114 Kilometer auf 8 Rollen
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St. Gallen – Vor dem Athletikzentrum St. Gallen hält ein Taxi. Zwei leicht übernächtigte Jugendliche steigen aus, fragen nach einer Zigarette und wundern sich, was um diese Zeit schon los sei. Es ist kurz nach 6 Uhr morgens. In knapp einer Stunde fällt der Startschuss zum längsten Inline-Rennen der Welt, dem One-Eleven. Exakt 114,5 Kilometer führen von St. Gallen über Gossau und Altnau nach Märstetten und über Muolen und Wittenbach wieder zurück nach St. Gallen.
«Heute ist trockenes Wetter – das heisst, die Skater sind schnell unterwegs und riskieren mehr», begrüsst der Medienverantwortliche des Rennens, Oliver Schoch, eine halbe Stunde vor Start die Journalisten. Noch ist aber von Hektik nichts zu spüren. Am Start haben sich nur vereinzelte Fans eingefunden. Die Stille durchbricht jetzt der Speaker, der die letzten fünf Sekunden bis zum Start zählt. Kaum eine Minute später ist das ganze Feld bereits hinter der Kurve verschwunden, und es kehrt wieder Stille ein. Zeit, den Ort zu wechseln.
Erwachen in Arnegg
Wir nehmen die Abkürzung nach Arnegg bei Gossau. Minuten später erreichen die ersten zwei Skater das Dorf, gefolgt von einem breiten Feld. Eine Frau holt die «SonntagsZeitung» aus dem Briefkasten und schaut den Athleten etwas unschlüssig hinterher. Zwischen der «Krone» und dem «Sternen» haben sich erste Zuschauer eingefunden und feuern die Athleten an.
Nach Waldkirch überholen wir das Feld wieder und halten in Häggenschwil. Die steile Abfahrt hat begeisterte Fans angelockt, die selbst zittrige Beine zur Höchstleistung antreiben. Die Profis halten die Hände locker im Rücken verschränkt, während andere mit leicht ausgestreckten Armen das Gleichgewicht suchen oder sich am Vordermann festhalten.
Trotz hoher Tempi unfallfrei
Trotz hoher Geschwindigkeit und riskanten Manövern wird der One-Eleven dieses Jahr unfallfrei bleiben. «Einige Schürfungen und Blasen gibt es immer, aber von grösseren Verletzungen sind wir verschont geblieben», sagt Schoch. Nachdem sich im vergangenen Jahr vier Athleten mittelschwere bis schwere Verletzungen zugezogen hatten, stand die weitere Durchführung des Rennens vorübergehend in Frage. «Wir haben nun darauf geachtet, dass die Töffs noch vorsichtiger fahren, und haben auch mal den einen oder anderen rausgewinkt.»
In vier Sicherheitszonen werden gar keine Fahrzeuge auf die Strecke gelassen. Nach Muolen verlassen wir deshalb die Rennstrecke und fahren direkt nach Altnau. Kurz nach 8 Uhr sind die Strassen bereits gesäumt mit Zuschauern, die alle Fahrer mit Klatschen und lauten «Hopp»-Rufen begrüssen. Der Gemeindeammann überquert raschen Schrittes den Fussgängerstreifen; gegenüber fährt das Auto mit Sänger Marc Sway an Bord in die Einfahrt.
Stimmung in Altnau
Es ist einiges los in Altnau. Und es lohne sich, früh aufzustehen, sagt Katja Bernold aus Neftenbach ZH: «Wir warten auf unser Team, neun Männer und vier Frauen. Die brauchen schon Unterstützung.» Das One-Eleven-OK hat heuer 900 Skater begeistern können; einige von ihnen fahren nur eine Teilstrecke. 150 davon haben sich gestern oder heute spontan angemeldet – «dank dem schönen Wetter», freut sich Schoch. Vielleicht werde man dieses Jahr einmal eine positive Bilanz ziehen können, «aber es wird knapp, weil die Teilnehmerzahlen unter 1000 sind». In Altnau bejubeln die Zuschauer um 9.14 Uhr den Argentinier Ruben Martinez, der das Feld anführt und bereits wieder auf dem Rückweg ist. Seine Verfolger liegen rund zwei Minuten zurück. Wir müssen uns sputen, um rechtzeitig zum Zieleinlauf wieder in St. Gallen zu sein.
Stolze Eltern
Kurz vor 10 Uhr stehen dort, am Zieleinlauf, nur unmerklich mehr Leute als drei Stunden zuvor. Theobald Wille aus Vaduz steht mit seiner Frau an der Absperrung. Sie warten auf den Sohn. «Ein Halbprofi», wie der Vater stolz anmerkt. «Am Wendepunkt in Märstetten war er noch unter den ersten zwanzig. Wir hoffen, dass er gut durchkommt.» Um 10.10 Uhr kündigt der Speaker den ersten Fahrer an: Ruben Martinez passiert rasant die letzte Kurve und fährt jubelnd durch den Zielbogen. Jetzt wachen die Zuschauer auf, verfolgen ungeduldig die Rangliste. Als der Speaker den Namen des achten Fahrers verkündet, strahlen die Gesichter der Willes aus Vaduz: «Haben Sie gesehen? Das ist unser Junge!» (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 17.08.2009, 07:04 Uhr
Thurgau
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