Milch: Migros steht in der Kritik

Die Branchenorganisation Milch müsse durchsetzungsfähiger werden, sagt Hansjörg Walter. Er bedauert, dass die Migros bei der Erhöhung des Milchrichtpreises nicht mitzieht.

Frauenfeld – Und wieder ist der Streit um den Milchpreis entbrannt: Die Branchenorganisation Milch BOM hat für das dritte Quartal 2010 eine Erhöhung des Richtpreises für einen Liter Molkereimilch um 3 Rappen auf 65 Rappen beschlossen – und nicht alle Milchabnehmer halten sich daran. Auch nicht die Elsa, die Milchverarbeitungsindustrie der Migros. Die kämpferische Gruppe Big-M (Bäuerliche Interessengruppe für Milchmarktkampf) hat deshalb vor dem Hauptsitz des Migros-Genossenschaftsbunds in Zürich demonstriert. «Mit ihrer Milchverarbeitungsindustrie kontrolliert die Migros die ganze Produktionskette: vom Ankauf der Milch über die Verarbeitung bis zum Verkauf», sagt Simon Schild, Mitglied des Vorstands von Big-M. Die Migros habe die Möglichkeit, den höheren Einkaufspreis für Molkereimilch auf die Verkaufspreise ihrer Milchprodukte zu überwälzen, sagt der Thurgauer Landwirt. Dass die marktmächtige Migros darauf verzichte, setze ein negatives Signal für die ganze Branche. Paradoxe Situation «Es ist bedauerlich, dass ein Mitglied der Branchenorganisation Milch bei der beschlossenen Erhöhung des Richtpreises für Molkereimilch nicht mitzieht», sagt Hanjörg Walter. Für den SVP-Nationalrat und ehemaligen Präsidenten der BOM ist die Situation höchst paradox: Der Migros-Genossenschaftsbund habe der Erhöhung des Richtpreises zugestimmt. Dann habe sich aber die Elsa – ebenfalls ein BOM-Mitglied – quergestellt. Die Richtpreise für Milch würden vierteljährlich bestimmt, sagt Walter. Damit dies einen Sinn mache, müssten sie auch eingehalten werden. Die Branchenorganisation Milch ist noch eine junge Organisation. Sie wurde gegründet, um nach der Aufhebung der Milchkontingentierung neue Regeln für das Funktionieren des Milchmarktes zu erarbeiten und setzt sich aus Vertretern von Milchproduzenten, Milchverarbeitern und des Handels zusammen. Walter ist überzeugt, dass sich die Durchsetzungskraft der BOM im Laufe der Zeit erhöhen wird. Anderen Branchenorganisationen – etwa der Proviande – gelinge es, für die ganze Branche geltende Richtlinien durchzusetzen. Auch Ruedi Schnyder ortet bei der BOM ein Vollzugsproblem: Gefasste Beschlüsse würden nicht umgesetzt. Einen gegensätzlichen Standpunkt vertritt Roland Werner, Präsident der Thurmilch Ring AG: «Die BOM kann die vom Parlament beschlossene Liberalisierung des Milchmarktes nicht aufheben. Eingriffe in die Gewerbefreiheit stehen ihr nicht zu.» Die Aufgabe der BOM bestehe darin, der Branche Informationen zur Verfügung zu stellen, für Transparenz zu sorgen, gewisse Standards festzulegen und allenfalls bei der Erschliessung neuer Märkte zu helfen. Wegen des starken Schweizer Frankens sei der Richtpreis der BOM nicht marktfähig. lCHRISTIAN WEBER (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 28.07.2010, 20:30 Uhr

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