Militanter Moralist im Maisfeld

Von der Seebühne ins Maisfeld: Das See-Burgtheater kommt aber wieder an Land: mit Gotthelfs Klassiker «Die schwarze Spinne». Auf Teufel komm raus und mitten im Maisfeld.

Leopold Huber orientiert über die Sommerproduktion des See-Burgtheaters Kreuzlingen.

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Bild: Susann Basler

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Wenn im Intarsienzimmer von Schloss Seeburg mehr Medienvertreter als Mitwirkende sitzen, stellt Leopold Huber die Sommerproduktion des See-Burgtheaters vor. Heuer, wie der Wiener sagt, ist es «Die schwarze Spinne» nach Jeremias Gotthelfs Novelle – aus einer Zeit, als das Gute noch gut und das Böse noch bös war. Gern gelesen (am liebsten vorpubertär) und gern gespielt (etwa vom Theater Sgaramusch, 9. bis 11. Mai im Theaterhaus Thurgau, oder als Freilichtspiel in Buch am Irchel ab 30. Juli), bietet sich die Geschichte allen an, die einen dramatischen Stoff mit Tiefgang mögen. Wer das See-Burgtheater kennt (und wer kennt es nicht), freut sich auf viel Theater, viel Musik, viel Effekt um einer Botschaft willen.

«Der Teufel fährt in die Band», sagt Regisseur Leopold Huber etwa, wenn er von seiner Interpretation des Stoffes erzählt, der nach Musik schreie wie weiland der Freischütz. Das Projekt, eine alte Idee, verwirklicht er mit Goran Kovacevic, dem neuen musikalischen Leiter, der mit seinem Duša Orchestra die Seele ins Stück bringe (duša heisst die Seele im Serbischen): mit Untermalungen, Intermezzi und selbstständigen Kompositionen, die mit folkloristischen und verfremdenden Elementen zwischen himmelhochjauchzend und todtraurig die Dramaturgie unterstützen, sagt der Akkordeonist. Huber nennt Gotthelf einen militanten Moralisten («schade, dass er nicht mehr lebt»), der sich nicht mit dem Ist-Zustand abgefunden habe. Die 1842 erschienene Novelle «Die schwarze Spinne» sei lange im Schatten seiner Romane gestanden, bis sie Thomas Mann wiederentdeckt habe. Ein Stoff, wie ihn der Intendant und Regisseur des See-Burgtheaters mag: «Ich will etwas machen aus dem Konflikt zwischen Deutsch und Schweizerisch.»

Der Teufel will ein Kind

Hans von Stoffeln, Adliger aus dem Schwabenland, unterdrückt die Bauern auf seinem Schweizer Gut. Wenn sie ihm nicht in einem Monat eine Allee von hundert ausgewachsenen Buchen vors Schloss pflanzen, will er sie auspeitschen lassen, und die Kinder will er den Hunden vorwerfen. In der Not lässt sich die mutige Christine, eine Fremde aus Lindau, zum Wohl der Allgemeinheit mit dem Teufel ein, der für die Arbeit am Schattengang ein ungetauftes Kind verlangt.

Huber möchte Gotthelfs Novelle als Parabel verstanden wissen, denn «jede Zeit hat ihre Spinne». Gotthelf verfolge die Wurzeln des Wahnsinns und beschreibe das Drama eines Kollektivs. Das Böse entstehe in den Menschen: «Wir sehen im Stück, wie weit man Menschen bringen kann.» Der Regisseur setzt auf Gotthelfs knorrige Sprache und überwiegend auf bewährte See-Burgtheater-Schauspieler: Mitgründerin Astrid Keller spielt den Teufel, Erich Hufschmid (Graf Zeppelin) den Pfarrer, und Lotti Happle (die Hure aus «La Strada») wird zur Kindsmutter Vreni.

In «starke Bilder» will Leopold Huber den Stoff umsetzen. Dem See-Burgtheater angemessen ist drum auch der ausgefallene Ort. In ein Maisfeld vor Schloss Seeburg wird eine überdimensionale Spinnensilhouette gemäht. Über die Spinnenbeine gelangen die Zuschauer in den Bauch der Spinne, wo Bühne und Tribüne stehen.

lDIETER LANGHART

«Die schwarze Spinne»

22. Juli bis 22. August. www.see-burgtheater.ch (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 17.03.2010, 11:49 Uhr

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