Wegweisende Kulturförderung im Thurgau

Fünf Kulturschaffende und ein Künstlerpaar werden vom Kanton Thurgau mit je 25 000 Franken gefördert. An der Übergabe im Kulturforum Amriswil zeigten Einblicke in ihr Schaffen beträchtliche Leistungsausweise und hohes künstlerisches Niveau.

Die Förderpreisträger, von rechts um den Tisch: Othmar Eder, Gabriel Vetter, Karl Steffen, Oliver Roth, Anja Tobler, Heidi Schöni, BEnjamin Engeli.

Die Förderpreisträger, von rechts um den Tisch: Othmar Eder, Gabriel Vetter, Karl Steffen, Oliver Roth, Anja Tobler, Heidi Schöni, BEnjamin Engeli.
Bild: Susann Basler

Die Preisträger und ihre Projekte

Othmar Eder, 1955, Künstler, Stettfurt. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien und Spanien. Werke zum Thema «Über die Berge» zurzeit im Kunstraum Kreuzlingen. Den Thurgauer Förderbeitrag verwendet Eder für die Weiterbildung im Bereich der Filmtechnik und deren Anwendung im eigenen Schaffen.

Benjamin Engeli, 1978, Musiker (Klavier, Horn), Uetikon am See. Stammt aus einer Kreuzlinger Musikerfamilie. Solist und seit 2003 als Mitglied des Tecchler Trios (internationaler ARD-Musikwettbewerb, München, 2007). Er wird den Förderbeitrag für eine «Short Term Residency» im Banff-Centre (Kanada) und der Vorbereitung anstehender Soloprojekte verwenden.

Oliver Roth, 1977, Musiker, Zürich. Im Thurgau aufgewachsen, 2006 Abschluss Jazzschule Basel. Mitglied des 20-köpfigen Berliner Andromeda Mega Express Orchestra. Den Förderbeitrag wird Oliver Roth für einen halbjährigen Aufenthalt in Berlin verwenden, um Unterricht in Komposition zu nehmen und sich in klassischer Querflöte weiterzubilden.

Steffenschöni: Heidi Schöni und Karl Steffen, beide 1953, Künstler, Schmidshof. Seit 1989 zahlreiche Projekte und Ausstellungen, u. a. «Projektionen», Kunsthalle Wil (1998) und «seestück;, basic(s) II», Hafenareal Romanshorn (2004). Den Förderbeitrag verwenden sie für den Besuch von Vorlesungen am Center for Contemporary Art Kitakyushu in Tokio, Vermittlungsprojekte in Japan und die Entwicklung ihres Langzeitprojektes «Japanische Gärten».

Anja Tobler, 1979, Schauspielerin, Zürich. In Frauenfeld aufgewachsen, 2005 Abschluss der Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Diverse Engagements an Theater und in Kurzfilmen. Den Thurgauer Förderbeitrag wird Anja Tobler für die musikalische Weiterbildung in Gesang und Cello sowie für die Weiterbildung im Camera Acting für Film- und Fernsehproduktionen verwenden.

Gabriel Vetter, 1983, Slam-Poet, Autor, Kreuzlingen. 2006 «Salzburger Stier» als bisher jüngster Stier-Preisträger. Kolumnist für die «Basler Zeitung» und die «Thurgauer Zeitung». Den Thurgauer Förderbeitrag wird Gabriel Vetter für die Vertiefung seiner literarischen Tätigkeit, das Verfassen eines Drehbuches und das Umschreiben eines Hörspiels in eine Novelle verwenden. (spy)

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Man kommt offenbar gern zurück in den Thurgau, auch als engagierter Musiker oder Slam-Poet, der viel beachtete und preisgekrönte Auftritte auf Bühnen in Chicago, London, Moskau oder Wien hinter sich hat. Natürlich freut man sich über den Förderbeitrag von 25 000 Franken, aber es ist auch spürbare und ausgesprochene Verbundenheit da. Benjamin Engeli beispielsweise, Musiker aus Kreuzlingen, feiert längst internationale Erfolge. Trotzdem scheint es für ihn nicht selbstverständlich, auf der Bühne zu stehen, um für einmal einfach nur einen Preis abzuholen, ohne gleich ans Klavier zu sitzen. Als «unaufgeregt» und wohlwollend empfindet er die Kulturförderung im Thurgau. Gabriel Vetter, 2006 mit dem renommierten «Salzburger Stier» ausgezeichnet, mittlerweile in Basel und Kreuzlingen beheimatet und auf vielen Bühnen Europas aktiv, sieht den Thurgau als seine Poetry-Slam-Heimat – hier hat er den ersten Slam-Abend erlebt –, und bezeichnet die hiesige Szene als eine der aktivsten und wegweisendsten schweizweit, was vor allem initiativen Veranstaltern zu verdanken sei.

Return on Investment

Regierungsrätin Monika Knill konstatierte in ihrer Ansprache dem Thurgau eine lebendige Kultur und Kulturschaffende, die ernsthaft und diszipliniert arbeiteten. Mit dem Vergleich ohne Förderung des Breitensports kein Spitzensport widersprach sie zudem dezidiert der Meinung, Kultur brauche keine staatliche Förderung.

Dass Kulturförderung «keine subventionierte Freizeitgestaltung» ist, zeigen denn auch die teils beachtlichen Leistungsausweise der dieses Jahr Geförderten (siehe Kasten) wie auch die Berichte und Präsentationen der letztjährigen Beitragsempfänger Tomek Kolczynski alias Kold und Simone Keller, die, befragt von Kulturamtsleiter René Munz, über ihre Projekte (Kold: Aufenthalt in Rom, Live-Elektronik; Keller: Wort-und-Ton-Projekt mit Peter Stamm, Zusammenarbeit mit Komponistinnen u.a.) und Ziele berichteten. Sie erbrachten damit vor rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern im Kulturforum Amriswil beispielhaft den von Monika Knill genannten «Return on Investment» für die Thurgauer Kulturförderung. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 11.06.2009, 09:41 Uhr

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