«Langfristig schlechtes Denken»

BUCHS ⋅ Vor allem grosse Modeketten haben mit dem Ausverkauf teilweise bereits Anfang Dezember begonnen. Kleinere Fachgeschäfte in Buchs finden diese Entwicklung aus mehreren Gründen für die ganze Branche schlecht.
22. Dezember 2017, 06:55
Thomas Schwizer

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Die auffallenden Sale-Kleber in den Schaufenstern einiger «Ketten» propagieren bereits seit einigen Tagen Schnäppchen. Lokale Modefachgeschäfte in Buchs machen den scheinbar immer früheren Winterausverkauf nicht mit – auch wenn sie den Druck spüren, wie Marcel Veidt von Trendhouse by Hilty feststellt.

«Eine Abwertung für die Produkte»

Midseason-Aktionen, Black Friday: Grossanbieter mit zig Modefilialen im ganzen Land erwecken den Eindruck, als wenn die Zeiten verbilligter Angebote nicht lang genug sein können. «Diese Entwicklung ist sehr schlecht für die ganze Branche, weil sie eine Abwertung der Produkte bedeutet», sagt Marcel Veidt. Nadja Goldener von Helbling Mode stimmt ihm bei. Das kurzfristige Umsatzdenken schade dem Image der Modebranche und erwecke bei der Kundschaft den Eindruck, sie soll einfach auf den nächsten Ausverkauf warten.

Beide stellen fest, dass grosse Modeketten für den Ausverkauf ein spezielles Billigsortiment einkaufen, das qualitativ meist nicht gleichwertig sei und für günstige Lockvogelangebote genutzt wird. Da können und wollen beide lokalen Fachgeschäfte nicht mithalten – nur schon der Menge wegen. Denn wenn man Kleider mit 50 Rabatt anbiete, müsse man drei- bis viermal mehr davon verkaufen, um die notwendige Marge zu erwirtschaften, stellt Nadja Goldener fest.

Trendhouse by Hilty und Helbling Mode bieten in ihrem Ausverkauf dagegen ausschliesslich Kleider aus dem normalen Sortiment an – und damit von entsprechender Qualität, wie Veidt und Goldener betonen.

«Das Ganze ist ein Verdrängungskampf, bei dem es nur noch darum geht, Umsatz zu generieren», so Marcel Veidt. Im Modefachgeschäft müsse er aber den nötigen Betrag erwirtschaften, um die Kosten decken und die Löhne der Mitarbeitenden bezahlen zu können. Deshalb mache er bei dem immer früheren Winterausverkauf nicht mit.

Dienstleistungen und Stammkunden belohnen

Nadja Goldener hält fest, dass bei Helbling Mode der Ausverkauf erst am 2. Januar beginnt. «Wir müssen uns von den Grossen abheben mit unserem Sortiment, mit Marken, die andere nicht führen, mit unserer Beratung und unseren Dienstleistungen – wie der umgehenden Änderung in unserer hauseigenen Schneiderei. Generell müssen wir in unseren Fachgeschäften das Einkaufserlebnis, die Freude am Produkt und an der Beratung in den Fokus stellen.»

Auch bei Marcel Veidt startet der Ausverkauf Anfang Januar. Sehr wichtig sei für sein Fachgeschäft die Kundenpflege, betont er. So werden die Stammkunden mit Mailings per Post oder E-Mail vorinformiert und belohnt, indem sie kurz vorher an Stammkundentagen bereits exklusiv vom Rabatt profitieren.


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