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Thurgauer Zeitung
14. November 2015, 02:45 Uhr

Stärke für den grossen Nachbarn

Die Meyerhans Mühlen AG und die Model AG arbeiten erstmals zusammen. Ein Stärkeprodukt aus Dominic Meyerhans' Mühle wird zum Kleber für die Papierfabrik von Daniel Model. Bund, Kanton und Klimastiftung unterstützen das Projekt.

MARIO TESTA

WEINFELDEN. Dominic Meyerhans und seinem Team von den Weinfelder Mühlen ist ein grosser Wurf gelungen. Sie haben ein neues Verfahren entwickelt, um aus Mehl ein Stärkeprodukt herzustellen, das, vermischt mit Wasser, zu Leim wird. Diesen benötigt die Firma Model AG in ihren Papierfabriken in grossen Mengen, um Papier und Wellkarton Festigkeit zu verleihen.

Bisher bezog die Model AG die Stärke aus Luxemburg und Belgien. Allein für das Werk in Weinfelden 3500 Tonnen pro Jahr. Seit diesem Herbst fliegt das trockene Produkt durch eine silbrige Pipeline von der Meyerhans Mühle über den Kanal in die benachbarte Papierfabrik. Nur 400 Meter liegen zwischen der Produktionsanlage, die sich über vier Etagen in den älteren Gebäudeteilen der Mühle erstreckt, und dem Abnehmer.

Nachbarn seit 80 Jahren

Am Donnerstagmorgen haben die beiden CEOs Dominic Meyerhans und Daniel Model die gemeinsame Pipeline eingeweiht und die neue Zusammenarbeit ihren Gästen aus Wirtschaft, Industrie und Politik vorgestellt. «Es ist nicht selbstverständlich, auf einen Partner zu setzen, der nicht etabliert ist in der Branche», sagt Dominic Meyerhans und bedankt sich bei Daniel Model für das in seine Firma gesetzte Vertrauen. «Die Pipeline ist nun wie eine Nabelschnur, die zwei Familienbetriebe in Weinfelden verbindet und sie so stärkt. Wir haben heute allen Grund zum Feiern.»

Auch Daniel Model freut sich, dass nach 80jähriger guter Nachbarschaft der beiden Firmen eine erste Zusammenarbeit zustande kommt. «Ein Innovationsprojekt birgt immer Risiken. Aber Nähe reduziert das Risiko, persönlich und in der Sache. Und das ist hier beides der Fall.» Weizenstärke ergebe für die Papierherstellung ohnehin den besseren Kleister als Kartoffelstärke, die Umstellung sei daher doppelt willkommen. «Der Start mit dem neuen System ist gut verlaufen, die Richtwerte wurden erreicht. Aber wir müssen noch besser werden», dämpft er etwas die Euphorie.

Viel Energie wird eingespart

Dank der kurzen Wege des Stärkeprodukts, von der Mühle ins benachbarte Papierwerk in Weinfelden (und per LKW in die zweite Model-Papierfabrik in Niedergösgen) gewinnt auch die Umwelt. «Wir können etwa 800 000 LKW-Kilometer an Transporten jährlich einsparen gegenüber den bisherigen Zulieferungen aus Luxemburg und Belgien», sagt Andreas Klumpp, Betriebsleiter der Model AG. «Zudem sparen wir in den Papierwerken dank des neuen Stärkeprodukts einen Prozessschritt bei der Leimherstellung ein und damit nochmals 5000 Tonnen Dampf jährlich.» Die Model AG hat sich die Umstellung auf das neue Stärkeprodukt in den beiden Papierwerken rund vier Millionen Franken kosten lassen.

Die Meyerhans Mühlen haben gar sechs Millionen Franken in die Entwicklung und den Bau der Produktionsanlagen investiert. Das neue Verfahren (siehe Kasten) kommt mit etwa einem Viertel der Energie aus, die die bekannte Methode zur Stärkeherstellung benötigt.

Zuschüsse für die Innovation

Dank der hohen Energieeinsparung, die das neue Verfahren im Vergleich zur konventionellen Stärkeherstellung erreicht, und dank der grossen Innovationskraft im In- und Ausland wurden die Meyerhans Mühlen AG als KMU von vielen Seiten unterstützt. Die Klimastiftung Schweiz (siehe Wörtlich), der Kanton Thurgau und das Bundesamt für Energie leisteten finanzielle Beiträge.



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