Endzeitvision vor der Bibliothek

Ein Schrottauto verwirrt Passanten vor der Kantonsbibliothek in Frauenfeld. Viele fragen sich, ob da jemand seinen Müll parkiert hat. Dabei ist das Auto Kunst.

Die Rostlaube vor der Kantonsbibliothek hat der Thurgauer Künstler Johannes Gees serbischen Roma abgekauft.

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Bild: Nana do Carmo

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Frauenfeld – Der Polizist runzelt die Stirn. Vor der Frauenfelder Kantonsbibliothek in Frauenfeld steht ein Citroën Dyane aus dem Jahr 1978. Oder besser gesagt: Was davon übrig blieb. «Das ist kein Auto mehr», sagt der Polizist. «Das ist eine Rostlaube auf einem Motor.» Die Räder sind schief. Als Benzintank dient eine Pet-Flasche. Und anstelle eines Fahrersitzes gibt es einen kleinen Baumstrunk. Auf dem Anhänger liegt Dreck.«Man sollte das schleunigst entsorgen», sagt der Polizist. Der Rostkarren sticht jedem ins Auge. Passanten bleiben stehen, amüsieren und ärgern sich. «So eine Schweinerei», wettert eine alte Frau. «Der steht seit zwei Wochen da, und keiner tut etwas. Aber mir ist es wurst, das ist Sache der Polizei.»

«Eine Schweinerei»

Auch beim gegenüberliegenden Café Yellow wirft man neugierige Blicke auf das Schrottauto. Jeder macht sich seinen eigenen Reim darauf. «Als erstes dachte ich, der obdachlose Vögi sei wieder in der Stadt und habe den alten Wagen abgestellt», sagt eine Serviceangestellte. «Viele unserer Gäste fragen sich, was das soll.»

In der Kantonsbibliothek sorgt die Rostlaube vor dem Gebäude ebenfalls für Gesprächsstoff. Ein Kunde fragte, ob das lädierte Auto den Irakkrieg miterlebt habe. Worauf die Bibliothekarin den Irrtum aufklärte: Das Schrottauto sei Kunst. Dahinter steckt der Thurgauer Künstler Johannes Gees mit seiner Installation «Final Fantasy», die er bereits im Kunstmuseum in der Karthause Ittingen gezeigt hat.

Das letzte Benzinfahrzeug

Die Provokation jedenfalls scheint gelungen. «Wie bitte? Das soll Kunst sein? Ich würde mich schämen, einen solchen Schmarren auszustellen», sagt eine Passantin. Eine elegante Dame hingegen sagt mit süffisantem Lächeln, sie fände dieses Auto «interessant».

Ein ähnliches Werk hat Sylvie Fleury in den 90ern mit ihren zerquetschten Autos geschaffen, die sie mit Dior-Nagellack bemalt hat. Das war Kritik am Konsum und Hedonismus.

Der Thurgauer Künstler dagegen hat den Deux Chevaux serbischen Romas abgekauft. Seine Erklärung dazu: Der Wagen sei eine «endzeitliche Vision des letzten benzinbetriebenen Autos.» Jeder intepretiert die Zurschaustellung ein bisschen anders. «Der Künstler hat doch einfach einen Bauernkarren gekauft der toll aussieht als Objekt. Doch was will er uns damit sagen? Dass der Bauernstand in der Schweiz verarmt?», fragt ein Mann. «Ich finde den alten Motor sehr ästhetisch», sinniert hingegen ein Kantischüler. Die Verwirrung der Passanten wird nicht mehr dauern. Heute um 18 Uhr ist bereits die Finissage. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 30.09.2009, 11:54 Uhr

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