Der Billettautomat fährt mit
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Kreuzlingen – Dass der Kreuzlinger Bus auf dem Bärenparkplatz steht, ist ein ungewohntes Bild. Das kleine Zelt mit Festbestuhlung macht klar, dass etwas Besonderes los sein muss. Bereits vor 10 Uhr treffen die ersten Besucher ein. Sie wollen sich über das neue Ticketsystem im Bus informieren. Dicht gedrängt stehen sie zusammen, hören den Ausführungen von Martin Troll, als Sachbearbeiter beim städtischen Tiefbauamt zuständig für den öffentlichen Verkehr, zu. «Hier kann man jetzt mit Euro und Franken bezahlen», stellt eine ältere Frau fest und fragt: «Und Rückgeld gibt der Automat auch?» Eine berechtigte Frage, denn neuerdings gibt es auch die Möglichkeit, mit Noten zu bezahlen.
Ein Ticket für alles
Etwas skeptisch zeigt sich ein älterer Herr, der sich fragt, wie er während der Fahrt am Automaten ein Billett lösen soll, ohne umzufallen. Martin Troll weist auf den stationären Automaten an der Bärenplatz-Haltestelle hin. Und wer viel fahre, löse mit Vorteil ein Abonnement, weil das günsti-ger sei, sagt er. Dass die Preise etwas angestiegen sind, stellt eine Besucherin fest, als auf dem Bildschirm der Fahrpreis aufleuchtet.
Im Ostwind Tarifverbund – dazu gehören die Kantone St. Gallen, beide Appenzell und der Thurgau – kann dafür jetzt dasselbe Ticket für Bus, Zug und Schiff verwendet werden. Und wer schnell unterwegs ist profitiert davon, dass ab 1. Juni nach Zonen und nicht mehr nach Strecke gelöst wird. In der Lokalzone ist das Billett eine halbe Stunde gültig, in der Zone 55 (rund um Kreuzlingen) eine Stunde. In dieser Zeit darf in der gelösten Zone sowohl Bus als auch Zug mehrfach benützt werden. Das wird mit erfreuten Gesichtern zur Kenntnis genommen. Ebenso der Hinweis, dass neu vom Halbtax-Abonnement profitiert werden kann. Ein Besucher, der bisher ruhig zugehört hat, überlegt laut: «Wenn ich aber nach St. Gallen fahren will, dann kommt mich die Tageskarte doch günstiger.» Diese gibt es natürlich nach wie vor. Ebenso gibt es eine Tageskarte Plus, bei welcher auch das Schiff benützt werden kann.
Die Ersten der Gruppe steigen wieder aus dem Bus. «Das Mehrfachabonnement habe ich bisher immer im Coop gelöst. Das geht jetzt dann nicht mehr», stellt eine Frau fest. Mit der Einführung des neuen Systems werden die bisherigen Verkaufsstellen keine Karten mehr verkaufen. Solange es aber Schalter gebe, solange werde sie diese auch nutzen, sagt sie.
Keine Sprachwahl
Eine weitere Änderung betrifft den grenzüberschreitenden Verkehr. War es bisher möglich, mit dem gleichen Billett auch die Busse in Konstanz bis Radolfzell und sogar bis Stein am Rhein zu benützen, geht dies neu nur noch in der City Zone. Das scheint an diesem Morgen kaum jemanden zu interessieren. Vielmehr wollen die Besucher ihre ersten Berührungsängste mit dem Automaten abbauen. «Es wird immer komplizierter», stellt eine Frau fest und meint, «darum komme ich lieber, bevor ich das erste Mal fahre.» Das sei kein Problem, erklärt Martin Kühne, Leiter Fahrdienst im Eurobus. Denn die Chauffeure wüssten, wie der Automat zu bedienen sei und würden bei Bedarf sicher helfen. Das werden sie sicher dann und wann tun müssen: Sicher dann, wenn sich ausländische Touristen an den Automaten wagen. Eine Sprachwahl gibt es nämlich noch nicht. Eine solche ist aber gemäss Martin Troll in Arbeit.
Während die mehrheitlich älteren Besucher Martin Troll und Martin Kühne nur bei ihrer Demonstration zuschauen, bricht eine Besucherin endlich das Eis. Sie tritt forsch an den Bildschirm und probiert gleich selbst aus, wie sie zu ihrer gewünschten Mehrfahrtenkarte kommt. Und jetzt gibt es auch andere, die es wagen, den Bildschirm zu berühren. Dabei stellen sie fest, dass der Automat ganz ähnlich funktioniert, wie jene der SBB an den Bahnhöfen. (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 25.05.2009, 14:53 Uhr
Thurgau
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