An dieser Werbung hat sich Coca Cola verschluckt
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 29.07.2010
Dumm gelaufen: Mit diesem Spot wirbt Dr. Pepper gewöhnlich für sein süsses Produkt.
Peinlich genug? Mit diesem Inserat warb Dr. Pepper für die Statusübernahme.
«What’s the worst that could happen?» (Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?): Mit diesem Slogan wirbt der Getränkehersteller Dr. Pepper auf der ganzen Welt. Zum Beispiel anhand witziger Spots mit zweideutigem Inhalt. Das funktioniert vor allem beim jungen Publikum gut. Doch mit ihrer Facebook-Aktion ist die Coca Cola Company, die Dr. Pepper in Europa vertreibt, zu weit gegangen.
Denn für die Kampagne engagierte die Coca Cola Company die britische Agentur Lean Mean Fighting Machine – und deren verrückter Name ist Programm. Um möglichst viele junge Facebook-User anzusprechen, heckte diese nämlich eine Strategie aus, die böse in die Hose gehen sollte.
«Was ist falsch daran, in die Dusche zu pinkeln?»
In einem Wettbewerb traten die Facebook-User ihre Statusleiste Dr. Pepper ab, sprich: Statt sie selbst verfasste die Lean Mean Fighting Machine ihre Statusmeldungen. Und zwar unter dem bekannten Leitspruch «What’s the worst that could happen?». Die Facebook-Benutzer konnten einen Peinlichkeitsgrad auswählen, der ihre Chancen auf den Höchstpreis von 1000 Pfund erhöhte.
Und so standen anstelle der «Gehe jetzt dann mal arbeiten»-Meldungen mehr oder weniger lustige Statements wie «Was ist falsch daran, in die Dusche zu pinkeln?», «Meine Zahnbürste fiel ins Klo – und ich hab sie dennoch benutzt» oder «Niedlich hat meinen noch keine genannt». Das mochte der eine oder andere noch amüsant finden. Doch mit einer Statusmeldung hat sich die Agentur total vertan.
Denn wie eine erboste Mutter meldete, las sie auf dem Facebook-Profil ihrer 14-jährigen Tochter: «Ich habe ‹2 Girls 1 Cup› gesehen und war danach immer noch hungrig». Das klingt noch nicht sehr verwerflich, wenn man das besagte Video – ein Fetisch-Porno der besonderen Art – nicht kennt.
Peinliches Entschädigungsangebot
Doch die interessierte Mutter wollte wissen, um was für eine Sorte Film es sich denn handelte und recherchierte im Internet. Dort fand sie heraus, dass ihre Tochter tatsächlich nach dem Film gesucht hatte – weil sie nämlich ebenfalls wissen wollte, was ihr Dr. Pepper Seltsames in den Status geschrieben hatte. Weiter erfuhr die schockierte Mutter, dass es im Film um Exkremente verspeisende Mädchen geht. Ganz und gar nicht erfreut über diese Pornoreferenz beschwerte sie sich bei Coca Cola. Da spielte es keine Rolle mehr, dass die Tochter das besagte Video im Web erst gar nicht anschauen konnte.
Offenbar folgte darauf ein reger E-Mail-Verkehr. Erst nach einigem Hin und Her sah der Getränkemulti den Fehler ein und versuchte die Wogen mit einer Entschädigung zu glätten. Ein Besuch in einem Musical inklusive Übernachtung in London, so das Friedensangebot. Für die Mutter aus Glasgow kein besonders guter Deal: Die Hinfahrt war im Angebot nicht inbegriffen.
Empörte Community
Auch andere «entsetzte» und «angeekelte» Eltern meldeten sich bei Coca Cola. So viele insgesamt, dass die Kampagne abgesetzt wurde. Aus der Idee, die zum Selbstläufer werden sollte, war ein Bumerang geworden. Oder doch nicht? Kaum war die Kampagne eingestellt, meldeten sich enttäuschte Fans zu Wort, die noch mehr peinliche Statusmeldungen verlangten. Dafür müssen sie aber nun wieder selbst besorgt sein. (Thurgauerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 29.07.2010, 12:54 Uhr










