Österreichischer Millionär verlost Traumhaus
Mit Glück für 99 Euro zu haben: Die Villa in Tirol.
Gut, architektonisch gewagt ist die Villa nicht gerade. Eher neorustikal, mit viel hellem Holz und weissen Wänden. Wie man heute halt so baut in den Alpen. Anderseits: Wer würde 320 Quadratmeter Wohnraum inklusive Fitnessraum, Sauna, mit Ausblick über das Inntal auf die Nordtiroler Bergwelt, mit grossem Garten und einem Schwimmteich direkt vor der Terrasse schon ausschlagen – wenn er dafür nur 99 Euro bezahlen müsste?
99 Euro – so viel kostet ein Los, das mit viel Glück zum Besitz der Luxusvilla von Karl Rabeder führt. Der 47-jährige gebürtige Oberösterreicher hat vor 15 Jahren sein Traumhaus auf einem Südhang oberhalb der Tiroler Gemeinde Telfs errichten lassen. Jetzt verlost er sie samt Inventar. Seit März 2009 läuft die Verlosung, am 28. Februar 2010 soll sie enden, vielleicht auch früher, sollte Rabeder schneller alle 21 999 Lose verkaufen.
Hausverlosungen werden in Österreich immer populärer. Manche bringen wirklich Geld, andere scheitern, weil sich niemand interessiert. Das Ungewöhnliche an diesem Fall ist allerdings, dass der Verlosende das Geld gar nicht für sich will. Ist die Hypothek zurückgezahlt und die Glücksspielsteuer abgeführt, wird Rabeder den Rest in den Aufbau seiner neuen Stiftung für Mikrokredite «MyMicroCredit» stecken. Er selbst will sich mit einer Kleinwohnung in Tirols Landeshauptstadt Innsbruck begnügen und mit monatlich 1000 Euro auskommen.
Mit 32 Jahren war er Millionär, jetzt hilft er Waisen
Rabeder hatte einmal richtig viel Geld. Der ausgebildete Lehrer aus Linz gründete in den 80er-Jahren eine Kunsthandwerksfirma und machte mit dem Verkauf von Kerzen ein Vermögen. Zur besten Zeit liess Rabeder in Ungarn, Polen und China produzieren, 400 Menschen arbeiteten für ihn. Mit 32 Jahren war er Millionär. Daneben nahm er als Segelflieger an Europa und Weltmeisterschaften teil und trainierte die österreichischen Junioren. Doch Reichtum und Eigenheim hätten nie seine Sehnsüchte befriedigen können, sagt Rabeder. Erst der Besuch von Waisenhäusern in Südamerika zeigte ihm die «logische Entwicklung»: zurück zum einfachen Leben.
2004 verkaufte Rabeder seine Firma an den grössten Konkurenten und begann auf eigene Faust mit Entwicklungshilfe in der Dritten Welt. Er wollte Waisen helfen, die mit ihrer Volljährigkeit die Waisenhäuser verlassen mussten. Er wollte ihnen aber nicht Geld schenken, sondern sie mit Kleinkrediten zur Selbsthilfe ermuntern.
Nicht mehr so luxuriös aber «unheimlich beglückend»
Rabeder verknüpft die Finanzierungsform mit moderner Kommunikation: Auf seiner Internetplattform werden die Kreditnehmer vorgestellt und die Finanzierungsprojekte kurz beschrieben. Die Kreditgeber können am Computer aussuchen, wen sie mit mindestens 25 Euro unterstützen: den Bäcker Juan in El Salvador, der 225 Euro für den Kauf von Backzutaten benötigt, oder ein Mädchen in Nicaragua, das mit 1200 Euro eine Ausbildung zur Agrarlehrerin machen möchte. Nach Ende der Laufzeit erhalten die Kreditgeber ihr Geld zurück, die Zinsen fliessen in neue Projekte. Mit dem Erlös aus der Hausverlosung will Rabeder die Gründungskosten der Internetplattform decken.
Seine Limousine und die Segelflugzeuge hat der ehemalige Millionär schon verkauft. Und ist einmal die Verlosung der Villa abgeschlossen, werde er wohl sehr viel Zeit bei seinen Projekten in Mittel- und Südamerika verbringen, sagt Rabeder. Sein Leben werde nicht mehr so luxuriös sein wie bisher. Dafür könne er seinen Beitrag dazu leisten, die Welt zu verbessern. Auf die Frage, wie sehr sich sein Lebensstil verändert habe, antwortet Rabeder im Radio, dass er heute etwa 5 bis 10 Prozent von seinem früheren Einkommen habe. Und das bezeichnet er als «unheimlich beglückend». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 09:52 Uhr








