Graubünden: Wieder Nein zu Olympia

ALLGEMEINES ⋅ Das Bündner Stimmvolk verwirft zum zweiten Mal innert vier Jahren eine Kandidatur für die Durchführung Olympischer Winterspiele. 60 Prozent sagen Nein zu einem Kredit von 25 Millionen Franken.
12. Februar 2017, 16:56

Nur vier Jahre nach dem Nein zu den Olympischen Winterspielen 2022 verwarf Graubünden die neue Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 mit 41'633 zu 27'648 Stimmen bei 50,90 Prozent Beteiligung. Ein Nein gab es unter anderen auch in den Sportorten St. Moritz (56,1 Prozent), wo derzeit die alpinen Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen werden, und Davos (52,9 Prozent).

Bei Swiss Olympic bedauert man es "ausserordentlich, dass die Chance auf Olympische und Paralympische Winterspiele im Kanton Graubünden nicht genutzt werden kann." Es habe für Swiss Olympic aber auch immer festgestanden, dass jedes Kandidaturprojekt die Unterstützung der Bevölkerung haben muss, so Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl. "Daher respektieren wir diesen Volksentscheid vollumfänglich."

Die Kandidatur, über die in Graubünden vor vier Jahren abgestimmt worden war, war beim Stimmvolk mit 52,7 Prozent durchgefallen. Wirtschaftsverbände hatten die Olympia-Idee danach aufgewärmt und an die Politik herangetragen, die sofort auf den Zug aufsprang. Die Kantonsregierung kaufte den Wirtschaftsexponenten deren Grobskizze für mehrere hunderttausend Franken ab und machte die Kandidatur zur eigenen. Der Grosse Rat liess sich vom Olympia-Fieber anstecken und stimmte dem Kredit von 25 Millionen fast einstimmig zu - einzig die SP-Fraktion lehnte die Vorlage ab. Mit Spielen, die nicht wie letztes Mal auf Davos und St. Moritz konzentriert waren, wollten Wirtschaft und Politik das Ja an der Urne diesmal hinbekommen. Vorgesehen waren mehrere Wettkampforte innerhalb und ausserhalb des Kantons Graubünden.

Noch ein Projekt übrig

Im nationalen Bewerbungsprozess verbleibt damit nur noch das Westschweizer Projekt mit Sitten als Host-City. Dieses läuft unter dem Motto "Sion 2026. Die Winterspiele im Herzen der Schweiz". Swiss Olympic wird nun die Evaluation dieses verbliebenen Projekts fertigstellen.

Die Kriterien bleiben die gleichen, wie bereits seit März 2016 bekannt. Um den Zuschlag auf nationaler Ebene zu erhalten, muss eine Kandidatur folgende Hauptforderungen von Swiss Olympic erfüllen: a) Die "Host-City" und die entsprechende Region wie auch die gesamte Schweiz müssen von der Kandidatur stark profitieren. b) Die Kandidatur muss so überzeugend und attraktiv sein, dass sie 2019 anlässlich der 132. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eine Mehrheit der Stimmen der IOC-Mitglieder auf sich vereinen kann.

Der Exekutivrat von Swiss Olympic entscheidet am 7. März, ob das Projekt als Schweizer Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 offiziell lanciert wird. Der Entscheid muss danach noch am 11. April vom Sportparlament von Swiss Olympic ratifiziert werden.

Bei der am 20. Januar in Bern offiziell lancierten Kandidatur aus der Westschweiz handelt es sich um eine interkantonale Bewerbung der Kantone Wallis, Waadt, Freiburg und Bern. Ende November wurde Sitten als Host-City bestimmt. Sämtliche Kantone haben ihre finanzielle Unterstützung der Kandidatur zugesichert. (sda)


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