Druck auf Exportfirmen steigt

Das Schoggigesetz stösst der Lebensmittelindustrie sauer auf. Die aktuelle Anwendung führt zu Standortnachteilen. Auch Thurgauer Betriebe bekommen dies zu spüren.

Für Schleckmäuler: Produktion bei Chocolat Bernrain.

Für Schleckmäuler: Produktion bei Chocolat Bernrain.
Bild: Nana do Carmo

70 Millionen Franken hat das Parlament für das Jahr 2010 für die Umsetzung des sogenannten Schoggigesetzes bewilligt. Nach dem geltenden Abkommen mit der WTO hätten es auch 114,9 Millionen Franken sein können. Über das Schoggigesetz werden exportorientierte Unternehmen der Lebensmittelindustrie unterstützt: Diese müssen für Rohstoffe wie Milchpulver, Butter oder Mehl aus Schweizer Produktion höhere Preise bezahlen als ihre Konkurrenten im Ausland.

Die über das Schoggigesetz gesprochenen Gelder sollen die Differenz zwischen Schweizer Rohstoffpreisen und jenen auf dem Weltmarkt ausgleichen. Doch die für 2010 gesprochene Summe ist bereits Mitte Juni so gut wie aufgebraucht. Tiefere Margen Die Kreuzlinger Chocolat Bernrain setzt den grössten Teil ihrer Produktion im Ausland ab. Eine übliche Milchschokolade enthält etwa 20 Prozent Milchpulver. Seit Anfang Mai sind die Exportbeiträge mangels Geld um 50 Prozent reduziert worden. «Ausländische Konkurrenten können billigere Rohstoffe beschaffen und somit günstiger produzieren», sagt Roland Schuler, Mitglied der Geschäftsleitung von Chocolat Bernrain. Die Verkaufspreise von Fertigprodukten könnten kaum erhöht werden. «Die Marge für Chocolat Bernrain wird kleiner.» Wie andere Firmen auch hat Chocolat Bernrain deshalb ein Gesuch um Veredelungsverkehr gestellt.

Ausweichen keine Option

Bei einer Genehmigung könnte das Unternehmen Milchpulver für Export-Schokolade auf dem Weltmarkt einkaufen. Doch dies ist nur auf den ersten Blick attraktiv. Aus Qualitätsgründen, aber auch um den Schweizer Markt zu stützen, hat Chocolat Bernrain bis jetzt seine Rohstoffe aus der Schweiz bezogen – wo immer dies möglich ist. Es ist deshalb noch offen, ob Bernrain die Möglichkeit des Veredelungsverkehrs nutzen wird.

Die Wigoltinger Schälmühle Zwicky exportiert unter anderem Weizenmehlprodukte als Halbfabrikate an die europäische Lebensmittelindustrie. Die Halbierung der Beiträge zur Stützung der Schweizer Lebensmittelindustrie machen pro 100 Kilo Weizenmehl 30 Franken aus. «Wir können unsere Preise nicht anheben», sagt der stellvertretende Direktor Cemil Klein. Das wirke sich auf die Marge aus. Grössere Betriebe würden eine Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland in Betracht ziehen. Als produzierender Mühlebetrieb ist für Zwicky ein Ausweichen auf den Veredelungsverkehr keine Option.

Dies gilt auch für die Hochdorf-Gruppe mit einem bedeutenden Produktionsstandort in Sulgen. «Schweizer Produkte wie Milchpulver und Babynahrung geniessen im Ausland einen gewissen Bonus», sagt Sprecher Christoph Hug. Die Preise könnten aber nicht beliebig angehoben werden. «Für Hochdorf resultiert ein Standortnachteil.» Hochdorf ist zwar an marktkonformen Rohstoffpreisen interessiert. Aber, so Schuler: «Würde man die Obergrenze von 114 Millionen Franken ausnützen, wäre das ein Beitrag, um die angespannte Situation auf dem Milchmarkt zu entspannen.» (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 15.06.2010, 14:25 Uhr

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