Faktenfutter für Strassenstreit

Die von der Regierung geplante Bodensee–Thurtal-Strasse ist unter verschiedenen Varianten die nachhaltigste Linienführung. Das sagt eine vom Kanton in Auftrag gegebene Studie.

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Frauenfeld – An der letzten Sitzung hat der Grosse Rat die Beratung des kantonalen Richtplans begonnen. Gestern liess Baudirektor Jakob Stark eine neue Studie zu einem Kernstück der Vorlage in die angefangene Diskussion fallen. Es handelt sich um einen Vergleich der vier verschiedenen Varianten der Thurtal-Strasse. Die Studie zeigt auf, welche Variante die nachhaltigste Lösung ist.

Wie schon die Vorstudien erwarten liessen, schneidet die von Stark und der Raumplanungskommission bevorzugte Bodensee–Thurtal-Strasse (BTS) am besten ab. Interessant ist, dass die Studie auch der Variante, die von den Grünliberalen ins Spiel gebracht wurde, Auftrieb gibt. Sie ist östlich von Weinfelden identisch mit der BTS. Ihr Ottenbergtunnel führt aber nicht nach Westen, sondern nach Norden zur A 7. Die GLP-Variante schneidet in punkto Nachhaltigkeit zwar schlechter ab als die BTS. «Der Abstand ist aber nicht riesig», sagte Kantonsingenieur Andreas Heller. Baudirektor Stark sagte, dass bei der Detailplanung die Variante der GLP in die Abklärungen einbezogen werde.

Zunächst soll aber der Richtplan mit der BTS verabschiedet werden. Die genaue Linienführung soll danach bis 2011 festgelegt werden. GLP-Präsident Robert Meyer reagierte auf Anfrage erfreut auf diese Aussagen. Die Studie sei in diesem Sinn ein Lichtblick.

Autobahn nicht nachhaltig

Die vom Kanton in Auftrag gegebene Studie sei wissenschaftlich und unter neutraler Begleitung erstellt worden, sagte Stark. Sie beruht auf dem anerkannten Nistra-Verfahren (Nachhaltigkeitsindikatoren für Strasseninfrastrukturprojekte). Untersucht wurde ein ganzer Katalog von Indikatoren aus den Bereichen Gesellschaft (zum Beispiel Entlastung der Innenstädte, Unfallhäufigkeit), Wirtschaft (etwa Baukosten, Reisezeitverkürzungen) und Umwelt (unter anderem Eingriffe in die Landschaft, Luftbelastung). Die Studie kommt zu folgenden Schlüssen:

- Vierspurige Autobahn: Als einzige Variante ist sie laut Studie nicht nachhaltig. Sie fällt wegen der hohen Baukosten von 1,4 Milliarden Franken und dem Landverschleiss ausser Abschied und Traktanden.

- Variante GLP: Verglichen mit der BTS hat die Variante der GLP vor allem den Nachteil, dass sie sich nicht an der Siedlungsentwicklung orientiert und zudem die Strecke verlängert. Das führt zu Reisezeitverlängerung und mehr Benzinverbrauch

- Variante der Umweltverbände: Gegenüber der BTS hat die Verbandvariante den Vorteil, dass sie im Bereich Umwelt deutlich besser abschneidet, da sie sich mehr an der heutigen Trasse orientiert. Wegen längerer Fahrzeiten ist die als Haupttrasse mit Innerortsverkehr konzipierte Linienführung weniger wirtschaftlich. Sie entlastet zudem die Zentren weniger.

- Oberlandstrasse (OLS): Sie führt von Bätershausen nach Oberaach und ist im Richtplanentwurf als Ergänzung zur BTS vorgesehen, falls das Verkehrsaufkommen zwischen Kreuzlingen und Amriswil steigen sollte. Die Studie bestätigt, dass sie zum heutigen Zeitpunkt mehr Nachteile als Vorteile bringt.

Wissenschaft und Politik

Die Studie ist wissenschaftlich. Die Gewichtung der erhobenen Fakten ist aber eine politische Frage. «Wir gewichten den Landschaftsverbrauch anders als eine Fahrzeitersparnis», sagte Pro-Natura-Präsident Toni Kappeler. Für ihn bleibt die Verbandsvariante im Rennen, zumal auch sie als nachhaltig eingestuft wurde. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 28.11.2009, 17:08 Uhr

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