Kissen, die von Herzen kommen

MÄRWIL. Die Märwilerin Kathrin Kurth vermittelt Kissen in Herzform an Brustkrebspatientinnen. Obwohl ihre Trostspender auch Schmerzlinderung versprechen, ist die Zusammenarbeit mit den Spitälern schwierig. Trotz Rückschlägen macht sie weiter.
06. September 2013, 08:02
KATHRIN SCHÖNENBERGER

Frauen nähen Herzen für Frauen. Diese werden in Spitälern an Brustkrebspatientinnen verteilt. Die Kissen sollen Trost spenden und schmerzende Stellen seitlich der Brust nach der Operation entlasten (siehe kleines Bild). Vor drei Jahren ist Kathrin Kurth in einem Bastelforum auf die Idee aus Amerika gestossen. Total begeistert informierte sie sich über solche Nähgruppen an Schweizer Spitälern – fündig wurde sie nicht.

Projekt in die Schweiz gebracht

«Innerhalb von 24 Stunden habe ich damals einen Blog eingerichtet und Herzen genäht», erzählt Kurth. Doch die Motivation, das Herzprojekt auch in der Schweiz zu lancieren, wurde schnell getrübt. Die Spitäler zeigten kein Interesse. «Viele lehnten ab, meinten das sei Schmuddelware oder fragten, ob ich in einer Sekte sei», schildert Kurth ihre Startschwierigkeiten. Mittlerweile werden jährlich 1000 Herzkissen in 16 Spitälern von der Ostschweiz über Bern, Basel bis in die Romandie kostenlos verteilt. Doch der Weg dahin war steinig.

Kissen mit Symbolcharakter

Die Spitäler beschreibt Kurth als schwerfälligen Apparat. Von einer Anfrage bis zur Antwort vergehe gut und gern ein halbes Jahr. «Keiner will sich diesem Projekt annehmen und schiebt die Verantwortung zur nächsten Instanz». Wegen administrativer Hürden ist darum mit den Spitälern im Thurgau keine Zusammenarbeit zustande gekommen. Wichtig sind daher die Kontakte zu den Breast Care Nurses (BCN). «Die auf Brustkrebs spezialisierten Pflegefachfrauen der einzelnen Spitäler sind häufig der Schlüssel für das Einverständnis zur Herzaktion», sagt die 47-Jährige. «Diese erkennen den positiven Effekt und setzen sich dafür ein.»

Dank erfährt die Hobbynäherin hauptsächlich über die BCNs. «Es ist verständlich, dass sich Patientinnen nur selten persönlich melden, unter Anbetracht der Leidensgeschichte erwarten wir das auch nicht». Laut Kathrin Kurth haben die Herzkissen mittlerweile Symbolcharakter. «Oft teilen mir Frauen enttäuscht mit, sie hätten im betreffenden Spital kein Herz bekommen. Diesen Bitten kann ich leider oft nicht nachkommen, weil ich meistens schon eine Absage vom entsprechenden Spital habe.»

Die Leute sind engagiert

Selber näht Kathrin Kurth keine Herzen mehr. Die Administration nimmt bis zu zwölf Stunden pro Woche in Anspruch. Aus diesem Grund ist sie auf ihre Näherinnen angewiesen. «Die Frauen sind sprichwörtlich das Herz des Projekts», sagt Kurth. Im Durchschnitt betreut sie einen Nähanlass pro Monat. Zum Teil melden sich Frauenvereine oder Firmen, die einen Beitrag leisten und Herzen nähen wollen. «Es ist unglaublich, wie engagiert die Leute sind. Man spürt die Freude jedes Einzelnen, mit persönlichem Aufwand den Patientinnen Trost und Schmerzlinderung spenden zu können», schildert Kurth die solidarische Atmosphäre an den Workshops.

Blick in die Zukunft

In Dänemark und Deutschland existiert bereits ein Netzwerk mit Nähgruppen. Kurths Ziel ist es, dass künftig auch hierzulande jedes Spital eine Nähgruppe mit gesicherter Finanzierung hat. Vier der 16 involvierten Spitäler haben bereits eine eigenständige Nähgruppe. «Obwohl dies erfreulich ist, tut es weh, wenn ich eine Gruppe abgebe», sagt Kathrin Kurth. «Anderseits erfüllt es mich mit Stolz zu sehen, wie sich das Projekt trotz Rückschlägen entwickelt».


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