Tagblatt Online, 28. März 2008 01:30:00
Zwiesprache auf mentaler Ebene
Paul Bischofberger aus Pfyn spricht mit den Tieren. Telepathie hat für den Informatiker nichts mit Zauberei zu tun. Er setzt sie erfolgreich als Lebenshilfe für Mensch und Tier ein.
Pfyn – «Was soll ich tun, mein Hund ist so aggressiv, können Sie nicht einmal mit ihm sprechen?» Paul Bischofberger hört sich die Geschichte der besorgten Frau an. Vor Ort unterhält er sich mit dem Hund. «Warum bellst du vor allem die älteren Leute an?» Akustisch bleibt alles ruhig, die Zwiesprache verläuft auf mentaler Ebene. Wie soll sich der Laie das vorstellen? «Ich erhalte Gedanken, Gefühle oder Bilder übermittelt», erklärt Bischofberger. Er übersetzt die Botschaften und beschreibt, wie das Tier sich fühlt. Er sieht die junge Mischlings-Hündin, die lieblos auf einem Bauernhof aufgezogen und von einer älteren Frau geschlagen wird.
In gewohnter Umgebung
Die Vorstellung, mit Tieren zu reden, hat die Menschen schon immer fasziniert. So turbulent wie in der Geschichte von Dr. Dolittle und seinen vierbeinigen Patienten geht es bei Paul Bischofberger nicht zu. Die Tiere stürmen nicht in seine Praxis, sondern die Tierhalter schildern ihm telefonisch oder per Mail ihre Anliegen, wenn sie Unstimmigkeiten oder ein auffälliges Verhalten feststellen. Der Tierkommunikator besucht die Menschen und Tiere in der Regel in der gewohnten Umgebung. «Das erspart dem Tier unnötigen Stress», sagt er. Paul Bischofberger hält fest, dass er keine Krankheitsdiagnosen stellt oder gar den Tierarzt ersetzen kann.
Hauptberuflich ist er Informatiker und arbeitet an Programmen für die Steuerverwaltungen. Schon als Kind fand er sofort Kontakt zu Tieren. Mit ihnen zu reden begann er vor drei Jahren, zuerst nur im Familien- und Verwandtenkreis. Er besuchte verschiedene Kurse und Ausbildungen. Der 28-Jährige weiss, dass seine Tätigkeit bei vielen Skepsis hervorruft. Doch die vielen Ratsuchenden stören sich nicht daran. Die Erfolgsmeldungen belegen es. Nur einmal klappte der Dialog nicht. «Freunde baten mich, einen Bekannten aufzusuchen und dessen Hund zu therapieren.» Der Tierhalter zeigt sich zwar interessiert, aber der Hund signalisierte ganz klar: «Hau ab.» Es braucht das Einverständnis von beiden, davon ist Bischofberger überzeugt.
Katze mit Verlustängsten
Tiere, die als Nutz- oder Haustiere mit Menschen zusammenleben, können aufgrund von Missverständnissen Verhaltensauffälligkeiten entwickeln: Bischofberger erinnert sich an eine Katze, die plötzlich begann, die Wohnung zu markieren. Sie spürte anbahnende Veränderungen, denn ihre Herrin wollte sich beruflich verändern. Es stellte sich heraus, dass die Katze als Baby zu früh von ihrer Mutter getrennt wurde und mit Verlustängsten reagierte. Der Tierkommunikator will die Bedürfnisse von Tier und Mensch aufeinander abstimmen, Blockaden und Traumata ansehen und auflösen. «Das setzt die Bereitschaft voraus, an den eigenen Verhaltensmustern und Schwächen zu arbeiten», sagt er.
lChristine Luley
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