Ein Zuhause für den Staat Avalon

Daniel Model hat 2006 vor den Gemeindeammännern des Kantons Thurgau seinen eigenen Staat ausgerufen. Nun baut der selbsternannte Staatsherr in Müllheim den feudalen Modelhof und träumt von einem eigenen Symphonieorchester.

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Daniel Model, Unternehmer, Bauherr und Begründer des Staates Avalon.

Daniel Model, Unternehmer, Bauherr und Begründer des Staates Avalon.

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Müllheim – Die Bauarbeiten neben der Bildhauerschule in Müllheim haben im Juli begonnen. Die Gerüchteküche brodelte schon lange zuvor. Der Bau in Müllheim solle Daniel Models Regierungsgebäude werden, hiess es nicht nur in Müllheim. Vor etwa drei Jahren hatte der erfolgreiche Unternehmer aus Weinfelden, der mit seiner Familie auf Schloss Salenstein lebt, vor den versammelten Gemeindeammännern seinen eigenen Staat ausgerufen. Später taufte er ihn auf den Namen Avalon. Als bekannt wurde, dass Model in Müllheim ein Gebäude stattlichen Ausmasses mit dem Namen «Modelhof» baut, ging bald die Meinung um, es handle sich dabei um den Bau seines Regierungsgebäudes (die TZ berichtete).

Model räumt mit den Gerüchten nicht auf, lieber spielt er mit ihnen. In der Akademikerzeitung liess er sich vor einiger Zeit zum Regierungsgebäude zitieren: «Weil das Prinzip der Territorialität in der Vergangenheit oft einen hohen Blutzoll gefordert hat, soll es bei Avalon nicht die zentrale Bedeutung haben, wie dies beim Völkerrecht der Fall ist.» Geplant sei aber trotzdem der Bau eines Regierungsgebäudes auf mehreren Tausend Quadratmetern im thurgauischen Müllheim, fügte der Autor hinzu.

Einen Staat schenken

Im «St. Galler Tagblatt» sagte Model bezogen auf den Selbststaat Avalon und sein allfälliges Territorium: «Das Territorium ist nicht vordringlich, aber ich schliesse nicht aus, dass wir eines Tages auch eines besitzen werden. Ich gehe vom Zusammenbruch vieler konventioneller Staaten in den nächsten Jahrzehnten aus. Wenn sich uns ein Staat nach seinem Zusammenbruch schenken will, weil ihn unsere Akademie überzeugt, dann würde ich nicht ausschliessen, dass wir dieses Geschenk annehmen.»

Mittlerweile hält er sich etwas zurück. In der korrigierten Fassung seines Interviews mit der «Thurgauer Zeitung» antwortet Model auf die Frage, was er in Müllheim baue: «Der Modelhof ist ein Raum, in dem Künstler und Denker schöpferisch tätig sein können; so zum Beispiel in der geplanten Akademie; sie widmet sich grundsätzlichen Fragen wie: Woher kommt die wachsende Anzahl der Sachzwänge? Wohin ist die Zeit verschwunden? Warum wird unsere Bildung immer teurer und schlechter? Wie lernt man das selbstständige Denken? Wie müsste der Staat sein, damit man sich als Bürger über Post von ihm freut? Wie können Teufelskreise durchbrochen werden? Warum ist Familienpolitik meistens ein Angriff auf die Familie?».

Dann lässt er die Vorstellung eines Regierungsgebäudes aber wieder aufleben, wenn er während des Interviews fast zwei Stunden lang von seinem Staat Avalon schwärmt und ihn stets wie selbstverständlich mit dem Modelhof in Verbindung bringt. Er stellt sich ausführlich vor, wie er im Modelhof Hof halten wird, erzählt von den Silbermünzen mit seinem Konterfei und träumt von einem eigenen Staatsorchester.

Herr Model, welchen Status werden Sie im Modelhof haben?

Daniel Model: Im Modelhof bin ich zwar Hausherr, aber auch dort gilt, dass wer mit schmutzigen Schuhen durch den Modelhof läuft, es selbst merken wird, weil es um seinen Schmutz herum sauber ist. Die öffentlichen Veranstaltungen stehen unter meinem privaten Patronat. Das als durchaus neues Prinzip gegenüber dem gängigen des gegeneinander Abwägens zwischen öffentlichem und privatem Interesse. Das Öffentliche gewinnt oft schon vor dem Abwägen.

Diese merkwürdigen Verhältnisse lernten wir schon in der Demokratie kennen: Sie hat zum Prinzip erklärt, dass das Quantitative über das Qualitative gewinnt. Unerbittlich expandiert so das Öffentliche zulasten des Privaten, die Kollektivierung zulasten des Einzigartigen. Der Staat hat ganz einfach verlernt, den Einzelnen zu schätzen und zu schützen.

Wird das in Ihrem Staat Avalon besser sein?

In Avalon atmet man die frische Luft der Freiheit und des Vertrauens. Dort stellt man ganz grundsätzliche Fragen und forscht unvoreingenommen nach Antworten. Diese Suche ist so spannend und abenteuerlich wie eine Schatzsuche.

Was macht Avalon zu mehr als einem Gedankenexperiment?

Die Antwort kann erst die Zukunft geben. Jeder Staat hatte einmal einen ersten Keim. Auch auf dem Rütli standen anfangs nur drei Männer. Man hätte sie auslachen und fragen können, wie denn aus ihnen ein Staat werden solle.

Ein mutiger Vergleich. Ihre Idee findet aber Anklang. Wie Sie sagen, stapeln sich auf ihrem Schreibtisch die Einbürgerungsgesuche. Wie gehen Sie mit diesen um?

Ich nehme die Briefe zur Kenntnis und antworte vor allem dann, wenn sie einen Zusammenhang mit dem Raumprogramm des Modelhofs haben. Die eigentlichen Einbürgerungsgesuche kommen zu früh, weil die Akademie erst die Frage nach dem Staat der Zukunft zu bearbeiten hat.

Wie sind Sie überhaupt auf den Namen Avalon gekommen?

Meine Tochter hatte das Buch «Die Nebel von Avalon» in der Hand, als sie mich nach dem Namen des Staates fragte. Die Fragende war Besitzerin der Antwort. Gemeinsam haben wir dann «Avalon» im Brockhaus nachgeschlagen. Da stand es: Avalon kommt aus der keltischen Mythologie und heisst Apfelgarten. Grandios! Zu dieser Zeit waren die Apfelbäume im Thurgau voll in der «Bluescht».

Die Bauarbeiten für den Modelhof dauern etwa zwei Jahre. Nach der Beschreibung des Architekten Urs Strähl wird der feudale Bau 28 Meter breit und 40 Meter lang. Die Gebäudehülle wird mit Naturstein gebaut. 1300 Tonnen Stein werden zu 75 Zentimeter dicken Mauern verarbeitet. Das Dach auf 15 Metern Höhe, das sich in der Mitte in einer grossen Kuppel wölbt, ist aus Bleiblech. Neben der Akademie sind eine Schauspielschule, eine Schule für Philosophie und Ästhetik, ein Festsaal, ein Parkett mit Bühne, andere Schulen, Sitzungszimmer, Ateliers, eine Praxis für Naturheilkunde, eine Bibliothek, ein Hörsaal und Privaträume für den Hausherrn geplant. Daniel Model: «Wunderbar ist es, wenn diese Räume eines Tages auch durch einen Hofnarren und ein stehendes Symphonieorchester belebt werden!» (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 07.10.2009, 10:36 Uhr

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