Mehr Geld an fremde Spitäler
Patient sollte sich erkundigen
Immer wieder kommt es vor, dass Patienten auf hohen Rechnungen für ausserkantonale Spitalbehandlungen sitzenbleiben, weil ihre Heimatkantone sich weigern, sie zu bezahlen. Meist könnten Lösungen gefunden werden, sagt Patientenstellen-Präsidentin Erika Ziltener. In der Pflicht seien die zuweisenden Ärzte sowie die Spitäler. Sie müssten den Patienten über die Kostenfolgen aufklären. Sie übernähmen bei Fehlzuweisungen oft zumindest einen Teil der Kosten. Am besten sei es aber, wenn sich der Patient vor einem Eingriff erkundige, wer die Kosten trage. (wid)
Mehrere Tausend Thurgauerinnen und Thurgauer werden pro Jahr in Spitälern ausserhalb des Kantons behandelt. Die aktuellste Zahl stammt aus dem Jahr 2008. Damals wurden 7000 ausserkantonale Spitalbehandlungen registriert. Der Kanton zahlt aber nur in den wenigsten Fällen an die Kosten. In den letzten Jahren waren es laut kantonsärztlichem Dienst jeweils um die 1600 Behandlungen. Der Staatsbeitrag wird nur bezahlt, wenn der Eingriff von keinem der Thurgauer Spitäler angeboten wird oder es sich um einen Notfall handelt. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, muss je nach Versicherungsstatus die Krankenkasse oder der Patient die Kosten übernehmen.
Ziel des Kantons ist es, möglichst viele Behandlungen in Thurgauer Spitälern zu behalten, die schliesslich zu einem wesentlichen Teil mit Steuergeldern finanziert werden. Beiträge würden nur restriktiv bewilligt, sagt Kantonsarzt Max Dössegger. So seien letztes Jahr nur 28 Prozent der 5723 Gesuche bewilligt worden. Viele abgelehnte Gesuche stammen aus Gemeinden in Grenznähe zu Schaffhausen, Winterthur oder St. Gallen. Dort würden die Leute oft lieber ins nähere ausserkantonale Spital gehen.
Teure Transplantationen
Trotz der hohen Ablehnungsquote steigt die Höhe der Beiträge insgesamt.Statt der vorgesehenen 11,5 Millionen Franken musste der Kanton letztes Jahr 13,5 Millionen aufwenden. Das entspreche einem langfristigen Trend, sagt Dössegger. Es gebe heute mehr und teurere Möglichkeiten in der Medizin. Häufige Eingriffe, die ausserhalb des Kantons vorgenommen werden müssen, sind die Transplantationen. An eine Nierentransplantation zahlt der Kanton 33'000 Franken, an eine Lebertransplantation bis zu 90'000 Franken. Eine Stammzellentransplantation gegen Leukämie kann im Extremfall mit der Spendersuche und Transplantatbereitstellung Kantonsbeiträge von bis zu 290 '000 Franken auslösen.
Dass der Thurgau bei den ausserkantonalen Spitalrechnungen ganz genau hinschaut, wird von den Krankenkassen bestätigt. «Die Thurgauer Praxis ist restriktiver als jene anderer Kantone», sagt Hans-Ueli Regius, Generaldirektor der Krankenkasse Swica. Dass der Kanton seine eigenen Spitäler auslasten will, sei verständlich. Für den Patienten entstehe qualitativ kein Nachteil.
Patientenvertreter dagegen kritisieren vor allem, dass das Vertrauensverhältnis eines Patienten zu einem bestimmten Arzt nicht als Grund für eine ausserkantonale Behandlung akzeptiert wird. Gerade bei kritischen Eingriffen spiele dieses Verhältnis aber eine wichtige Rolle, sagt Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands der Schweizerischen Patientenstellen.
Mit der Öffnung des Spitalmarkts 2012 dürfte dieses Problem gelöst sein. Die Patienten können dann wählen, in welches Spital sie gehen wollen, solange es auf der Spitalliste eines Kantons steht. Für ausserkantonale Behandlungen muss der Heimatkanton die Kosten übernehmen, solange sie nicht über die eigenen Ansätze hinausgehen. Es sei absehbar, dass der Kanton dann einige Tausend ausserkantonale Hospitalisationen mehr bezahlen muss als heute, sagt Kantonsarzt Dössegger. Über die finanziellen Folgen gebe es noch keine Klarheit. (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 24.07.2010, 08:52 Uhr
Thurgau
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