Faszinierende Wintersportausstellung

SÄNTIS ⋅ Vergangenen Freitag traf sich die Wintersportfamilie auf dem Säntis. Rund 300 Gäste folgten der Einladung der Säntis Schwebebahn. Grund war die Vernissage zur Ausstellung «Faszination Wintersport» auf dem Säntisgipfel
27. Dezember 2017, 06:36
Christiana Sutter

Beim Verlassen der Gondel auf dem Säntisgipfel wird man von einem Bobschlitten empfangen. Ein paar Schritte weiter steht man inmitten von ehemaligen Wintersportgeräten und Bildern, die beim Betrachter Erinnerungen wach rufen. Wie so viele Gäste strahlt auch Skisprung Weltmeister Walter Steiner aus Wildhaus, der aus seiner Wahlheimat Schweden an die Vernissage angereist ist. Er war einer der erfolgreichen Athleten an den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo. Er gewann die Silbermedaille sowie an den Skiflug-Weltmeisterschaften 1972 in Planica Gold, 1973 in Oberstdorf Silber und in Vikersund 1977 nochmals Gold.

«Eine beeindruckende Ausstellung», betont auch der Bobfahrer Beat Hefti aus Schwellbrunn. Er wird demnächst die Olympia-Goldmedaille aus Sotschi erhalten. Dies, nachdem dem Sieger von Sotschi ein Dopingmissbrauch nachgewiesen werden konnte. Ein weiterer Bronzemedaillengewinner aus Sapporo ist der Bobfahrer Jean Wicki. Auch er ist überwältigt von der Vielfalt der Ausstellung.

Nebst Walter Steiner, Jean Wicki und Beat Hefti sind auch der Bronzemedaillengewinner der 4 mal 10 Kilometer Staffel aus Sapporo, Alfred Kälin, und der ehemalige Skirennfahrer Karl Alpiger aus Wildhaus unter den Gästen. Alpiger gewann an den Skiweltmeisterschaften 1987 in Crans-Montana und 1989 in Vail jeweils die Bronzemedaille. An den Olympischen Winterspielen in Sapporo war die Schweiz die erfolgreichste Nation. Dank diesen Erfolgen hat der Wintersport wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich viel Aufmerksamkeit in der Schweiz erhalten. Nebst vielen ehemaligen Persönlichkeiten der Wintersportfamilie aus der ganzen Schweiz besuchten auch Politiker aus den Kantonen St. Gallen sowie Appenzell Inner- und Ausserrhoden die Vernissage. Der Verwaltungsratspräsident der Säntis Schwebebahn AG, Hansruedi Laich, begrüsste die Gäste mit der Bemerkung, dass sie sich jetzt auf Wildhauser Boden befinden. «Karl Alpiger, du bist hier ein Einheimischer.» Hansruedi Laich dankte dem Initianten der Ausstellung, Güst Broger. Dieser hat die Ausstellung mit seiner Partnerin Rosavita Düring mit Herzblut gestaltet.

Skiwachs testen auf den Abfahrten ins Toggenburg

Das Laufen oder Gleiten auf dem Schnee fasziniert den Menschen schon seit jeher. Die Wintersportausstellung auf dem Säntis zeigt Exponate aus den Anfängen des Skibaus bis zu den Hightech-Skis von heute, notabene noch immer aus Holz. Ein besonderes Ausstellungsstück sind die Skis, mit denen Bernhard Russi 1972 seinen Olympiasieg in der Abfahrt in Sapporo holte sowie die Sprungski von Simon Ammann.

Während der Jahrzehnte hat sich der Wintersport stark entwickelt. Die Ausstellung zeigt Ski und Langlaufski aus den verschiedenen Epochen. Generell hat sich das Material in dieser Zeit stark verändert. Auch die Pistenpräparation sowie die Lift- und Bahnanlagen haben sich entwickelt. Ein wichtiger Faktor im alpinen und nordischen Skisport ist der Skiwachs. Die Firma Toko aus Altstätten hat seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine grosse Bedeutung im Rennsport. Toggenburger und Appenzeller Skirennfahrer testeten in den 1940er-Jahren Skiwachs dieser Marke auf den Abfahrten ins Toggenburg. Heute gehört Toko zu den führenden Wachsherstellern im Rennsport. Nebst Exponaten aus dem alpinen und nordischen Skisport sind auch Bobschlitten und eine Eishockeyausrüstung des Herisauer Goalies Jonas Hiller ausgestellt. Auch erfolgreiche Ostschweizer Skiathleten präsentieren sich auf Bildern. Athleten des Ostschweizer Skiverbandes (OSSV) gewannen immer wieder Medaillen an Olympischen Winterspielen oder Weltmeisterschaften.
 

Geschichte geschrieben mit Sommerskirennen

Der Säntis ist kein Skiberg. Es ist der Skitourenberg. Geschichte geschrieben hat der Säntis jedoch mit dem Sommerskirennen. Gestartet wurde beim alten Säntis auf dem grossen Schneefeld. Das Ziel war auf der Meglisalp. Das Rennen wies 57 Kontrolltore auf und die Fahrt dauerte rund vier Minuten. Es waren die Skirennfahrer aus Brülisau-Weissbad, dem Skiclub Speer und die Athleten aus dem Toggenburg, die das Sommerskirennen prägten. Die Rangverkündigung war auf der Meglisalp mit einer grossen Skichilbi verbunden. Heute ist der am stärksten frequentierte Tag der Karfreitag. Für die Appenzeller ist es Tradition, an diesem Tag die Säntisabfahrt auf die Meglisalp mit den Ski zu befahren, während es die Toggenburger von der Stütze Zwei nach Unterwasser zieht. Sommerskigeschichte geschrieben hat der Trainingslift des OSSV. Er wurde 1983 erstellt und diente nicht nur den jungen Skirennfahrern des OSSV, sondern auch Marc Girardelli, dem vierfachen Weltmeister und Olympiamedaillengewinner, als Trainingslift.

Weitere Highlights der Ausstellung sind Bilder und Werbeplakate. Diese lösen Emotionen aus. Die alten Werbeplakate sind kleine Kunstwerke und haben bereits Sammlerstatus erreicht. Jeder Wintersportfan findet etwas in der Ausstellung, das ihn an vergangene Zeiten erinnert. Auch für die Jüngeren ist es faszinierend zu sehen, welche Entwicklungen diese Sportarten im Lauf der vergangenen Jahrzehnte durchgemacht haben.

Die Ausstellung «Faszinierender Wintersport» auf dem Säntis kann bis am 8. April 2018 besucht werden.


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