Peer Steinbrück ist im falschen Film

Die Spannungen zwischen der Schweiz und Deutschland löste Peer Steinbrück mit seiner Bemerkung von der «siebten Kavallerie von Yuma» aus. Der Vergleich hinkt gewaltig und ist in mehrerer Hinsicht falsch.

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Das siebte Kavallerie-Regiment der US-Armee existiert heute noch und war auch im Irakkrieg im Einsatz. Der Spitzname der Einheit ist «Garry Owen», benannt nach dem irischen Trinklied «Garryowen».

Das siebte Kavallerie-Regiment der US-Armee existiert heute noch und war auch im Irakkrieg im Einsatz. Der Spitzname der Einheit ist «Garry Owen», benannt nach dem irischen Trinklied «Garryowen».

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Am EU-Gipfel in Brüssel vom Freitag sagte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück: «Ich habe gelernt, so unmissverständlich wie möglich zu formulieren, wenn es um die Schweiz geht.»

Doch analysiert man seine metaphorische Kavallerie-Drohung etwas genauer, ist sie alles andere als verständlich. Steinbrück hatte die Drohung mit einer schwarzen Liste gegenüber der Schweiz mit der «siebten Kavallerie vor Yuma» verglichen, die man auch ausreiten lassen könne. «Aber die muss man nicht unbedingt ausreiten lassen. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt», so Steinbrück.

Da hat sich Steinbrück wohl etwas in der Geschichte vergriffen: Die siebte Kavallerie von Yuma hat es gar nie gegeben. Zwar existiert eine siebte US-Kavallerie sehr wohl – auch heute noch – doch war sie nie in Yuma stationiert.

Die siebte Kavallerie hat versagt

Auch wirken die Einschüchterungsversuche mit der siebten Kavallerie im historischen Wissen um diese Versager-Kavallerie lächerlich. Denn kein Indianer braucht sich vor der Siebten zu fürchten. Am 25. Juni 1876 wurde das besagte Regiment unter General George Armstrong Custer von den Indianern am Little Big Horn im heutigen Montana vernichtend geschlagen.

Es war einer der ganz wenigen grösseren indianischen Siege gegen die amerikanischen Eindringlinge. Die Niederlage ist laut heutigen Analysen massgeblich der Selbstüberschätzung des Kriegstreibers Custer zuzuschreiben.

Peer im falschen Film

Vielleicht hat Steinbrück den Vergleich aber auch nur gemacht, weil er Western-Filme mag. Zum Beispiel den Streifen «Fort Yuma» (1955), in welchem die siebte Kavallerie aber keine Rolle spielt. Auch in «3:10 to Yuma» (2007) oder der TV-Serie «Yuma» (1971) gibt es eine solche Kavallerie nicht. Umgekehrt spielt der Western «7th Cavalry» nicht in oder vor Yuma. Peer Steinbrück scheint im falschen Film zu sein.

Die Stadt Yuma liegt am Colorado River und ist etwa 38 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt. Die siebte Kavallerie kämpfte hingegen im Norden.

Schaut Steinbrück Mangas?

Die siebte Kavallerie und Yuma passen also nicht zusammen. Das heisst, es gibt eine Ausnahme, wie der Blogger Plapperstorch herausgefunden hat. Es gibt eine japanische Manga-Serie namens «Saber Rider und die Starsheriffs» und darin kommt sowohl Yuma-City als auch eine siebte Kavallerie vor (Folge 51 und 52).

Der Erfolg der Serie in Japan war gering. Auf dem deutschen Markt war die 1987 umgearbeitete Version hingegen sehr erfolgreich.

Kein Aufschrei wegen der «Fleet in Beeing»

Interessanter als der Yuma-Vergleich ist aber ohnehin die Anspielung auf den Ausdruck der «Fleet in Being» gewesen, der Steinbrück ebenfalls benutzte – nur fiel das niemandem auf. Dabei ist dieser kriegerische Ausdruck im Kontext der deutschen Geschichte sehr viel heikler als irgendwelche Indianer-Vergleiche, die mehr an Fasnacht als an eine Drohung erinnern.

Der Begriff stammt laut Wikipedia aus dem pfälzischen Erbfolgekrieg (1690) und meint eine Flotte, die alleine durch ihre Existenz, ohne den Hafen zu verlassen, das Kriegsgeschehen beeinflusst. Die reine Möglichkeit eines Auslaufens dieser Flotte zwingt den Gegner seinerseits ausreichend Streitkräfte bereitzuhalten.

Während des Zweiten Weltkrieges bedrohte die deutsche Flotte in Norwegen mit dem Schlachtschiff Tirpitz die alliierten Konvois im Nordmeer. Dies zwang die Briten ihre Konvois mit starken Kräften zu schützen, obwohl die deutschen Schiffe selten ausliefen. (Thurgauerzeitung.ch/Newsnetz)

Erstellt: 30.04.2009, 17:44 Uhr

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20 KOMMENTARE

steve walthard

30.04.2009, 22:26 Uhr

@ Gregor Klaus: ja, das ist so. Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient. Italien den Berlusconi, welcher die Gesetze so biegt, dass sie ihm persönlich nutzen. Frankreich den Sarkozy, der früher als Wirtschaftsanwalt persönlich mit seinen Kunden nach Genf reiste, um deren unversteuertes Geld zu hinterziehen. Und Deutschland den Steinbrück, der mit seiner Rhetorik an frühere Zeiten erinnert...


Gregor Klaus

30.04.2009, 21:18 Uhr

es stimmt wohl, dass unser Minister Steinbrück aus der Hüfte formuliert. Dafür braucht er auch nicht eine Woche - wie BR Merz - um festzulegen, ob er nun auf eine Konferenz will, oder doch besser nicht. So hat jedes Volk die Politiker, die es verdient.


Hans E. Brülhart

27.03.2009, 17:30 Uhr

Diesem durch Allergie bedingten 'Jähzorn' kann man nur noch empfehlen, endlich zu schweigen, wenn er sich ja doch nicht beherrschen kann. Sieht er denn nicht ein, dass und wie er sich selbst, Deutschland und den gutnachbarschaftlichen Beziehungen zur Schweiz nur schadet ?


Roman von Sury

26.03.2009, 12:45 Uhr

wenn herr arendt beschämt ist wg der entgleisungen von steinbrück, so bin ich beschämt wg der absurden rassisitischen diskussionen bei uns - ausgelöst vom dümmlichen nr müller und gepusht von sensationsgeilen medien. um was gehts eigentlich? sind wir schweizer oder sind wir das bankgeheimnis, von dem viele hier unredlich profitieren? überlegts euch gut, dann versteht ihr den peer s. vielleicht!


Antony Arendt

25.03.2009, 09:23 Uhr

Liebe Schweizer, ich bin persönlich beschämt von den Entgleisungen unseres Finanzministers. Das ist möglicherweise auf den engen Kontakt mit Frau Merkel zurückzuführen, die sich ja ebenfalls in der Hierarchie irgendwo zwischen GOTT und Papst einsortiert hat. Zum Glück für uns alle ist dieses Jahr Wahljahr. Leider haben wir nicht Ihre direkte Form der Demokratie, wir werden repräsentiert.


Lidija Jametti

23.03.2009, 19:18 Uhr

Sie Herr Rudi Lanz sind doch auch von der gleichen linken SP Partei da in der Schweiz wie Herr Steinbrück in Deutschland von der SPD. Den Mund uns müsen Sie da in der Schweiz nicht verkleben. Es ist und bleibt nun Mal ein Deutsches Desaster mit uns auf diese Art kommunizieren zu wollen. Ein Hypopotamus, vielleicht in den imaginären Stiefeln aus "der Museumszeit" der Jahre 1940-1945?


Hans Keller

23.03.2009, 16:42 Uhr

Mal gucken ob Bleichgesicht Stein auf Brücke auch gegen Dubai und Delaware im gleichen Stil poltert wenn die Finanzplätze in Manitu-Europa ausgetrocknet worden sind. Aber gegen Araber und Amis fehlt ihm sicher der Mut. Wetten Usedom, Fehmarn und Sylt werden dann zu Steueroasen Steinbrücks Gnaden?


Marcel Bigler

23.03.2009, 15:27 Uhr

Vielleicht hat ja Custor Steinbrück gar seine eigenen Schäfchen oder in diesem Falle seine Milchkühe gemeint, wenn diese den Reissaus nehmen vor einer erdrückenden Staatsquote von beinahe 50 %. Vor der Tatsache, dass der Deutsche Bundestag zu rund 2 Drittel aus Staatsbediensteten besteht, ist die Steuerzockerei jedenfalls nur eine logische Schlussfolgerung davon.


Res Bühlmann

23.03.2009, 13:26 Uhr

Aber wir dürfen Cowboy Peer nicht zuviel stören. Er kontolliert nämlich gerade die " Akivitäten" der Deutschen Bank, Dresdener Bank, Kommerzbank bezüglich Steuerhinterziehung. Mal schauen mit was für einer gescheiten Rhetorik er wieder kommen wird! Die Holländer sagen in diesem Falle immer: " Ein Küchlein aus dem eigen Teig backen" Diesmal ein passender Vergleich?!


ruedi lanz

23.03.2009, 13:21 Uhr

Ich staune fast täglich, wieviel Platz unsere Medien für Herrn Steinbrück zur Verfügung haben. Ignoriert doch diesen dummen Plauderer einfach, dann hält er vielleicht seinen Mund. Allerdings zweifle ich doch sehr, dass er dazu intelligent genug ist.....


Jürg Berner

23.03.2009, 13:17 Uhr

Ein getroffener Hund jault. Die primitive Stimmungmache, die zur Zeit gegen Peer Steinbrück, einen excellenten Finanzminister, in den Schweiz läuft, ist doch ein Lob an Herrn Steinbrück. Er hat die Schweiz gar nicht erwähnt, aber einige Leute hier jaulen heftig. Also hat er genau ins Schwarze getroffen. Bravo, Herr Steinbrück! Ein grösseres Kompliment könnte es nicht gegeben.


Hans Müller

23.03.2009, 12:44 Uhr

Ach was, Herr Steinbrück hat nichts falsch gemacht. Er hat sich einfach richtig eingeschätzt: Er heisst ab sofort Peer "Custer" Steinbrück.


Pat Merz

23.03.2009, 12:29 Uhr

Es geht um die Steuerproblematik, schon vergessen? Vergesst doch jetzt einfach sofort mal diese Wildwest-Metaphorik, liebe Presse, und befasst euch wieder mit dem eigentlichen SACHTHEMA. ....


Martin Schneeberger

23.03.2009, 12:27 Uhr

Bestimmt hatte P. Steinbrück keine Historie im Kopf, als er das Argument vorbrachte. Egal wo, egal wann, kein US-Indianer konnte von Kavalleristen Respekt, Anstand und/oder faire Behandlung erwarten. Diese Tatsache widerspiegelt schon seit Jahren das Verhältnis der EU-Kavallerie mit den CH-Indianern. Daher ist die -sachliche - Empörung in der Schweiz richtig. Die CH-Politik muss sich einstellen!


Fritz Nussbaumer

23.03.2009, 12:13 Uhr

Die Deutsche Kavallerie "kämpft" im Moment am Hindukusch und am Horn von Afrika und niemand schaut hin.


Ronald Lack

23.03.2009, 12:02 Uhr

Warum macht man auch ein solches Geschrei um einen in seinen Ansichten veralteten und unwissenden Politiker. Die SPD merkt nicht dass Sie in der Koalition ausgespielt hat. Sie sollte schon längst aufhören ein Land zuführen, das passt zu unseren Genossen, immer nur fordern, laut aufheulen und selber nichts bringen.


Philipp Borer

23.03.2009, 12:00 Uhr

Die ganze Indianergeschichte ist doch lächerlich. Unsere Institutionen sollten doch einmal klar zum Ausdruck bringen, dass Steuerhinterziehung grundsätzlich ihren Anfang in der Steuerhoheit nimmt in der das Steuersubjekt aufgrund seiner Zugehörigkeit steuerpflichtig ist. Es ist kaum anzunehmen, dass der wichtigste Treiber für Hinterziehung einzig das Bankgeheimnis, irgendwo auf der Welt ist.


Silvan Kiser

23.03.2009, 11:46 Uhr

Genau! Auf so einem tiefen Niveau lohnt es sich doch gar nicht zu diskutieren. Kinderzeugs. Solange alle über Herr Steinbrück schreiben, fühlt er sich in seinen Vergleichen auch noch bestätigt. Man könnte die Energie besser nutzen, indem man nach Lösungen sucht und vorwärts macht. Herr Steinbrück wird sich dann seinem Gequängele selber überdrüssig.


Monika Bühler

23.03.2009, 11:33 Uhr

Wieder einmal mehr wird Peer's Geschrei als Verschleierung seiner Unwissenheit entlarvt. So interessant dieser Artikel auch ist, noch mehr Raum würde ich diesem Unwissenden nicht einräumen.


roly brunner

23.03.2009, 11:22 Uhr

Toll. Das ist die wichtigste Meldung der Woche. Darauf hat die ganze Menschheit gewartet. Danke! Gäbe es keine Presse.... die Schweiz stünde nicht so negativ im Rampenlicht... Tia.. traurig eigentlich.






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