Schicht um Schicht zur Geschichte
«Ich sehe mich auf einer Wanderung»: Heidi Schöni in ihrem Atelier in Schmidshof. (Bild: Susann Basler)
Zur Person
Heidi Schöni
Künstlerin
Vorstand Forum andere Musik
1953 geboren, Lehrerseminar. Vorkurs und Fachklasse an der Zürcher Hochschule der Künste, seit 1980 künstlerisch tätig. Lehraufträge: Kantonsschule Zürich-Wiedikon, 10.?Schuljahr Frauenfeld, Seminar für Textilarbeit/Werken und Gestaltung Weinfelden, Seminar Kreuzlingen; seit 2003 Dozentin an der PHTG. Forum für andere Musik seit 2001; Mitglied Visarte Ost und VideOst. Heidi Schöni ist mit Karl W. Steffen verheiratet, hat zwei Töchter und wohnt in Schmidshof. (kze)
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Schmidshof – Es war die Malerei, mit der Heidi Schöni Steffen vor mehr als 20 Jahren an einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich den Durchbruch als Künstlerin schaffte. «Falsch, nicht 1985 schaffte ich den Durchbruch; das wird erst sein, wenn ich 85 bin.» Eine Korrektur, die humorvoll und ernsthaft gemeint ist, die kokett und bescheiden klingt.
Es waren innere und äussere Umstände, familiäre und künstlerische Entwicklungen und auch ein paar Zufälle, dass ihre Malerei im Laufe der Zeit in den Hintergrund gedrängt, aber nie begraben und vergessen wurde. «Die Malerei ist nach wie vor meine bevorzugte Sprache. Ich sehe mich auf einer Wanderung, zu der ich nicht alles mitnehmen kann.» In den vergangenen zwei Dutzend Jahren war die Künstlerin Heidi Schöni Jahr für Jahr an Ausstellungen oder mit Aktivitäten in der Öffentlichkeit präsent.
Tiefenbohrungen zu zweit
Die vergangenen Jahre waren geprägt durch eine intensive künstlerische Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Karl W. Steffen. In einem hellen Rundbau, einem umgenutzten Schweinestall in Schmidshof, haben sie ihr Atelier eingerichtet. Ihre gemeinsamen Interventionen, mal Einmischung, mal Eingriff, bezeichnet das Künstlerduo als Tiefenbohrungen, ein Wort, das sowohl wörtlich als auch metaphorisch zu verstehen ist. «Mehr als das, was ins Auge springt, interessiert uns, was man erst beim zweiten Hinsehen wahrnimmt; das, wonach man schürfen und fragen muss; das, was abläuft ohne unser Zutun; das, was man entdeckt, wenn man nach nichts Konkretem sucht.» So war es 1989, als sie auf dem Seerücken die Schneise für die künftige Autobahn A7 fotografierten, die ihnen wie eine riesige klaffende Wunde vorkam. An den Einschnitten kamen die verschiedenen Bodenschichten zu Tage.
Steffenschöni, so ihr Künstlername, begriffen: Diese Schichten haben mit unserer (Lebens-)Geschichte zu tun, darauf wollen wir reagieren. Diese vorerst dokumentarischen Fotografien brachten einen Stein ins Rollen. In vielen Werken hat das Künstlerduo das Thema Tiefenbohrungen weitergedacht. Schichten abtragen, eindringen und vordringen, Archäologie als künstlerische Befragung der Welt. «Auch Malerei ist Archäologie, bloss in umgekehrter Richtung; auch sie ist eine Schichtung», sagt sie. Heidi Schöni, die Schicht-Arbeiterin.
Es kommt nicht oft vor, dass ein Paar über Jahre hinweg neben ihrer privaten Beziehung auch künstlerisch zusammenarbeiten kann. «Unsere Beziehung braucht in mancher Hinsicht viel Kraft, schafft aber auch Synergien: als Eltern, als Künstlerpaar und in der gemeinsamen Verantwortung fürs Familieneinkommen. Was man nicht allein tut, braucht mehr Zeit, hat aber den Vorteil, dass das Resultat dadurch meist abgerundeter ist.» Nebst dieser glänzenden Seite der Medaille, gibt es die andere mit Patina und Kratzer. Heidi Schöni beschönigt nichts. Die Künstlerbeziehung Steffenschöni sei nicht konfliktfrei. Gemeinsamkeiten im Alltag sind nicht kunst-tauglich, künstlerische Dialoge versagen am Stubentisch.
Gruppe von Individualisten
Heidi Schöni gehört seit acht Jahren zum Forum andere Musik. Vielleicht befähigt sie die intensive künstlerische Zusammenarbeit mit ihrem Mann besonders, in dieser Gruppe von Individualisten mitzuarbeiten, «deren gemeinsame Schnittmenge die Liebe zum und die Energie für das Forum ist». Das Forum ist ihr Reich, wo sie Diskussionen auf bestem Niveau führen kann, wo kompromisslos an der Realisierung von Projekten gefeilt wird. «Nicht zuletzt dank dieser Erfahrung ist die künstlerische Arbeit mit meinem Mann professioneller geworden.»
Mehr als ihr halbes Leben war Heidi Schöni auch Lehrerin: Primarschule, Kantonsschule, Seminar, Hochschule. «Kein Aufstieg. Hierarchisches Denken liegt mir fern. Ich sehe dagegen den Nutzen, wenn man in der Lehrerinnenausbildung weiss, wie der Alltag an der Basis ist. Der Fokus des Unterrichts mag auf der oberen Stufe enger und schärfer sein, der Auftrag bleibt jedoch im Kern immer gleich.» Zusammen mit zwei Berufskolleginnen hat sie an der PHTG das Diplomprojekt Kunst-Kultur-Schule entwickelt, das jetzt seinen festen Platz im Ausbildungskanon hat. «Es ist wichtig, dass Lehrpersonen wissen, was Kultur ist, wo wir ihr und sie uns begegnet, welche Anknüpfungspunkte zu andern Fächern möglich sind.» Heidi Schöni und Claudia Rüegg sind die Patinnen des Moduls. Dank ihrer unterschiedlichen künstlerischen Herkunft werden interdisziplinare Projekte nicht zu theoretischen Alibi-Übungen.
Offene Ateliers im Neuwerk Konstanz Samstag, 28.?März, 14–22 Uhr. Thurgauer Gäste: steffenschöni, rebell.tv. www.neuwerk.org (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 25.03.2009, 07:43 Uhr
Thurgau
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