Der blanke Horror in Weinfelden

WEINFELDEN. Die Weinfelder Autorin Sanela Egli hat sich nach mehreren Kinderbüchern erstmals an einen Psychothriller gewagt. «Der Raum» ist eine hochspannende und verstörende Geschichte. Sie handelt von einem brutalen Entführer und Mörder.
23. Oktober 2014, 08:40
MARIO TESTA

«Sie muss erzogen und bestraft werden.» Dieser Gedanke verfolgt Protagonist Julius im Buch, wenn er an junge Frauen denkt, die sich allzu freizügig präsentieren und seinen Ordnungswahn nicht teilen. Um seine kranken Pläne in die Tat umzusetzen, baut sich der junge Tontechniker einen schalldichten Raum, entführt seine Opfer und peinigt sie in der Zelle. Die Weinfelder Autorin Sanela Egli hat das Buch «Der Raum» geschrieben und schafft es mit ihrem ersten Psychothriller, die Leser zu fesseln, zu unterhalten, zu schockieren. «Es ist kein Buch für Zartbesaitete, ich beschreibe Julius Handlungen detailliert und mit deutlichen Worten», sagt Sanela Egli. «Die Geschichte handelt vom Drang nach Kontrolle, Unterwerfung sowie emotionaler und körperlicher Gewalt. Auch das Stockholm Syndrom spielt im Buch eine wesentliche Rolle – also dass die Entführungsopfer manchmal eine emotionale Beziehung zu ihren Peiniger entwickeln.»

Als Schauplatz für die Geschichte hat sich Egli für Weinfelden entschieden. «Hier bin ich aufgewachsen. Ich kenne Weinfelden sehr gut, das macht die Geschichte authentisch.» Zudem sei es besonders für Leserinnen und Leser aus Weinfelden spannend, sich während der Lektüre des Buches auszumalen, wo die Handlungen stattfinden. «Es hat einige reale Orte im Buch; das Firehouse, der Friedhof, die Thurbrücke. Aber natürlich habe ich auch meine Phantasie spielen lassen und Orte dazu erfunden», sagt die 32-Jährige.

Hilfe von Experten

Rund ein Jahr lang arbeitete Egli an ihrem Buch. «Tagsüber machte ich mir immer wieder handschriftliche Notizen. Abends, wenn meine drei Kinder dann im Bett waren, setzte ich mich an den Computer und schrieb die Notizen ins Reine.» Sie gehe nie ohne Notizblock und Stift aus dem Haus, sagt die gelernte Parfum-Verkäuferin. «Inspirationen gibt es überall. Ich war auch auf all den beschriebenen Schauplätzen, habe sie mir eingeprägt und Fotos davon gemacht.» Zudem hat sie während der Arbeit am Buch Gespräche mit verschiedenen Experten geführt. Fabian Preisig vom Forensischen Institut Ostschweiz half ihr, das Stockholm Syndrom zu verstehen, Weinfeldens Hauptpostenchef Rolf Eggensperger erklärte ihr die Polizeiarbeit und Rafal Spray half ihr mit seinem Wissen zu Tonstudios und Lautsprecheranlagen. «Ich habe von diesen Fachspezialisten sehr viel erfahren und konnte dank ihrer Hilfe viele Aspekte in meinem Buch glaubwürdig und möglichst realitätsnah wiedergeben. Das hat mir sehr geholfen, sie gaben mir alle sehr bereitwillig Auskunft.»

Sanela Eglis Buch bringt der Konstanzer Verlag «Emmerich Books & Media» heraus. «Peter Emmerich hat mir sehr geholfen. Als Lektor hat er mich motiviert, detailliert zu schreiben – auch bei Szenen mit Sex oder Gewalt, vor denen ich anfangs grossen Respekt hatte.» Das stetige Überarbeiten habe sich gelohnt. «Ich bin sehr zufrieden mit meinem ersten Thriller. Auch die Feedbacks der Leserinnen und Leser sind gut.» Steigerungspotenzial sei natürlich vorhanden, sagt die ehrgeizige Hausfrau und Mutter.

Sie schreibt seit der Lehrzeit

Sanela Eglis Autorinnen-Karriere hat schon in der Lehrzeit begonnen. «Das fing damals an mit Gedichten, später folgten Kurzgeschichten. Und als meine drei Kinder kamen, habe ich Kinderbücher geschrieben», sagt sie. Bereits arbeitet Egli an ihren nächsten Büchern. «Mein Traum ist es schon, irgendwann meine Rechnungen von den Tantiemen bezahlen zu können. Aber ich bin Realistin, das schaffen in dieser Branche nur die wenigsten.»


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