Auf der langen Reise zur Sex-Göttin

Maya Onken, die Tochter der Psychologin Julia Onken, hat ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel «Heissssss», dabei geht es um Sex und das ziemlich direkt.

Maya Onken: «Ich hatte nie vor, Bücher zu schreiben.»

Maya Onken: «Ich hatte nie vor, Bücher zu schreiben.» (Bild: zvg)

Der Weg zum Sex-Subjekt

Maya Onkens neues Buch «Heissssss. Eine Lustreise zur Sexgöttin» beginnt mit einem Interview. Ich-Erzählerin Alé, Journalistin mit grossen Brüsten, trifft Christoph, sinnigerweise Spermaforscher, der daraufhin Alé, eigentlich verheiratet, Mails schreibt («Du siehst heissssss aus»). Die Stilmittel von Autorin Onken sind schnell erklärt: viel fantastische Monologe, viel plumpe eindeutige Doppeldeutigkeit («heissssss mit ‹sex› ‹S›»), viele vulgäre Metaphern. So ist Alé «mit 38 Jahren noch gut im Saft», aber eine «absolute Masturbationsanfängerin». Sie spürt ihre innere Lava brodeln, träumt von Christophs «Lustrohr» und lässt sich «rhythmisch über seinen Taktstock ziehen».

Onkens Buch mit Charlotte Roches «Feuchtgebiete» gleichzusetzen, wäre falsch. Roches Protagonistin Helen bleibt schemenhaft, ihr Verhalten ist unausstehbar gestört-pubertär: Sie interessiert sich nur für Körpersäfte, Analsex, Avocadokerne (zur Masturbation). Diesbezüglich ist Onkens Alé vielschichter angelegt: Sie setzt sich kritisch mit der Unterwerfung im Schlafzimmer, mit der Rolle der Frau als männliche Projektionsfläche und mit sexueller Enttäuschung auseinander. Insofern kann man Onkens Text tatsächlich als eine Anleitung zu gutem Sex verstehen: Die Frau soll, sie darf Subjekt sein, währenddessen der Mann Einfühlsamkeit beweisen muss und im Bett nicht nur seine stereotypen Fantasien, sondern die Bedürfnisse der Frau berücksichtigt.

Der Haken: Neu ist das alles nicht. Fast alle Forderungen der Figur Alé beruhen auf Allgemeinplätzen: Wir wissen doch längst, dass Frauen lieber küssen als Männer, lieber Worte in die Ohren hauchen als Männer, lieber kuscheln als Männer. Ob nun Onkens Text «Heissssss. Eine Lustreise zur Sexgöttin» die Männer auf neue Gedanken bringt? (lgd)

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Frau Onken, die Sprache in Ihrem Buch ist zum Teil recht vulgär, das würde man Ihnen gar nicht zutrauen?

Maya Onken: Es hat mich erstaunt, dass die Vulgär-Sprache so eingefahren ist. Dabei nimmt sie auf den 300 Seiten nur wenig Platz ein. Von der wissenschaftlichen Sprachebene im Buch spricht dagegen kaum jemand. Ich habe mich auch um neue, kreative Wortschöpfungen bemüht, um Sexuelles zu benennen. Andererseits benutzen Männer deftige Ausdrücke.

Ist die Aufregung scheinheilig?

Das wäre eine bösartige Unterstellung. Scham hat durchaus ihre Berechtigung. Die Frauen sollten sich aber auch bewusst sein, dass die Männer nicht nur von ihren schönen Augen schwärmen. Im Cyber-Sex zum Beispiel geht es wirklich ab.

Charlotte Roche schreibt in «Feuchtgebiete» auch sehr direkt und hat damit einen Bestseller gelandet. Sind Sie auf den Zug aufgesprungen?

Mein Buch war bereits fertig, als «Feuchtgebiete» erschienen ist. «Feuchtgebiete» hat sicher auch seinen Wert, weil es Tabuvorstellungen auf krasse Art und Weise aufbricht. Mein Buch steht aber nicht auf der gleichen Stufe, es ist sehr viel differenzierter. Das Vulgäre spielt nur eine Nebenrolle, dabei werden die Männer zitiert.

«Heissssss» verkauft sich auch sehr gut.

Geradezu sensationell. Das Buch ist erst ein paar Tage auf dem Markt und es wurden schon tausend Exemplare verkauft. Das freut mich sehr.

Hat das Buch damit sein Ziel schon erreicht?

Nein. Ich möchte, dass die Frauen anfangen, über Sexualität zu reden. Dass sie herausfinden, was sie wirklich möchten. Ich wollte eigentlich ein Sachbuch über emanzipierte weibliche Sexualität schreiben, aber das liest kein Mensch. Darum habe ich es in eine Geschichte verpackt.

Es ist also nicht nur ein Sex-Buch?

Auf keinen Fall. Es trifft mich, wenn das Buch nur auf Sex reduziert wird. Es ist ein Appell an die Frauen, dass sie aufhören sollen, Sex-Objekte und passive Opfer zu sein. Sie sollen zum Subjekt werden und damit zur Sex-Göttin.

Was ist eine Sex-Göttin?

Eine Frau, die ihre Sexualität erforscht und reflektiert und somit weiss, was sie will und was sie nicht will. Also eine Frau, die ganz nah bei ihren Wünschen ist und diese auch aktiv umsetzt. Eine Sex-Göttin kann Ja sagen, aber auch Nein.

Sind Sie eine Sex-Göttin?

Immer wieder mal und dann habe ich wieder einen Rückfall ins Objekt, dann rapple ich mich wieder auf und versuche Subjekt zu werden. Sex-Göttin zu sein ist eine Reise und kein Zustand.

Sie sind die Tochter der Psychologin und Bestseller-Autorin Julia Onken. Sind Sie mit «Heissssss» aus dem Schatten ihrer berühmten Mutter getreten?

Ich hatte nie vor, Bücher zu schreiben. Das hat sich so ergeben. Wir kennen beide unsere Stärken und Schwächen und arbeiten ja Hand in Hand am Frauenseminar Bodensee. Ich muss meine Mutter nicht übertrumpfen. Ich freue mich über ihren Erfolg und sie freut sich über meinen.

Maya Onken. Heissssss. Eine Lustreise zur Sexgöttin. Verlag Xanthippe, 2009. 270 Seiten.

Zur Person Maya Onken

Maya Onken, geboren 1968, hat Germanistik, Pädagogik und Didaktik studiert. Nach einer kurzen Laufbahn als Gymnasiallehrerin wechselte sie in die Privatwirtschaft. Seit 2006 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung des Frauenseminars Bodensee. Ihr erstes Buch «Hilfe, ich bin eine emanzipierte Mutter» schrieb sie zusammen mit ihrer Mutter Julia Onken. Maya Onken ist verheiratet und hat zwei Kinder. (tz) (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 26.09.2009, 10:39 Uhr

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