Kinderfilm bewegt auch Senioren

Der Filmclub Zauberlaterne und die Pro Senectute hatten zu einem generationenübergreifenden Filmnachmittag eingeladen. Ein Dutzend Senioren mischte sich unter das junge Publikum.
02. November 2012, 01:35
CHRISTOF LAMPART

WEINFELDEN. Die Zauberlaterne ist ein Filmclub für Kinder im Primarschulalter. Doch am Mittwoch waren die Kinder für einmal nicht unter sich, hatte doch die Zauberlaterne gemeinsam mit der örtlichen Pro Senectute zu einem generationenübergreifenden Filmnachmittag eingeladen.

Rund ein Dutzend Seniorinnen und Senioren fanden sich im Weinfelder Kino Liberty ein, um sich mit 100 jungen Zuschauern den Kinderfilm-Klassiker «Pünktchen und Anton» anzusehen. Einen Streifen von 1953, was einer der Schauspielerinnen, die in den Nachmittag einführten, die Bemerkung entlockte: «Der Film ist so alt wie eure Grosseltern.» Der Schwarz-Weiss-Film nach der Romanvorlage Erich Kästners zog mit seiner Botschaft von echter Freundschaft zwischen einem armen Bub und einem reichen Mädchen beide Generationen in seinen Bann.

Enttäuschte Kinder

Doch es war etwas anderes, das bei vielen Kindern das Blut in Wallung brachte, bevor auch nur die erste Filmszene gezeigt worden war. Nämlich das Gefühl, um ein Geschenk betrogen worden zu sein. Denn die drei Schauspielerinnen spielten den Kindern und Senioren eine Szene vor, in der eine Schauspielerin einen Bauchladen voller kleiner verpackter Geschenke mit sich trug. Sie wolle den Kindern ein paar Geschenke machen, erklärte sie grosszügig, was im Saal Jubel auslöste.

Doch nach welchen Kriterien soll man die paar Geschenke verteilen? Nur an die Buben, nur an die Sarahs und Judiths im Publikum oder vielleicht nur an Viertklässler oder an alle Kinder mit den Schuhgrössen 27 bis 33?

Alle Vorschläge fanden bei den laut um sich rufenden Kindern keine Mehrheit, so dass schliesslich eine Schauspielerin befand, gar keine Geschenke zu machen, wenn nicht alle etwas bekommen – was laute Proteste zur Folge hatte. «Komm zurück» und «Spielverderberin» oder «Ich wott mis Geschenk» waren die Reaktionen des jungen Publikums als die Bauchladen-Frau den Kinosaal fast fluchtartig verliess.

Mitleid und Nächstenliebe

Doch dann fing die Vorstellung an, und im Nu wurde es mucksmäuschenstill im Saal. Die Kinder gingen in der Geschichte, welche davon handelt, dass Kinder Ungerechtigkeiten nicht mögen, Erwachsene aber nur allzu gerne schnell akzeptieren, regelrecht auf. Die Botschaft des Filmes, welche eine Mischung aus kindlichem Mitleid und tätiger Nächstenliebe ist, bewegte jedoch nicht nur die Kinder; auch die Senioren folgten gebannt den Ereignissen auf der Leinwand.

Eine Wiederholung?

Ob es angesichts der doch eher wenigen Senioren, die an diesem Mittwoch ins Kino kamen, wieder einmal zu einem gemeinsamen Filmnachmittag kommen wird, ist noch offen. Der Leiter der Zauberlaterne, Adrian Caramaschi, will dies zumindest nicht ausschliessen. «Diejenigen, die gekommen sind, hatten ihren Spass. Ich kann es mir gut vorstellen, dass wir so etwas wieder einmal machen.»


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