Asylbewerber auf alle Gemeinden verteilen

Der Kanton startet den letzten Anlauf für zwei neue Durchgangsheime. Bisher will keine Gemeinde Land bereitstellen. Den Gemeinden droht die Aufnahme weiterer Asylsuchender.

Frauenfeld – Die Hoffnungen waren beträchtlich, als sich Regierungsrat Bernhard Koch und der Vorstand des Gemeindeverbandes trafen. Nur: «Das Resultat ist ernüchternd», stellt Koch fest. Zwar hatte sich Roland Kuttruff, der Präsident des Verbandes der Thurgauer Gemeinden (VTG), bereit erklärt, bei der Suche nach Standorten für maximal zwei neue Asyl-Durchgangsheime zu helfen. Allerdings erklärten sich weder vor noch während des Treffens Gemeindevertreter bereit, Unterkünfte oder Land zur Verfügung zu stellen. Für den Kanton drängt die Zeit aber, da er die provisorische Asyl-Unterkunft in Kemmental schliessen muss (siehe Box). Sie befindet sich nicht in der Bauzone. Appell an Solidarität Koch und der VTG-Vorstand haben nun vereinbart, dass der Kanton einen letzten Versuch startet, um doch noch Gemeinden zu finden, die ein Durchgangsheim akzeptieren würden. In einem Brief an die 80 Gemeinden appelliert Koch an deren Solidarität. Es müsse möglich sein, geeignetes Land bereitzustellen. Die Baracke könne der Kanton selber liefern. «Wichtig ist, dass das Land in der Bauzone ist», sagt Koch. Für ihn sei es befremdlich, dass bisher keine Gemeinde die Solidarität spielen lasse. Dabei betreibe die Peregrina-Stiftung die heutigen sechs Durchgangsheime in den grösseren Gemeinden ohne Probleme und Beschwerden der Anwohner. Auch Kuttruff hofft, dass sich Gemeinden zu einem positiven Entscheid durchringen. «Es ist besser, neue Heime zu schaffen, als dass jede Gemeinde weitere Asylbewerber unterbringen muss.» Neuer Verteilschlüssel droht Genau das blüht den Gemeinden aber. Der Kanton werde keine andere Wahl haben, als den Aufnahmeschlüssel zu ändern, sagt Koch. Im letzten Jahr wurden 197 Asylbewerber auf die Gemeinden verteilt, die für sie Wohnungen organisieren (siehe Box). Ohne neue Durchgangsheime müssten die Gemeinden 50 bis 100 weitere Asylsuchende übernehmen, sagt Koch. Der Aufwand für die Gemeinden werde deutlich grösser. lMARC HALTINER

Erstellt: 01.03.2010, 21:30 Uhr

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