich die Rehe einen Deut um den von den Lumpen ausgehenden Gestank scheren, weiss keiner. Forster glaubt nicht, dass sich die Tiere schon daran gewöhnt haben könnten. Andernorts habe man mit dem Mittel gute Erfahrungen gemacht, hatte es an der Jahresversammlung des Weinbauvereins geheissen.

Drei Tiere erschossen

Benno Forster will dennoch nicht aufgeben und weiterhin die Lumpen auslegen, obwohl es ihm im wahrsten Sinne des Wortes stinkt. Man wolle ja nicht, dass die Rehe die vom Hagelwetter übrig gebliebenen Trauben auch noch wegfressen, sagt er. Vor allem auch will er nicht die Flinte ins Korn werfen, weil die Weinbauern inzwischen Unterstützung von den Jägern und höherer Macht erhalten haben. Drei Rehe wurden erschossen, ein Tier ist überfahren worden.

Erschossen werden die Tiere nach Absprache mit der Gemeinde und der kantonalen Jagdverwaltung und nachdem die Grundbesitzer ihre Einwilligung gegeben haben. Aus versicherungstechnischen Gründen habe ein Vertrag abgeschlossen werden müssen, sagt Isler. Jagen in den Reben sei sehr aufwendig, sagt der Jagdaufseher. Man muss höllisch aufpassen, dass kein Mensch in der Nähe ist. Isler glaubt nicht, dass die Jäger angefeindet werden, weil sie die Tiere töten. Man müsse den Bestand ohnehin regulieren, «die jungen Rehe erschiessen wir sowieso nicht». Die Gemeinde hat den Weinbauern das synthetische Duftmittel im Wert von mehreren Hundert Franken finanziert und den Jägern zwei neue Hochsitze, die sich sehr bewährt hätten, sagt Isler.

Zwei Tiere markiert

Immerhin seien ein paar von den ursprünglich rund 15 Rehen aus den Reben verschwunden, weiss der Jagdaufseher. Ob die allerdings nicht doch wieder kommen und sich zu den besonders hartnäckigen Tieren gesellen, ist offen. Von den im Hagholz geborenen Rehen hat Isler zwei an den Ohren markieren können. Damit kann er ihre Wege in Zukunft gut verfolgen.

Isler weiss, weshalb es den Tieren in den Rebhängen gefällt: Sie leben gerne in einem überschaubaren, für sie berechenbaren Raum und lieben die Ruhe. Dass sich die Tiere darüberhinaus an den Trauben gütlich tun, damit werden sich die Weinbauern allerdings nie anfreunden können. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 03.06.2009, 11:10 Uhr

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