Nach Hundebiss: Rehkitz muss getötet werden

Obwohl im Frauenfelder Auengebiet Hunde an der Leine geführt werden müssen, halten sich Halter nicht immer daran. Das hat fatale Folgen.

Der Hund hat das Rehkitz angefressen und dann liegen gelassen.

Der Hund hat das Rehkitz angefressen und dann liegen gelassen. (Bild: Ernst Dürr)

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Schreie durchbrachen am Samstag die Ruhe im Frauenfelder Auengebiet. Ein Passant hörte sie und ging ihnen nach: Er fand ein Rehkitz, das 100 Meter vom Waldrand entfernt schwer verletzt in der Wiese lag. Ein Hund hatte das Tier angefressen. Der Passant wandte sich an den Frauenfelder Jagdaufseher Ernst Dürr. Doch für das etwa 14 Tage alte Jungtier kam jede Hilfe zu spät: Dürr musste es erschiessen.

Obwohl Dürr schon seit Jahren Jäger ist, geht ihm der Vorfall nahe: «Es tut einem wahnsinnig Leid.» Das sei das dritte Mal in diesem Jahr gewesen, dass in seinem Jagdgebiet freilaufende Hunde Wild rissen. Dürrs Verständnis für Hundehalter ist zu Ende: «Bisher habe ich es mit Erklären versucht, nun werde ich rigoros Bussen verteilen.» Denn seit 2004 müssen im Auen-gebiet Hunde an der Leine geführt werden – ansonsten zahlt der Halter bis zu 80 Franken Bussgeld.

Keine generelle Leinenpflicht

Dass ein freilaufender Hund ein Jungtier tödlich verletzt, war letzte Woche kein Einzelfall. Ein Spaniel riss vergangenen Montag bei den Lengwiler Weihern ein Rehkitz. Am selben Tag diskutierte der Verein Hundesport Seerücken über das Thema und die Mitglieder kamen zum Schluss: Hunde gehören an die Leine (TZ berichtete). Häufen sich die Fälle, in denen Hunde auf Wild losgehen? Christian Haffter, Mediensprecher von Jagd Thurgau, winkt ab: «Dass es so kurz nacheinander zu solchen Vorfällen kam, ist Zufall.» Freilaufende Hunde im Wald oder am Waldrand seien zwar ein Problem, doch könne man diesem mit Vernunft begegnen. Er appelliert an die Hundehalter, auf ihre Tiere aufzupassen. Eine generelle Leinenpflicht fordert er nicht. Ähnlicher Ansicht ist auch Daniel Jung, SVP-Kantonsrat und Hundekenner. Ein solches Gesetz bringe nichts. Es sei aber die Pflicht der Hundehalter, ihre Tiere unter Kontrolle zu haben und im Zweifelsfall an die Leine zu nehmen. Der Thurgauische Tierschutzverband ist anderer Meinung: «Hunde sollen im Wald und am Waldrand generell an der Leine geführt werden», sagt Präsident Reinhold Zepf. Und zwar im Interesse der Wildtiere. Zepf wehrt sich aber dagegen, dass nun eine Hetzkampagne gegen Hunde gestartet wird. Wild zu jagen liege in der Natur einiger Hunde – genauso wie beim Dachs oder beim Fuchs. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 16.06.2009, 15:33 Uhr

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