Fragmente aus zwanzig Jahren Remise

Sie 1992 gibt es die Remise Weinfelden. Für eine Woche ist nochmals andeutungsweise installiert, was während zwanzig Jahren zu Kunstereignissen geworden ist, das experimentelle Sommeratelier in der Remise.
23. April 2012, 01:05
BARBARA FATZER

WEINFELDEN. 1988 hat die Gemeinde Weinfelden das ehemalige Specerey-Lager der alten Apotheke gekauft, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es sollte im Zug der Renovation der ganzen Anlage und dem Haus zum Komitee baulich verändert werden.

Dagegen wehrten sich einige weitsichtige Bürger, wie etwa Guido Müggler, Heinz Fey oder der Bildhauer Arthur Schneiter. Der rohe Holzbau wurde in seiner Ursprünglichkeit belassen und dann dank dieses Bürger-Einsatzes ab 1992 zum Experimentierraum. Jeweils im Sommer wird er Kunstschaffenden überlassen, die sich bewerben müssen dafür. Seit zwanzig Jahren bewährt sich das Konzept der Kulturkommission, die Remise ist beliebt bei experimentfreudigen Künstlern, betreut seit neun Jahren durch Brigitt Näpflin und Ivo Dahinden.

Unverzichtbar

Einmal mehr zeigt sich, wie sehr es von Persönlichkeiten mit Kulturinteresse abhängt, ob solche Projekte zustande kommen oder nicht, gegen die Gleichgültigkeit oder Abwehr derjenigen, die direkt daran teilnehmen könnten. Und dann braucht es auch Durchhaltewillen, Professionalität, ganzen Einsatz der Verantwortlichen und nicht zuletzt die nötigen Finanzen des Gemeinwesens, dass anspruchsvolle Kulturereignisse regelmässig stattfinden können. In Weinfelden ist das Sommeratelier jetzt etabliert, ist ein unverzichtbarer Beitrag im Kulturleben der Stadt geworden.

Kunstvolle Hausbesetzung

Weinfelden hätte also Grund, dieses Jubiläum ausgiebig zu beachten. Aber nur für eine Woche sind jetzt einstige Installationen fragmentarisch wieder in Erinnerung gerufen, bei über 25 Teilnehmenden auch ein schwieriges Unterfangen, alle voll zum Zug kommen zu lassen. Dafür liegt bei jeder Kunstposition Dokumentationsmaterial auf, das ein eindrückliches Bild der zwanzig Sommerateliers gibt, wie unterschiedlich die einzelnen Kunstschaffenden den Raum in Besitz nahmen und ihn umwandelten etwa in ein «Haus der Steine» (Renate Flury, 1992), in einen «wor t raum» (Barbara Steiner) oder in ein «Kleines Magazin» (Otmar Eder, Werner Widmer).

Festanlass

Einen Festanlass gab es letzten Samstag mit kurzen Reden, Wortkunst-Darbietungen von Gianni Kuhn und Hans Gysi und einem amüsanten Auftritt der Weinfelder Pianistin Simone Keller und Philip Barthels, die auf Kinderpianos vollen Tasteneinsatz gaben.

Ausstellung bis 29. April, Mittwoch, Donnerstag, Freitag 17.30–19.30 Uhr, Samstag, Sonntag 15–17 Uhr. www.sommeratelier.ch

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