Frauenfelder Muslime loben ihre Stadt

Frauenfeld hat das Minarettverbot abgelehnt – als einziger Ort im ganzen Thurgau. Die Islamische Gemeinschaft Frauenfeld wertet dies als positives Signal.

Der Halbmond ragt über dem Lüftungsrohr der Frauenfelder Moschee.

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Bild: Donato Caspari

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Frauenfeld – Ginge es nach dem Willen der Frauenfelderinnen und Frauenfelder, dürften in der Schweiz grundsätzlich Minarette gebaut werden. Die Kantonshauptstadt hat am Abstimmungssonntag für eine Überraschung gesorgt: Sie hat die Minarettverbots-Initiative mit 54,3 Prozent Nein- zu 45,7 Prozent Ja-Stimmen abgelehnt. Die Politische Gemeinde Frauenfeld steht damit im ganzen Kanton Thurgau allein da.

Als Nusret Hajredini, der Präsident der Islamischen Gemeinschaft Frauenfeld, davon erfuhr, jubelte er. «Wir sind stolz auf Frauenfeld, unsere Stadt hat guten Willen gezeigt», freut sich der Taxifahrer, der seit vielen Jahren hier wohnt und arbeitet. Trotz klar angenommenem Minarettverbot bleibt Nusret Hajredini optimistisch: «Ich glaube an ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Christen in der Schweiz.» Dem Bau einer neuen Moschee, welche die Islamische Gesellschaft zurzeit plant, scheint baurechtlich nichts im Wege zu stehen. «Wir erwarten nächstens eine Baubewilligung», sagt Stadtschreiber Ralph Limoncelli. 1,6 Millionen Franken soll der Bau im Instustriequartier neben dem Servicecenter A7 West kosten, die Bauvisiere stehen schon.

«Wir sind überrascht»

Warum Frauenfeld gegen die Initiative votiert hat, die gesamtschweizerisch so klar angenommen wurde, kann sich niemand so recht erklären. «Wir sind sehr überrascht», sagt Limoncelli. «Die Urbanität spielt wahrscheinlich eine Rolle.»

Auch in kirchlichen Kreisen wundert man sich. «Vielleicht liegt es daran, dass Frauenfeld bereits eine Moschee besitzt», fragt sich der evangelische Pfarrer Andreas Bänziger. «Dort geht es friedlich zu. Vielleicht hatten die Frauenfelder Stimmbürger dadurch weniger Angst als die Bewohner der ländlichen Thurgauer Gemeinden, in denen Moscheen noch gar nicht so bekannt sind.»

Der evangelische Pfarrer Christoph Nägeli hat das Frauenfelder Stimmresultat «mit Genugtuung zur Kenntnis genommen». Obwohl es ihn ärgert, dass die Christen in einigen islamischen Ländern keine Kirchen bauen dürfen, hat er ein Nein in die Urne gelegt. Schuld daran waren die rot-schwarzen Abstimmungsplakate der SVP: «Sie haben mich an die Propaganda der Nationalsozialisten erinnert.» (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 01.12.2009, 17:31 Uhr

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