EU-Millionen im Visier der Unis

Firmen im Bodenseeraum sollen stärker von der Forschung profitieren: Die Internationale Bodenseehochschule will deshalb den Wissens- und Technologietransfer verstärken – mit dem Segen des Thurgaus. Die EU soll Projekte finanzieren.

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Der Thurgau forscht mit drei eigenen Instituten

Begrüsst wird der geplante Ausbau des Wissens- und Technologietransfers auch vom Thurgauer Amt für Mittel- und Hochschulen. Bisher seien Forschungsergebnisse vor allem auf nationaler und kantonaler Ebene von der Wirtschaft übernommen und angewendet worden, sagt Amtschef Urs Schwager. Neu würden 29 Hochschulen rund um den Bodensee gemeinsame Forschungsprojekte lancieren und zusammen mit Firmen entwickeln.

Der Kanton hat aber auch direkt Erfahrungen mit dem Technologietransfer gesammelt: Der Thurgau führt drei sogenannte An-Institute, die in Zusammenarbeit mit der Universität und der Hochschule Konstanz Forschung betreiben. Beim Werkstoffinstitut in Tägerwilen funktioniere der Schulterschluss mit Firmen gut, sagt Schwager. Und auch das dortige Biotechnologie-Institut erhalte neben Nationalfondsgeldern Aufträge aus der Wirtschaft. Zudem würden sich erste Patente im Bereich der Krebsbekämpfung abzeichnen. Schwieriger sei die erste Phase für das Wirtschaftsinstitut in Kreuzlingen gewesen. Inzwischen hätten sich Interesse und Auftragslage aber verbessert. (hal)

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Kreuzlingen – Der Job ist anspruchsvoll. Und er ist begehrt, wie Kai Handel, der Rektor der Hochschule Konstanz, bestätigt. 180 Personen bewerben sich für den neuen Posten eines Koordinators für Wissens- und Technologietransfer, den die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH) mit Sitz in Kreuzlingen vor Kurzem ausgeschrieben hat. Hinter der Stelle steckt ein ambitioniertes Projekt der IBH, zu der sich die 29 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen im Bodensee-Raum zusammengeschlossen haben. Diese beschlossen zwar schon bei der IBH-Gründung, in Forschung und Wissenschaft stärker zu kooperieren. Diese Zusammenarbeit beschränke sich aber bisher auf einzelne Bereiche, und die Koordination sei schwierig, sagt Handel.

In Zukunft soll der neue Koordinator den Austausch zwischen den 29 Hochschulen intensivieren und Bereiche aufspüren, in denen die Professoren der unterschiedlichen Schulen gemeinsam forschen könnten. Damit sollen aber nicht nur Vernetzung und Wissensaustausch zwischen den Unis und Hochschulen verbessert werden, unterstreicht Handel. Ziel sei es, den Wissens- und Technologietransfer zu den Firmen im Bodenseeraum auszubauen. Firmen sollen direkt von Forschungsergebnissen profitieren und diese in Produkten und Dienstleistungen anwenden können. Im Gegenzug sollen sie sich an den Kosten der Forschung beteiligen.

Firmen beklagen Bürokratie

Doch genau diese Zusammenarbeit steckt noch in den Kinderschuhen, wie auch Edgar Sidamgrotzki, der Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit, einräumt. Ziel müsse es sein, zusammen mit Thurgauer Firmen drei bis fünf grenzüberschreitende Projekte pro Jahr zu lancieren. Heute sei es aber erst ein Projekt alle zwei Jahre – vor allem aufgrund der bürokratischen Auflagen, die Firmen erfüllen müssen, wenn sie EU-Gelder beantragen. Dass diese Formalitäten heute für die meisten Unternehmen eine grosse Hürde sind, bestätigt auch Peter Maag, der Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau.

2 Millionen für ein Projekt

Auch in diesem Punkt soll der neue Koordinator laut Handel helfen. Er soll Kontakte zwischen Unternehmen, Hochschulen und EU knüpfen und die Voraussetzungen für ein EU-Technologietransfer-Projekt schaffen. 15 bis 20 Hochschulen aus zehn Ländern müssten sich an einem solchen Projekt beteiligen, sagt Handel. Der Koordinator werde seine Fühler deshalb weit über den Bodenseeraum hinaus ausstrecken müssen. Für ein solches Projekt zahlt die EU bis zu 2 Millionen Euro – Geld, das laut Handel den Hochschulen und den Firmen am See zugute kommen soll. Ob Projekte in dieser Grössenordnung allerdings zustande kommen, sei nicht gesichert: Daher sei die Stelle des Koordinators vorerst auf zwei Jahre befristet.

Sidamgrotzki leitet auch das Technologieforum Thurgau, das erste Projekte im Bereich Metallbau und Kunststoff-Technik angestossen hat. Für den Kanton sei das IBH-Projekt keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Erweiterung. «Es wird vor allem kleinen und mittleren Firmen helfen, die richtigen Ansprechpartner zu finden», hofft auch Maag. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 16.12.2009, 09:44 Uhr

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