Forschungsnetzwerk überwindet Grenzen

Das in der Krebsforschung tätige Biotechnologie-Institut Thurgau profitiert vielfältig vom grenzüberschreitenden Netzwerk des Vereins Biolago e.V.

KREUZLINGEN – «Persönliche Kontakte sind auch heute noch wichtig und nützlich», sagt Daniel Legler. Er ist operativer Leiter des Biotechnologie-Instituts Thurgau (BITg), das anwendungsorientierte Grundlagenforschung zur Entstehung und Behandlung von Krebs betreibt. Ein solches Netzwerk bietet der Verein Biolago e.V., dem heute über 65 Mitglieder, darunter zehn Hochschulen und Institute sowie Unternehmen mit 5700 hochqualifizierten Arbeitsplätzen angehören. 2003 als informelle Runde geschaffen, hatte Biolago von Anfang an zum Ziel, Industrie und Wissenschaft im Raum Bodensee zu vernetzen, gemeinsam Ressourcen und Know-how zu nutzen. Mit der Übernahme der Institutsleitung durch Daniel Legler trat das BITg 2005 Biolago bei. Als sich das Netzwerk 2007 in einem Verein formierte, um seine Arbeit zu professionalisieren, engagierte sich der BITg-Leiter im Biolago-Vorstand und wurde für zwei Jahre stellvertretender Vorsitzender. «Die Wissenschaft ist nicht für das kleine Kämmerlein bestimmt, man muss zusammenarbeiten und sich austauschen, nur so kommt man weiter», bekräftigt Legler seine Überzeugung. Wissenschaft und Industrie seien von diesem Netzwerk begeistert. Gespräche, der gesellschaftliche Austausch, aber auch wiederkehrende Symposien trügen dazu bei. Biolago habe trotzdem immer noch ein wenig den Stammtischcharakter beibehalten, und das solle auch so bleiben. Lokale Verankerung Vom Biolago-Netzwerk profitiere das BITg in vielschichtiger Weise. Dazu zählten viele persönliche Kontakte, wobei Forschungsthemen und -probleme ausgetauscht werden. Auch sei es nicht ungewöhnlich, dass Mitarbeitende in einem anderen Betrieb ohne grosse Formalitäten neue Methoden und Techniken erlernen könnten. Hilfreich sei das Netzwerk auch bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden, beim Austausch von Material oder der Beschaffung von Geräten, so Legler. Der grosse Verbund von Firmen
und Forschungseinrichtungen profitiere schliesslich nicht nur von gegenseitigen Bedürfnissen, sondern vor allem auch von der Vertrauensbasis, die aus der lokalen Präsenz und Verankerung entstehe. Nicht zuletzt habe Biolago Neuansiedlungen wie auch Ausgründungen fördern oder unterstützen können. Das BITg, das 2007 in Kreuzlingen angesiedelt wurde, nutze den grenz-überschreitenden Verbund aus voller Überzeugung, macht Legler deutlich. Obwohl das BITg mit finanziellen Mitteln gut ausgestattet ist und rund 15 Forscherinnen und Forscher beschäftigen kann, wünscht sich der Leiter, dass die Biotechnologie auf stärkeres öffentliches Interesse stossen würde. Willkommen seien nach wie vor Sponsoren und Legate, um bei Geräteausfällen rasch handeln zu können.
lMARTIN SINZIG

Erstellt: 22.02.2010, 21:00 Uhr

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