Tagblatt Online, 07. Februar 2012 01:05:00
Der Kugelfang ist bald bleifrei
Schicht um Schicht trägt der Bagger die Erde am Kugelfang ab. Ingenieur Marcel Ammann misst die Schadstoffkonzentration. (Bild: Donato Caspari)
MÄRSTETTEN. In Märstetten hat die Sanierung des Erdwalls der 300-Meter-Schiessanlage begonnen. Eine aufwendige Massnahme, von der die Gemeinde noch nicht weiss, was sie kosten wird. Dies hängt von der Menge des entsorgten Materials ab.
URS BÄNZIGER
Vorsichtig gräbt sich der Bagger in den Boden. Es ist eisig kalt. Dampf steigt aus der abgetragenen Erde. Dick verpackt und vermummt unter einer alten Militärmütze, verfolgt Marcel Ammann vom Ingenieurbüro Meier und Partner die Arbeit des Baggerführers. Für die beiden ist die Tätigkeit im Thurvorland von Märstetten bei diesen frostigen Temperaturen nicht angenehm, für die Sanierung des Kugelfangs der 300-Meter-Schiessanlage ist die gefrorene Erde von Vorteil.
Ein Aufwand, der sich lohnt
Denn der Bagger darf nur Schicht um Schicht des Erdwalls abtragen. Nach jeder Schicht misst Ammann mit einem Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer die Schadstoffkonzentration. Es sei ein grosser Arbeitsaufwand, der sich lohne, betont Gemeindeammann Jürg Schumacher. Seit über 100 Jahren schiessen die Märstetter Schützen auf dieser Anlage. In dieser Zeit hat sich im Erdwall hinter den Schiessscheiben einiges an Schwermetall angesammelt; vor allem Blei.
Je nach Messergebnis wird die Erde in eine von drei Belastungskategorien zugeteilt. Das am stärksten belastete Erdreich wird in einem aufwendigen und kostspieligen Verfahren in der Bodenwaschanlage der Firma Kibag RE AG in Regensdorf von den Schadstoffen getrennt. Die weniger belastete Erde wird in regionalen Deponien entsorgt.
Kanton und Bund zahlen mit
Wie viel umweltbelastendes Blei sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte im Kugelfang der Märstetter Schiessanlage angesammelt hat, weiss man nicht genau. Das wird die Sanierung, die gestern Montag begonnen hat, zeigen. Der Gemeindeammann hofft, dass sich die Menge der hoch belasteten Erde in Grenzen halten wird. Denn die Entsorgung ist teuer. Schumacher kann deshalb auch nicht sagen, was die Sanierung des Kugelfangs letztlich kosten wird. «Der Gemeinderat möchte keine Überraschung erleben und hat Gesamtkosten von 300 000 bis zu 1, 2 Millionen Franken einkalkuliert.» Der Kanton trägt die Hälfte der Sanierungskosten, der Bund leistet einen Beitrag von 80 000 Franken.
In der Grundwasser-Schutzzone
Die 300-Meter-Schiessanlage von Märstetten liegt im Einzugsbereich des Grundwasserpumpwerks der Regionalwasserversorgung Mittelthurgau. «Der Schiessstand befindet sich in der äusseren Schutzzone», erklärt der Gemeindeammann. Messungen hätten aber ergeben, dass das Grundwasser nicht belastet sei. Die Umweltgesetzgebung verlange aber eine Sanierung des Kugelfangs. Obwohl die Kugeln der Märstetter Schützen nicht mehr in den Erdwall hinter den Scheiben dringen. «Im Frühling 2008 hat die Schützengesellschaft künstliche Kugelfänge angeschafft», berichtet der Gemeindeammann.
Die Sanierung des Kugelfangs ist für die Gemeinde zwar eine aufwendige Angelegenheit, doch Schumacher unterstreicht die Notwendigkeit. «Es ist die Bereinigung einer Altlast, zu welcher die Gemeinde verpflichtet ist.» Unabhängig davon, ob die Schiessanlage weiterbetrieben werde oder nicht. In Märstetten ist allerdings eine Stilllegung der Schiessanlage kein Thema, denn die rund 25 Aktivmitglieder der Schützengesellschaft brennen darauf, bis sie ihre Anlage wieder benutzen können. Bis zum Saisonstart am Ostermontag ist die Sanierung abgeschlossen und der neue Erdwall errichtet.
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