Wenn ein Sieger nur Zweiter wird

Wie ungerecht – was die sportlichen Leistungen betrifft – Publikumswahlen sein können, musste diesmal auch der mehrfache OL-Weltmeister Daniel Hubmann an der Thurgauer Sportlerwahl erfahren.

eschlikon – 2009 war das bisher klar erfolgreichste Jahr für den Orientierungsläufer Daniel Hubmann. Sein Palmares ist kaum mehr zu übertreffen. Nur die wichtigsten Zahlen dazu: 1. (Lang-Distanz)/2. (Mittel)/ 3. (Sprint)/1. (Staffel) an der WM in Ungarn; Weltcup-Gesamtsieger; vierfacher Militär-Weltmeister; Gewinner aller fünf Schweizer Meistertitel. Das alles reichte nicht, um seinen Titel als Thurgauer Sportler des Jahres verteidigen zu können. Die Siebenkämpferin Linda Züblin erhielt bei dieser Publikumswahl am letzten Freitag just 100 Stimmen mehr und wurde so zum Darling des Kantons. Hubmann ist das gleiche Schicksal wie Tennis-Superstar Roger Federer widerfahren, welcher hinter dem Ski-Ass Didier Cuche bei der Schweizer Sportlerwahl nur zweiter Sieger wurde. Die Riedterin Linda Züblin war über ihren Erfolg «einfach nur baff, damit habe ich nicht gerechnet. Dani tut mir leid, denn ich bin davon ausgegangen, dass er wieder gewinnt.» Paul Merz, Präsident der Thurgauer Fussballer, nickte anerkennend: «Das ist eine wahre Sportlerin. Vor ihrer Aussage muss ich den Hut ziehen.» Überraschte Eltern Katja Züblin, die Mutter von Linda, merkte etwas nachdenklich an: «Natürlich freue ich mich sehr über den Triumph meiner Tochter, aber Dani hätte den Sieg mindestens so verdient.» Max Hubmann, der Vater des doch unerwartet geschlagenen Titelverteidgers, konnte ein Kopfschütteln nicht verhindern: «Dieses Ergebnis ist schon verrückt, wenn man bedenkt, was Dani alles gewonnen hat. Er steht über der Sache, aber mich wurmt das schon ein bisschen.» Dasselbe sagten auch die beiden Oberthurgauer OL-Legenden Ernst Bissegger und Ernst Trunz. Sie fügten aber sofort an: «Wir mögen Linda den Erfolg auch von Herzen gönnen.» Aber was meinte eigentlich der zum Verlierer gewordene Sieger des Vorjahres? Der am 26. April seinen 27. Geburtstag feiernde gelernte Schreiner und momentane Profisportler blieb wie immer gelassen und freundlich: «Bei Publikumswahlen muss man immer mit allem rechnen. Als ich gesehen habe, dass der Unterschied lediglich 100 Stimmen beträgt, war mir klar, dass es möglicherweise nicht zur Titelverteidigung reicht.» Viele Reaktionen erhalten Gleich nach der festlichen Ehrung im Pentorama in Amriswil erhielt Hubmann «Trost» von verschiedensten Seiten: «Das hat mich sehr gefreut. Auch die Worte von Linda habe ich gerne zur Kenntnis genommen.» Gross darüber nachdenken wollte er aber nicht, zumal ja am Sonntag an den Schweizer Meisterschaften in Magglingen bereits sein nächster Einsatz folgte. Über 3000 Meter schaute bei einem Test in der Halle «End der Welt» hoch über dem Seeland Platz vier heraus. Für einmal verfehlte der Hinterthurgauer also eine Medaille. Nach zwei OL-Erfolgen in der Lang- und Mittel-Distanz in Portugal letzte Woche, durfte Hubmann allerdings erfreut feststellen: «Diese Leistungen zeigen, dass ich ein super Winter-Training hinter mir habe. Es läuft alles nach Plan.» Weil seine Freundin Annette Kindschi in Bern studiert, hat er seinen Wohnort zwischenzeitlich ebenso in die Bundesstadt verlegt. Allerdings zieht es ihn bereits wieder ins Ausland. Ab übermorgen Donnerstag bis zum Sonntag absolviert der Mehrfach-Weltmeister ein Trainingslager im italienischen Puglia. lRUEDI STETTLER (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 22.02.2010, 22:40 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Thurgau

Kolumnen & Kommentare

Die verschiedenen Seiten der TZ

Die Top-Themen im

Werbung

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) 2010


Sommernachts-Party

www.schlosswellenberg.ch:

FREIZEIT-IDEEN

Die schönsten Wanderungen – vom Klassiker bis zum Geheimtipp.

Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobsuche

Kaum wird irgendwo ein Job frei, ist er auf jobwinner.ch.



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten